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Verbesserungen peu à peu

Das Herbst-Radforum am 02.12. war eine Bestandsaufnahme geplanter Infrastruktur-Projekte: Einiges ist in der Pipeline, die Frage ist nur, wann und ob die Umsetzung überhaupt erfolgt.


Radforum mobil
Radforum mobil
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Besichtigt wurden - ohne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, die rekonvaleszent war - drei neuralgische Bereiche in der Innenstadt, die gegenwärtig beplant werden: Die Jahngasse, die überhaupt für den Kfz-Verkehr gesperrt werden soll, der Joanneumring, wo die Errichtung eines Radweges am Gehsteig in Fortsetzung des Opernring-Radwegs bis zum Radetzkyspitz überlegt wird, und die Annenstraße, wo es um die künftige Radverkehrsführung nach der Verkehrsberuhigung ging.

Die Sperre der Jahngasse ist primär eine politische Frage - dagegen sprechen die Betreiber der Pfauengartengarage sowie der ohnedies schon am Limit Kfz-belastete Geidorfplatz, der dann auch den umgeleiteten Garagen- und Lieferverkehr Richtung Karmeliterplatz bewältigen müsste. Seitens der Radlobby wurde betont, dass das primäre Interesse an der Bevorrangung des Radverkehrs an der Kreuzung Parkstraße - Jahngasse (Landesturnhalle) gelegen ist. Aus "Sicherheitsgründen" war ja der Vorrang vor einigen Jahren zum Nachteil der RadlerInnen umgedreht worden. Kommt die Sperre der Jahngasse nicht, wäre zumindest eine bauliche Veränderung der Zufahrt (Verschwenkung, Schwelle) notwendig. 

Mit der Lösung Jahngasse verbunden ist auch die Öffnung der Busspur Humboldtstraße für RadlerInnen Richtung Osten. Im engen Kurvenbereich des Radweges an der Kreuzung Wickenburggasse - Parkstraße müsste eine Aufstellfläche geschaffen werden, was natürlich mit dem Wegfall der Geradeausspur Richtung Jahngasse leichter zu bewerkstelligen wäre. 


Planstudium am Joanneumring
Planstudium am Joanneumring
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Planausschnitt
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Platz genug?
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Vitrinenproblem am Joanneumring
Schon im Zuge der - letztlich nicht sehr radfahrfreundlichen - Umgestaltung des Jakominiplatzes 1995-97 tauchte der Plan auf, den Ringradweg in westliche Richtung zu verlängern. Dies scheiterte damals am Widerstand der Geschäftsleute, die der dafür notwendigen Verschiebung einiger Vitrinen nicht zustimmen wollten. Seither gab es immer wieder Anläufe, auch mit aufs Tapet gebracht von ARGUS.

Nun gibt es abermals eine Planung des Radverkehrsbeauftragten, die eine Verlängerung vom Eisernen Tor bis zum Radetzkyspitz (Anbindung Keesgasse) vorsieht. Durch die Absenkung des Radverkehrs auf Fahrbahnniveau soll die heikle Entflechtung von den Fußgängerströmen im Bereich der Kreuzung Joanneumring/ Eisernes Tor/ Jakominiplatz geschafft werden, danach ist an eine Teilung des Radweges wegen eines (jetzt gefällten, aber neu zu pflanzenden) Baumes vorgesehen. Bei den Vitrinen steht im Augenblick auch jetzt wieder das Projekt: Eine akzeptable Vitrinen-Lösung gebe es nur, würden die Schräg- in Längsparkplätze umgewandelt, was aber einige Stellflächen kosten würde und daher sicher auf Widerstand der Wirtschaftstreibenden stößt.

Das auch ins Spiel gebrachte Kassieren einer Fahrspur (Reduktion von drei auf zwei Fahrspuren) würde diese Probleme zwar lösen, erscheint aber eher unrealisitisch.

Annenstraße und Reitschulgasse
Im Zuge der geplanten Umgestaltung und Verkehrsberuhigung der Annenstraße - zwischen Roseggerhaus und Bahnhofgürtel ist Kfz-Verkehr nur noch stadteinwärts vorgesehen - scheint die Führung des Radverkehrs noch nicht recht ausgegoren zu sein. Stadtauswärts soll eine Einrichtungsradroute verlaufen, wobei nicht klar scheint, ob dies baulich getrennt oder im Mischverkehr (mit FußgängerInnen) passieren soll und wie die Lösung in den Haltestellenbereichen ausschaut. Unbefriedigend ist, dass die RadlerInnen in der Gegenrichtung stadteinwärts mit dem Kfz-Verkehr mitfahren, also mitstauen sollen. Insoferne wäre es aus ARGUS-Sicht wünschenswert, doch einen Zweirichtungsradweg auf der Nordseite ins Auge zu fassen. 

Eine weitere Konfliktsituation mit den Öffis tut sich im Zuge der Gleisauseinanderlegung in der Reitschulgasse auf: Wie schon in anderen Straßenzügen wird dadurch der Raum für RadfahrerInnen zur Gehsteigkante hin zu eng, der bestehende Radfahrstreifen ist nicht mehr zu halten. Abgelehnt wurde von ARGUS eine abgeschrägte Kante zum Gehsteig, um den RadlerInnen eine Fluchtmöglichkeit vor hinterherbimmelnden Trams zu geben. Stattdessen entschied man sich für eine klare Lösung: Der südseitige Gehsteig soll bis knapp ans Gleis verbreitet werden und die RadlerInnen - kenntlich gemacht durch Piktogramme - zwischen den Schienen fahren. Die Situation, dass aufgrund des Platzbedarfs des Tramverkehrs (Kaphaltestellen, Schienenspreitzung) die Mitbenutzung des Gleiskörpers durch die RadlerInnen notwendig und erwünscht ist, muss auch gegenüber den GVB-MitarbeiterInnen kommuniziert werden, so die ARGUS-Forderung. Ein "Wegbimmeln" dürfe es jedenfalls - trotz Beschleunigungsprogramms - nicht geben.  


Im Gespräch
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Interessante Konstruktion: Angehängter Radweg an der Kovac-Halle
Interessante Konstruktion: Angehängter Radweg an der Kovac-Halle
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In der Pipeline
Positive Entwicklung gibt es aus dem Norden zu berichten: Beide Kovac-Projekte, nämlich die Querung der Shopping Nord von St. Veit nach Gösting und die Verlängerung des rechtsufrigen Murradwegs nach Norden bis zur Weinzödlbrücke, rücken der Realisierung näher. Letzteres Projekt sieht - wie bisher - ein Abschwenken vom Murufer in die Exerzierplatzstraße vor. Über die Fischeraustraße soll es dann auf das Kovac-Gelände und konkret mit einer Anbaukonstruktion entlang der Halle bis zum Obi-Parkplatz gehen. Bei der Verbindung St. Veit - Gösting scheinen zwar die grundstücksrechtlichen Probleme ausgeräumt zu sein, durch knifflige bauliche Erfordernisse wie zwei Brücken (über den Mühlgang bei der Kovac-Villa und über die Schleppbahn vom Weidweg zur Oberen Weid) dürfte dieses Vorhaben doch noch einige Zeit beanspruchen. 

Ebenfalls positive Signale gibt es auf der linken Murseite und den dortigen Anschluss Richtung Norden: Eine schon weit gediehene Planung sieht die Fortsetzung des Murradweges von der Arland-Siedlung entlang des Andritz- und Gabriachbaches bis zur Andritzer Reichsstraße vor. 

Nach hinten verschoben wurde der Geh-/Radweg entlang der Wetzelsdorferstraße (Alte-Post-Straße - GKB-Bahnübersetzung), was mit den Kalamitäten rund um die Stadtteilentwicklung durch Asset One zu tun hat. Wahrscheinlich ist, dass der Abschnitt GKB-Übersetzung - Straßganger-/Reininghausstraße vorgezogen wird.

Bei einigen anderen Projekten steht man an: Enteignungen, wie sie seit Edeggers Zeiten für Radinfrastrukturprojekte nie mehr vorgekommen sind, scheinen hier der einzige Ausweg, wie etwa beim Durchstich
Hafnerriegel.