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Rückkehr der Lastkähne an die Mur

Transportfahrräder erleben einen kleinen Boom. Von der Stange oder als Sonderanfertigungen kämpfen sich die "Lastkähne" nach Jahrzehnten des Schattendaseins zurück ins velomobile Geschehen an der Mur.

Mit der ersten Blüte des Fahrrades als Personenverkehrsmittel wurde es bald auch für den Gütertransport entdeckt. "Das Gepäcksdreirad" sei "für die Geschäftswelt nahezu unentbehrlich geworden", liest man in einem Katalog der "Meteor-Fahrradwerke" von 1900. Um diese Zeit bauten nicht weniger als fünf Grazer Fahrradfabriken Transportdreiräder mit Ketten- oder Kardanantrieb, mit Transportbehälter vorne oder hinten und anderen bedarfgerechten Features.


Konzept aus den 1920er-Jahren: Long John
Konzept aus den 1920er-Jahren: Long John
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Mit zunehmender Motorisierung wurden diese zugegeben sperrigen und in der Zuladung limitierten Lastkähne ausgemustert, die letzten wurden in Graz vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut - übrig blieben da und dort noch ein so genanntes Bäckerrad mit einer kleinen Plattform und einem kleineren Laufrad vorne sowie einem massiven Gepäckträger hinten, oder Dreiräder als mobiler Eis- oder Zeitungsstand. In der Folge war es auch die beengte Infrastruktur von Rad- und Fuß-/Radwegen, die dem Gütertransport auf dem oder hinter dem Fahrrad (Anhänger) enge Grenzen setzte. Daran hat sich nichts geändert. 


Postler auf Biria
Postler auf Biria
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Einkauf mit Christiania
Einkauf mit Christiania
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Yuba Mundo
Yuba Mundo
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Zwei- und Dreiräder
Die Renaissance des Radfahrens in den 1970er- und 1980er-Jahren brachte auch wieder Transporträder in Gebrauch. In unseren Breiten waren es aber nur vereinzelt Modelle des Externe Verknüpfung 
Long John (Long Harry) - überlanges Zweirad mit Ladefläche zwischen FahrerIn und kleinerem Vorderrad - oder des ebenfalls dänischen Christiania-Dreirades mit der Transportkiste oder -plattform vorne auf zwei Rädern und dem Antriebsrad hinten, die die velomobile Szenerie bereicherten. Ein Christiania wurde sogar von einem City-nahen Baumarkt verliehen, jedoch ohne kaum beworben und ohne nennenswertes Echo.

Die einzige Berufsgruppe, die ziemlich durchgängig auf Transportfahrräder setzte - wenn auch lange in abnehmendem Umfang - waren die Briefzusteller der Post. Um etwa 2003 wurde der Fuhrpark von Tunturi auf Biria umgerüstet, gebrauchte Posträder waren dann auch die ersten Lastenräder "neuer Generation" auf dem Second-Hand-Markt. 

Das klassische Externe Verknüpfung Christiania ist auch heute noch eines der weit verbreitetsten Lastenräder, ergänzt in jüngerer Zeit duch das Externe Verknüpfung Nihola und das hinten gesteuerte Externe Verknüpfung "Sorte Jernhest", ebenfalls dänische Fabrikate. Der multifunktionale Ansatz, der beim Nihola auch eine eigene, tonnen- bzw. zylinderförmige Aufbauvariante für den Transport von Kindern vorsieht, ist in Österreich leider gesetzlich nicht gedeckt, was aber mit der nächsten Novelle Fahrrad-Verordnung repariert werden soll. Neu am Markt und dabei, auch in Österreich Fuß zu fassen, sind Externe Verknüpfung Dutch ID, die kompakte und kostengünstige Kompakt-Lastenräder anbieten.

Dass sich mit Pedalkraft einiges transportieren lässt, stellten rund 450 RadlerInnen im Herbst 2009 unter Beweis: Mittels Lastenrädern, Anhängern und einfachen Transportbehelfen auf Fahrrädern schafften sie an ein einem Tag 29 Tonnen Zuckerrüben über 3 km in die Zuckerfabrik Tulln. Ebenfalls im Herbst 2009 haben Radfreaks in Wien den Lastenradbotendienst Externe Verknüpfung "Heavy Pedals" ins Leben gerufen, wo u.a. der Long John-Nachfolgemodell "Bullitt" oder das "Xtracycle", mit dem man auch ein Surfbrett oder einen Kontrabaß spielend umweltfreundlich fortbewegen kann, zum Einsatz kommen.


Transporter, vielseitig verwendbar
Transporter, vielseitig verwendbar
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Hans Pauer, "Rebikel"
Hans Pauer, "Rebikel"
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"Mobiles Amt"
"Mobiles Amt"
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Spezialanfertigungen
2008 hat ARGUS am Autofreien Tag eine
"Packeselparade" veranstaltet: Neben Transporträdern und Anhängern aus Serieproduktion waren auch zahlreiche Eigenkonstruktionen dabei. Wenn es auch eine noch bescheidene Nische geworden ist, so gibt es in jüngster Zeit doch einige interessante Sonderanfertigungen, die von "Rebikel", "Bicycle" oder in der "Fahrradküche" gebaut werden. Auftraggeber waren Kunstvereine wie Externe Verknüpfung ">rotor<'' oder öffentliche Einrichtungen wie das Frauen- oder das Umweltreferat, die mit mobilen Infoständen ("Mobiles Amt") umweltfreundlich möglichst nahe an die Bürgerin und den Bürger kommen wollen. 

2011 wurde mit dem EU-Projekt "cyclelogistic" und der Externe Verknüpfung Grazer Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM) ein weiterer wichtiger Impuls zur Implementierung des Fahrradtransports in die gewerbliche Logistik unternommen. Die Stadt reagierte mit einer Förderung von Firmen-Lastenrädern und mit der Ausstattung des im August 2012 gestarteten Verleihsystems Externe Verknüpfung "Graz Bike" u.a. mit Lastenrädern. Wie die Wirtschaftskammer feststellte, war der Fahrradtransport der einzige wachsende Sektor in der Frachtbranche. Immerhin 88 steirische Unternehmen bedienten sich bereits dieser umweltfreundlichen Transportdienste.  

(ARGUS, update Sept. 2012)



Aufgemöbelter Oldtimer
Aufgemöbelter Oldtimer
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"Long John" by Fahrradküche
"Long John" by Fahrradküche
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Inforad des Umweltamtes
Inforad des Umweltamtes
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