Tags darauf, besser: am Abend des nächsten Tages, wollte ich es doch wissen. Ich borgte mir das 29" MTB Hardtail Marin Alpine Trail, baute meine LED-Akku-Lichter drauf und bin fast die gleiche Strecke wie am Samstag (06.02.) nochmals gefahren.
Schon am Anfang war klar, dass es diesmal viel leichter sein wird. Nicht (nur), weil das MTB bessere Reifen hatte, sondern weil der Schnee wieder fest und griffig war - es knirschte richtig unter den Reifen - so hätte ich ich mir das eigentlich auch für den Samstag vorgestellt gehabt.
Ich konnte mit zwei- oder dreimal Stehenbleiben und Neuanfahren ohne gröbere Probleme bis "Herrgott auf der Wies" rauffahren. Das lag weniger an der Geometrie des Rades als an den sehr guten Reifen "WTB Prowler SL Comp, 29" x 2.1". Kommt man ins Durchdrehen, kann man mit Gewichtsverlagerung und konzentriert gefühlvollem Weitertreten (und Glück!) die Passage meist noch meistern. Ganz anders als Tags zuvor als rutschen gleichbedeutend mit Stehenbleiben war.
Durch Einsinken im Schnee ist das Gleichgewichthalten auch leichter, ich konnte ein paar mal "am Stand" eine Kurbelumdrehung machen, ohne sofort umzufallen. Normalerweise völlig undenkbar bei meinem (Nicht-) Können.
Auf den offenen Strecken war das orange reflektierete Licht der Grazer Lichtverschmutzung so hell, dass es keines Lichtes von mir bedurfte. Energiesparend war diesmal die Abfahrt zum Thalersee. Alles was nötig war, war hohe Konzentration, um nur ja am Trampelpfad der Fußgänger zu bleiben. Kam ich
doch etwas vom Weg ab, gelang es mir mit den Stoppelreifen immer wieder, mich zurückzukämpfen - am Samstag mit meinen Nokia-Straßenreifen undenkbar. Es schien fast, wie wenn die Reifen erst beim seitlichen Abtauchen richtig Grip aufbauen können, sozusagen nur Profil auf den Flanken wäre. Stimmt
natürlich nicht, aber es dauerte immer ein bissl, bis der Grip da war.
Obwohl die beiden LED-Lampen gutes Licht machen, ist es immer wieder unangenhem, wenn die Leuchtkegel durch das Rumgelenke von mir herumzischen - das hilft nicht grad beim ruhigen Fahren (wollen). Da wäre fast die Montage eines Lichtes am Rahmen anzudenken.
Was aber besonders nervte, war die nicht vorhandene Federung/Dämpfung der Vordergabel (Rock Shox). Egal welche Dämpfung und auf welche Seite ich den Lockout-Hebel drehte, die Gabel war sehr hart. Das merkte ich an den Handballen, dazu kam die mir ungewohnet Haltung auf dem 'Wasserleitungsrohr'-Lenker (sonst Tourenlenker oder Rennradlenker bzw. Bullhorn). Kann auch sein, dass ich durch die Tour vom Vortag empfindlicher war als sonst, das Bergabfahren über den holprigen Trampelpfad war jedenfalls sehr unangenehm.
Die notwendigen Bremskräfte waren auf Dauer auch recht groß, aber gleichbleibend - nicht so wie bei meinem Radl zuvor.
Der Radweg nach Gösting war geräumt und mit ca. 1-2 cm Neuschnee bedeckt. Mit den Stollenreifen überhaupt kein Problem, lustig zu fahren - in den grenzbereich habe ich mich aber nicht getraut.
Vom Fuchsloch rauf zur Ruine Gösting ging es kaum besser als am Vortag, denn die Wanderer verteilten ihre Spuren über die ganze Straßenbreite, d.h. der Schnee war nicht immer kompakt, ca. 30 - 50 m mußte ich schieben, bei der Leichtigkeit dieses Bikes aber überhaupt nicht unangenehm.
Vom Schneeman zur Ruine traute ich mich dank der guten Brems-Reifenkombination zügiger zu fahren als am Samstag. Es ging auch leichter. :)
Vor der Ruine bog ich aber ab Richtung Raach statt dem Ruinenweg zu folgen. Habe den Sattel ziemlich tief eingestellt und konnte dann auf dem Rest der Straßenbreite,die von den Wanderern nicht betrampelt worden war, "Tiefschneefahren". Das war wirklich fantastisch. Der Tiefschnee bremste, sodass ich nicht dauernd selber bremsen musste. Bei starkem Einlenken fräste sich der Vorderreifen gerausaus weiter, bevor so etwas wie Richtungsänderung rauskam. Auch das eine Art nicht kalkulierbare Bremse.
Immer schneller traute ich mich das Rad laufen zu lassen. Ein Fuß am Pedal, ein Fuß für alle Fälle, v.a. aber für leichteres Gleichgewichthalten, in der Luft. In den leichten Kurven gelang es mir sogar stückweise zu driften, einfach geil! Schade, dass wir das nicht gestern schon ausprobiert haben.
Gefühlsmäßig wie eine Mischung aus (Eis-) Speedway, Tiefschneeschifahren und (Zeitlupen-) Downhillradeln. Schade dass es in Raach zu Ende war... (Naja, die Hände taten eh schon weh.)
Den R2 nach Gösting war bei ca. 1 - 2 cm Neuschnee übehaupt kein Problem, die Reifen griffen gut - auch wenn die Straße schräg oder die Kurve nach hängte (das mag ich sonst überhaupt nicht).
Fazit:
» Die Reifen sind für den Schneebetrieb super, laufen in der Ebene recht leicht. Könnte man gut auf ein Winterstraßenrad montieren. Scheinen aber nicht im
freien handel angeboten zu werden. Vergleichbare Reifen etablierter Hersteller können das sicher mindestens genausogut.
» Das Rad fühlt sich sehr leicht an.
» Die armselig wirkenden mechanischen Scheibenbremsen waren überraschend gut!
» Die 3x8 Alivio (Billigschaltung) arbeitete sauber.
» Ist ein Riesenrad - auch für mich. Ist das Tretlager höher als bei normalen Rädern?
» Mit der Geometrie bin ich nicht wirklich klargekommen, das liegt sicher auch am unkomfortablen Lenker.
» Die Federung ist zum Vergessen, zumindest wenn es kalt ist.
HK
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