| Immer mehr Grazer schwingen sich in der kalten Jahreszeit auf ihren Drahtesel. Der Grund: Stadt hat bei der Schneeräumung ordentlich zugelegt.
Minustemperaturen und ein bisschen Schneefall waren früher der Schrecken aller Radler. Aber heute? Trotz Frost und teilweise Schneefahrbahn düsen immer mehr Pedalritter durch die Grazer Straßen und über die Radwege. Der Winter ist längst zur Radsaison geworden.
Möglich wurde dieser neue Trend durch einen Prioritätenwechsel in der Stadt: "Die Räumung der Radwege hat eine hohe Priorität", sagt die grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. Bei den Wirtschaftsbetrieben wurden kleine Räumfahrzeuge angekauft, um auch die schmalen Radwege vom Schnee zu befreien. "Die Situation hat sich hier in den vergangenen Jahren stark verbessert", lobt Heidi Schmitt von der Radlerlobby Argus.
Aber es gibt auch noch Problembereiche: Vor allem die Radstreifen gegen die Einbahn machen zu schaffen. Die sind oft tagelang mit Schnee völlig blockiert. "Da kann es zu gefährlichen Situationen kommen, weil es so eng wird", so Schmitt. Ein Problem, das auch Gerhard Egger von den Wirtschaftsbetrieben kennt. "Wir überlegen uns hier etwas, aber die Frage ist: Wohin mit dem Schnee?"
Sicherheitstipps
Radfahren im Winter ist gefährlicher als in der warmen Jahreszeit, weiß Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Vor allem die Bremswege werden sowohl für Auto- als auch Radfahrer länger. "Alleine durch den Rollsplit, aber auch durch den Gatsch. Da gilt es für alle, größeren Abstand zu halten." Besondere Vorsicht ist natürlich im Stadtgebiet bei den Straßenbahnschienen angesagt und, so der Sicherheitsexperte, bei den Radhelmen. "Bitte nie die Haube unter dem Helm tragen - dann rutscht dieser im Fall eines Sturzes nur."
GERALD WINTER
MIT ANHÄNGER
Agnes Koschuta
Die AHS-Lehrerin ist seit 15 Jahren passionierte Radfahrerin. Sie fährt täglich rund 12 Minuten mit ihrem Drahtesel von Eggenberg zum Gymnasium Dreihackengasse. "Radfahren ist auch im Winter günstig, punktgenau und gesund - und hat nur einen Nachteil", lacht Koschuta. "Für ein Abendkleid ist das Radl eher ungeeignet."
UMSTEIGERIN
Monika Savas
Vor zwei Jahren ist die VS-Lehrerin vom Auto aufs Rad umgestiegen: "Das Buch ,Ohne Auto' hat mich dazu gebracht", erzählt Savas. Heute legt sie im Jahr rund 4000 Kilometer am Rad zurück, die 20 Minuten entlang dem Murradweg von Murfeld ins Zentrum sind für sie ein Klacks. "Im Winter muss man sich halt entsprechend anziehen - wie beim Schifahren."
SPIKEREIFEN
Stephan Landgraf
Stolze 7000 Kilometer spult Stephan Landgraf im Jahr auf seinem Rad herunter. Für den Winter hat er sich ein eigenes Fahrrad mit Spikereifen zusammengebastelt. "Damit habe ich mehr Halt als ein Auto", ist der TU-Professor sicher. Generell steht bei ihm das Rad im Mittelpunkt: "Wir haben die Entscheidung für unsere Wohnung in Feldkirchen am Rad orientiert. Damit sind wir am Murradweg und das ist einfach die beste Verbindung in die Stadt."
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