Die Guatemalteken wirken - so erzählen Valeska und Philipp - offener als die Menschen in Mexiko, wo man auf der Straße zwar sehr freundlich, dennoch reservierter war. Nun wird gewunken, gegrüßt und beim Vorbeifahren "gute Fahrt" gerufen: "Die Leute, auf die wir in den Dörfern treffen sind extrem freundlich und wir haben das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Man kann sich kaum vorstellen, dass wir uns in einem Land befinden, in dem Entführungen, Überfälle, Morde und Selbstjustiz zum Alltag gehören." Wieder im Hochland auf gut 2.000 Metern, besuchen die beiden Caroline, eine ehemalige Studienkollegin Philipps, die in eine Mayafamilie eingeheiratet hat. Sie und ihr Mann Julio leben zwar in Österreich, sind aber jedes Jahr für zwei Monate hier im Dorf, wo seine Großfamilie zu Hause ist. Die Verhältnisse sind sehr ärmlich. Lehmhäuser, Wellblechdächer, Plumpsklo, kein Fließwasser und kaum Einrichtung. Als das Paar auf den Drahteseln einreitet, stürmen ihm Kinder entgegen und winken mit selbst gebastelten Österreichfahnen. Herzlich werden die beiden in die Familie aufgenommen. Sie finden es spannend, wie Maya-Familien heutzutage leben. Nach dem Versuch der Kulturzerstörung im Bürgerkrieg (1960 -1996), wollen viele heute zurück zu ihren Wurzeln und dem Naturglauben finden. Schweren Herzens verabschieden sich die Weltumradler nach ein paar schönen Tagen wieder und rollen durchs Hügelland (unter anderem wieder über den knapp 3.000 Meter hohen Pass namens Alaska) zum See Atitlán, der wunderschön zwischen hohen Vulkanen liegt. Nächster Stopp ist in Antigua, eine gemütliche kleine Kolonialstadt. See und Stadt sind zu den Tagen bei der Maya-Familie völlig konträr: Hier herrscht Tourismus pur. Luxuriöse Hotels reihen sich an einfache Hospedajes und Restaurants an Bars und Kaffeehäuser. Hunderte Touristen in den Straßen, Bettler in den Ecken und Maya Frauen und Kinder, die den Touristen mit Halsketten und bunten Decken nachlaufen. "Krass!", notieren Valeska und Philipp ins Tagebuch. Robert - ein Hatzendorfer, der mit Valeska ein paar Jahre lang im gleichen Schulbus fuhr - arbeitet an der Österreichischen Schule (Instituto Austriaco) und hat die das Steirer-Paar zu sich eingeladen. Sein Domizil ist in einer schicken Gegend in einem großen Haus. Robert zeigt den beiden die Großstadt, sie schlendern durch die bunten Märkte und halten in der Österreichischen Schule einen Vortrag über die Weltreise. Caroline und Julio kommen ebenfalls in die Hauptstadt und gemeinsam mit ihnen und Robert wird Valeskas Geburtstag mit Kernölsalat (wer es nicht kennt - es ist das Blut der Steirer!) und Sachertorte (von einer Bäckerin aus Salzburg) gefeiert. Spektakulär ist der Geburtstagsausflug, der uns auf den Pacaya, einen der aktivsten Vulkane der Welt, bringt. Hier kann man neben glühenden Lavaströmen spazieren. |
Über eine kaum befahrene Straße, durch einsame Dörfer und über hunderte Hügel kurven die beiden Gringos vom Hochland in die Küstenebene Guatemalas und tauchen wieder ins tropische Klima ein. Es ist heiß und schwül und die Vegetation ist üppig und agrarisch von Zuckerrohr dominiert. Palm- und Mangobäume wachsen neben der Straße. "Hier trägt man jetzt nicht nur Hut und Stiefel sondern kostet das Wildwest Image voll aus und steckt sich zusätzlich noch einen Revolver in den Gürtel oder schultert eine Pumpgun, wenn man spazieren geht", was die Grazer für ziemlich gewöhnungsbedürftig befinden. Problemlos queren sie die Grenze nach El Salvador. Ein Land, in dem die Kriminalität extrem hoch ist - es passieren im Durchschnitt zehn Morde pro Tag und Banden geben den Ton an, nicht die Polizei. "Die Menschen wirken uns gegenüber viel skeptischer als in den Ländern zuvor und die Armut - vor allem am Land - schreit zum Himmel. Überall sehen wir Hütten aus Müll, in denen ganze Familien wahrscheinlich ihr gesamtes Leben verbringen. Sehr wenig motorisierter Verkehr ist unterwegs und es gibt nur miese teure Unterkünfte." Auch hier: Waffen wo man hinschaut. Vor jedem Fenster und jeder Tür Gitter, um jedes Haus eine Mauer, gespickt mit Rasierklingenzaun. Abgesehen davon, dass sie seit langem wieder an die Pazifikküste kommen und die Füße ins Wasser tauchen, bleiben wenig positive Eindrücke, und die beiden Österreicher radeln nach Honduras weiter. Auch Honduras ist schnell durchmessen: Hier werden nur eine Nacht und zwei halbe Radtage verbracht. Ein Dorf reiht sich an das andere und hysterisch schreit es von überall her "Gringo! Gringo!" Die Bezeichnung "Gringo" kommt eigentlich von "green go home", erfahren wir so nebenbei, was die Mexikaner im mexikanisch-amerikanischen Krieg (1846-1848) den amerikanischen Truppen nachgerufen haben. Es tut gut, über der Grenze in Nicaragua zu sein, befinden die beiden. Das Land ist arm wie alle anderen in dieser Ecke der Welt auch, aber es scheint doch um einiges sicherer zu sein. Nächster Halt ist in der netten Stadt León, wo seit langem wieder Touristen in größerer Zahl auftreten. Entlang einer Reihe von Vulkanen radeln Valeska und Philipp Managua entgegen. Auf Empehlung der mexikanischen Freunde kommen sie zu einer Gastfamilie im Stadtteil "Villa Austria", wo Österreich am Wiederaufbau nach dem Erdbeben von 1972, als 90 Prozent der Bausubstanz zerstört wurde, beteiligt war. Es gibt auch eine Schule in dieser Gegend, die "Ottakring" heißt. Interessant fanden die beiden die Innenstadt: Vom Erdbeben fast gänzlich zerstört sie ist nicht wieder aufgebaut worden. Leere Flächen, verloren rumstehende Regierungsgebäude, ausgedehnte Slums und leere Straßen. "Schockierend und faszinierend zu gleich", so die Besucher. Von Managua ist es nur ein halber Tag gegen den Wind - wie meistens - nach Granada. Wieder tauchen die beiden in ein "Gringo-Paradies" ein. Granada hat eine wunderschön hergerichtete Altstadt am Lago de Nicaragua zu bieten, in der es sich leider kaum ein Einheimischer mehr leisten kann, zu leben. Europäer und Amerikaner führen italienische Trattorias und irische Pubs in denen man mit US-Dollar europäische Preise bezahlen kann. "Spanisch-Schulen überall und Wi-Fi-Internet in den Kaffeehäusern - was für ein "Segen", wir können unsere Webseite aktualisieren..." 55.981 km haben die beiden seit dem Start am Nordkap zurückgelegt, 13.596 km seit Anchorage, Alaska. (ARGUS) |


