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KfV warnt vor Kopfhörern

Jeder siebente Radfahrende ist mit Kopfhörern unterwegs, zeigten Beobachtungen des KfV. Die so erfolgende Beeinträchtigung wird weitgehend unterschätzt, wobei ein gesetzliches Verbot nicht explizit gegeben ist.  


Knopf im Ohr
Knopf im Ohr
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Jeder zehnte Jugendliche hört immer, wenn er als FußgängerIn oder RadfahrerIn unterwegs ist, mit Kopfhörern Musik. Das geht aus einer Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) hervor, bei der österreichweit 1.000 Personen befragt wurden. Jeder fünfte Jugendliche hat "oft" Kopfhörer im Ohr. Über alle Altersgruppen hinweg ist der Anteil deutlich geringer: Fünf Prozent gaben an, dass sie immer Musik hören, elf Prozent haben oft Stöpsel im Ohr, wenn sie per pedes oder mit dem Rad unterwegs sind.

Das Befragungsbild spiegelt sich auch in einer gleichzeitig stattgefundenen Beobachtung von 1.300 RadfahrerInnen wieder. Demach hörte jeder siebente Radfahrede mit MP3-Player, i-Pod oder Handy Musik. Bei den RadfahrerInnen bis 24 Jahre war es jede/r vierte, der/die während dem Fahren auf die via mit Kopfhörer verabreichen Rhythmen nicht verzichten wollte. 

"Im Straßenverkehr kann der Stöpsel im Ohr aber schnell gefährlich werden, wenn z.B. herannahende Autos nicht gehört werden oder man durch die Musik abgelenkt andere Verkehrsteilnehmer nicht wahrnimmt", warnte Othmar Thann, Direktor des KfV. In vielen Verkehrssituationen müsse man auf das Gehör setzen. Verlasse man sich beim Queren der Straße allein auf die Lichtsignale, könne das mitunter schwerwiegende Folgen haben.

Vielen ist die starke Ablenkung nicht bewusst: Mehr als ein Drittel der Befragten schätzt Musikhören im Straßenverkehr als gar nicht oder "eher nicht" gefährlich ein, bei den bis 24-Jährigen ist es sogar mehr als die Hälfte. Jeder zehnte Befragte hat schon einmal eine gefährliche Situation mit Kopfhörern im Straßenverkehr erlebt. Am häufigsten wurden Kollisionen von musikhörenden Fußgängern mit Autos oder öffentlichen Verkehrsmitteln genannt. Ein typischer Unfallhergang, der von Befragten geschildert wurde,  ist das Übersehen roter Ampeln. 

Ein Viertel der Befragten bis 24-Jährigen hat den MP3-Player oder das Handy eher laut eingestellt. Die meisten mobilen Musikhörgeräte erreichen eine Lautstärke von etwa 80 bis 115dB. Zum Vergleich: Bei viel befahrenen Straßen beträgt die Lautstärke etwa 85dB, ein Flugzeugstart erzeugt 120dB.

Zahlen zu Unfällen, die durch Wahrnehmungseinschränkung dieser Art verschuldet worden sein könnten, wurden nicht genannt. Tatsache ist aber, dass es wiederholt zu tödlichen Unfällen an unbeschrankten Bahnübersetzungen gekommen ist, etwa 1998 am Externe Verknüpfung 
Raabtal-Radweg. 



Verboten oder erlaubt?
In Deutschland ist Handyfonieren und Kopfhörerbenutzung am Rad eindeutig verboten - nicht so in Österreich. Laut StVO (§58, 1) ist Voraussetzung für das Lenken eines Fahrzeugs eine solche körperliche und geistige Verfassung, dass man ein Fahrzeug beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften befolgen vermag. Ob diese Forderung mit zwei Stöpseln in den Ohren und laut aufgedrehter Musik erfüllt werden, sei dahingestellt. Versicherungsrechtlich könnte es im Falle eines Unfalls, bei dem die Verwendung von Kopfhörern eine kausale rolle begemessen wird, zumindest eine Mitschuld geben. 

Andererseits müssten, würde die uneingeschränkte akkustische Umgebungswahrnehmung als Bestandteil jener notwendigen "körperlichen Verfassung", um ein Fahrzeug beherrschen zu können, gesehen, auch Autoradios verboten werden, und man düfte nur mit heruntergekurbelten Scheiben autofahren.  

(ARGUS)



Auf Nummer sicher: Stehen bleiben und handyphonieren
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