Grazer Trainingsschule 1897
 
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Albls "Meteor" und "Graziosa"


Benedict Albl
Benedict Albl
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Erstes Inserat, Juni 1888
Erstes Inserat, Juni 1888
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Kreuzrover
Kreuzrover
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Der erste Grazer Fahrradfabrikant war nicht, wie landläufig kolportiert wird, Johann Puch, sondern Benedict Albl. Der gebürtige Kärntner begann 1888 in der Murvorstadt mit der Fahrraderzeugung, beschäftigte für kurze Zeit Puch als Mitarbeiter und produzierte Fahrräder der Marken "Meteor" und später "Graziosa", zuletzt auch Motorräder und erste Autos.  

Der 1847 in Althofen geborene Benedict Albl lernte in Wien Mechaniker und übersiedelte mit seiner aus Schwanberg in der Weststeiermark stammenden Frau Martha nach Graz, wo er 1880 um die Berechtigung ansuchte, Nähmaschinen verkaufen und reparieren zu dürfen. Gemeinsam mit Philipp Palli übte er sein Gewerbe in der Annenstraße 15 aus und begann auch mit der Herstellung von Wasch- und Walkmaschinen. Für die Ausweitung der Produktion wurde um die Ecke, in der Elisabethinergasse 7, bei den Behörden um die Aufstellung einer Dampfmaschine angesucht. 

Eine Reise nach England, wo er das "Safety" kennenlernte, dürfte Albl Interesse am neuen individuellen Fortbewegungsmittel geweckt oder zumindest verstärkt haben. In einer Zeit, als in Graz das Hochrad noch das Maß der Dinge war, setzte er auf das Sicherheits-Niederrad. Um in die Produktion einsteigen zu können, meldete er am 18. Mai 1888 das Mechanikergewerbe an und nahm die Erzeugung von „Bicycles, Bicyclettes, Tricycles und Jugend-Fahrrädern" auf. Daneben vertrieb er in- und ausländische Modelle und bot Reparaturen sowie „Fahrunterricht im Hause" an. Wohl aus dieser frühen Periode dürfte auch das älteste erhaltene Niederrad in der Steiermark stammen, das sich im Besitz von Helfried Neubauer befindet. Es handelt sich um einen Kreuzrover, auf dessen Lenkstange der Schiftzug „Albl Graz" eingestanzt ist, das aber großteils aus englischen Teilen besteht. 

Während sein früherer Kompagnon Palli weiter unter der Adresse Annenstraße 15 mit Nähmaschinen und Fahrräder handelte, übersiedelte Albl Mitte Oktober 1888 an eine neue Adresse, Lendplatz 14, wo heute das weitläufige Objekt der Zentralfeuerwache steht. Im Obergeschoss befand sich die Wohnung, im Parterre die Werkstätten- und Lagerräumlichkeiten. In Inseraten wurde eine "schöne und bequeme Fahrschule nebst Unterricht im eigenen Hause" angeboten. In dieser Zeit gab Johann Puch ein kurzes Gastspiel als Mitarbeiter bei Albl.

Mit dem provisorischen Werkstättengebäude, das er zur Josefigasse hin errichten wollte, hatte Albl Schwierigkeiten. Zuerst wurde der Bau wegen der nicht vorhandenen Baubewilligung eingestellt, dann wurde beanstandet, dass das Objekt erheblich größer als genehmigt ausgefallen war. Ende Februar 1889 war der neue Trakt schließlich doch fertig und erfuhr eine ordnungsgemäße Kommissionierung. Eine Dampfmaschine mit 2 PS wurde angeschafft, eigens zwei Heizer eingestellt.

Mittlerweile beschäftigte Albl 24 Arbeiter. Für sein Modell „Meteor" erhielt er im Jahre 1890 den Silbernen Staatspreis, der in Anwesenheit von Kaiser Franz Josef bei der Allgemeinen Landesausstellung in Graz verliehen und der dann auch werbemäßig - beispielsweise über Postkarten - vermarktet wurde. 1891 errichtete Albl eine Radfahrschule in der Schörgelgasse, Ecke Sparbersbachgasse.

Puch als Konkurrent
Als Puch sich selbstständig machte, entstand mit dessen erstem Betrieb in der Murvorstadt (Bezirk Lend) Konkurrenz vor Albls Haustüre. Eine anonyme Anzeige, die Puch eine Zeitlang hinderte, den Betrieb in der Strauchergasse 18A aufzunehmen, dürfte auf Albl zurückgehen, vermuten Stadthistoriker. Umgekehrt scheuten Puch und sein Co. Victor Kalmann sich nicht, gegen Albl vorzugehen: Sie zeigen bei der Behörde an, dass er seinen Betrieb zu Unrecht „Fahrradfabrik" nenne, zumal er nur das Mechanikergewerbe habe und entsprechend weniger Steuer zahle. Tatsächlich korrigierte Albl diesen "Etikettenschwindel", indem er 1891 um das Gewerbe für die fabriksmäßige Erzeugung von Fahrrädern ansuchte. Wohl als Konter schaltete Albl dann Inserate, in denen er seinen Betrieb als "größte Fahrräder-Fabrik Steiermarks" anpries. 

Nicht auszuschließen ist, dass Albl sich auch mit seinem in dieser Zeit erfolgten Beitritt zum Grazer Bicycle-Club bewusst von Puch, der Funktionär beim Grazer Radfahrer Club war, abgrenzen wollte. Davor war Albl seit 1889 Mitglied des Radfahr-Verein "Edelweiss" gewesen.

Die Rivalitäten waren allerdings allem Anschein nach begraben, als 1894 die Probleme mit der Arbeiterschaft zunahmen und Vertrauensmänner - offiziell wegen Mangels an Arbeit - gekündigt wurden: Die Sozialdemokraten warfen Puch und Albl vor, eine Vereinbarung geschlossen zu haben, beim jeweils anderen Unternehmen entlassene Arbeiter nicht einzustellen.

Albl blieb auf Expansionskurs: Die räumlichen Gegebenheiten am Lendplatz entsprachen bald nicht mehr den Anforderungen, auch mit den Anrainern gab es Zores. So beschloss er, wohl mit Hilfe von wohl bestallten Geldgebern, auf einem Areal zwischen Schönaugasse und Colisseumgasse (heute: Pestalozzistraße) eine neue Fabrik zu errichten. Im Oktober 1893 gab er in einem Inserat die Übersiedelung in die „neu erbaute, bedeutend vergrößerte Fabrik Schönaugasse Nr. 48" bekannt.

In der Schönaugasse 48h stand das Wohnhaus, das im Juni 1894 fertig war. Nach und nach wurde der Betrieb ausgebaut, im Oktober desselben Jahres ging das Kesselhaus mit einem Einflammrohrkessel und einem knapp 25 Meter hohen Schornstein in Betrieb.



Werbepostkarte 1893
Werbepostkarte 1893
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Briefkopf, 1897
Briefkopf, 1897
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Rad-Talente in der Familie
Irgendwie schien der Familie Albl das Radfahren im Blut gelegen zu sein, denn auch die Kinder taten sich damit hervor: Die beiden Töchter Luise und Mitzi (geb. 1879) waren 1893 Mitbegründerinnen des Grazer Damen Bicycle-Club. Sohn Josef (geb. 1875), genannt „der fesche Pepi", versuchte sich als Racer.

Von Josef Albl ist die Anekdote überliefert, dass er nach einer durchzechten Nacht den Start des Rennens Graz - Budapest beinahe verschlafen habe, dennoch - einigermaßen verkatert - an den Start eilte und auch noch gewann. Dass sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, ist zu bezweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass sich das Vorkommnis auf die Rennen am 10.9.1893 in Budapest bezogen hat, wo er einmal stürzte, einmal (im Tandem-Bewerb) wegen Reifenplatzers ausschied und im Niederrad-Hauptfahren einen dritten Platz hinter Opel und Lurion erreichte. 

In einem Artikel über die Grazer Rennsaison 1894 wird Albl jun. so charakterisiert: „Josef Albl, auf welchen man schon im Vorjahre eine grosse Hoffnung setzte, entsprach dieser auch heuer nicht. Er hatte zwar einige unbedeutende Erfolge zu verzeichnen, doch nimmt er die Sache zu wenig ernst, um Grösseres zu erringen.



Mitzi und Louise Albl, 1892
Mitzi und Louise Albl, 1892
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Der fesche Pepi auf der Rennbahn
Der fesche Pepi auf der Rennbahn
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Aufstieg des "Meteor"
Die Meteor-Fahrradwerke waren bald über Graz hinaus bekannt. 1894 wurde eine größere Kollektion bei der internationalen Ausstellung in der Wiener Rotunde im Prater ausgestellt, wobei ein Fachblatt urteilte: „Besonders die gelbbraun emailirten Renn- und Tourenräder erscheinen auch recht elegant."

Allerdings dürfte sich Albl mit dem Ausbau finanziell übernommen haben, weshalb er nach einem Teilhaber Ausschau hielt und ihn in Carl Franz auch fand. Der aus Pottenstein (NÖ) stammende Carl Ferdinand Franz (1838-1911) war 1894 als Miteigentümer der im Raum der Monarchie bedeutendsten Zündwarenfabrik Florian Pojatzi & Comp. in Deutschlandsberg ausgestiegen und hatte sich in Graz auf die Suche nach einer zukunftsträchtigen Geldanlage gemacht. 

Über die Söhne hatte die Familie Franz Kontakte zur Grazer Radlerszene, genau genommen zum Akademisch-technischen Radfahr-Verein: Sohn Carl, damals Chemiestudent, trat dem AtRV 1887 bei, im Jahr darauf wurden Ehegattin Josefine und der zweite Sohn, Victor August (1870-1938), unterstützendes bzw. ausübendes Mitglied. 1888 beteiligte sich Carl jun. mit einigem Erfolg an internationalen Wettrennen in Graz.

Obwohl er von der Materie wenig verstand, glaubte Carl Franz sein Geld gut investiert und übernahm 1894 die Meteor-Fahrradwerke. Sohn Victor August, schon bei Pojatzi ab 1891 in gleicher verantwortlicher Funktion, erhielt die Prokura übertragen. Der Markenname „Meteor" wurde beibehalten, die Räder wurden auch in kettenloser Ausführung mit „Präcisions-Getrieben" angeboten. In Wien X., Eugengasse 5, gab es eine "Filialfabrik".


Markenzeichen 1898
Markenzeichen 1898
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Gemälde Brand
Gemälde Brand
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Radler auf einem Meteor
Radler auf einem Meteor
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Vollscheibenrad Meteor
Vollscheibenrad Meteor
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Dass in Graz ein hart umkämpfter Markt herrschte, darauf weist ein Inserat hin: "Styrian Meteor bleibt doch trotz aller Anfeindungen einer bedrohten Concurrenz die beste Marke für 1897." (1) Aus nicht näher geklärten Gründen hielt Carl Franz nach einem anderen Standort Ausschau. Er erwarb 1898 die Ebenwaldner Mühle („Jesuitenmühle") in der Wiener Straße 50 (heute 182), die Anton und Barbara Ebenwaldner am Mühlgang als Farbenmühle betrieben hatten, und adaptierte sie für seine Zwecke. Ein Situationsplan von 1899 wies Gebäudeteile mit Nutzungen wie Fabrik, Schlosserei, Reparaturwerkstätte, Tandembau, Magazin, Bureau und Expeditmagazin aus, auf dem Plan skizzierte Erweiterungen weisen auf Expansionspläne hin. 

Im Jänner 1899 übersiedelten die Meteor-Werke in den Norden der Stadt. Verkaufsstellen fanden sich am Joanneumring 10 und in Klagenfurt in der Stern-Allee, in Graz verfügte man über zwei Fahrschulen, eine u.a. mit einem „Velo-Lernapparat" („Stürzen ausgeschlossen") ausgestattete Sommerfahrschule in der Mandellstraße 35, und eine Winterfahrschule in der Colisseumskaserne, Zimmerplatzgasse 3.

Beinahe konnte Franz sie in diesem Jahr auch mit dem Gewinn der steirischen Straßenmeisterschaft auch einen Prestigeerfolg landen: Doch Ernst Bittner, der zunächst von der Disqualifikation Ferdinand Graf Platens (AtRV) wegen Behinderung profitiert hatte, wurde schließlich selbst disqualifiziert, weil er als Angestellter der Meteor-Fahrradwerke ein „Werksfabrikat" fuhr, was gegen die Herrenfahrer-Bestimmungen (Amateurregeln) verstieß. Was das Engagement im Rennsport betrifft, hatte die firmenlinie eine Korrektur erfahren: War man 1896 noch stolz darauf, dass "Meteor-Räder niemals von bezahlten Rennfahrern benutzt werden", feierte man 1899 werbetechnisch"Sieg auf Sieg". 

Auf der Fahrradausstellung in München wurde ein patentiertes Dreirad für den Personentransport vorgestellt. Seit 1900 wurden neben Fahrrädern auch fabriksmäßig produzierte Motorfahrzeuge und Schreibmaschinen angeboten, zusätzlich erzeugte man elektrischen Strom.

Doch die Tage der Franz'schen Fahrradfabrik waren gezählt: Nachdem schon im Dezember 1899 ein Feuer in der Radkammer ausgebrochen, richtete ein Brand 1902 beträchtlichen Schaden an. Zwar wurde das Objekt wieder aufgebaut, doch sah Carl Franz offenbar die Zeit gekommen, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, was Ende 1904 auch formal passierte. Die von Sohn Victor gemeinsam mit einer Eiserzeugung betriebene Stromproduktion wanderte Mühlgang aufwärts, wo sie seither - nach wie vor in Familienbesitz - unter der Adresse Viktor-Franz-Straße 13,  Ecke Eiswerkgasse, als Elektrizitätswerk Gösting etabliert ist.

Damit ist die Geschichte der „Meteor-Werke" aber noch nicht ganz zu Ende: Nach einem kurzen Comeback des inzwischen Pleite gegangenen Benedict Albl - der hier mutmaßlich Restbestände seiner eigenen Produktion los werden wollte - verkaufte Carl Franz die Marke an den deutschen Konsul Ernest Simson, der das Areal Wienerstraße 182 übernahm und den Handel, möglicherweise auch die Produktion von Fahrrädern wieder aufnahm. Simson zog 1910/11 in die Babenbergerstraße 116/120, wo er laut Adressbuch „Waffenfabrik und Fahrradwerk" betrieb und „alle Fahrradbestandteile und Artikel der Feinmechanik" herstellte. Um 1920 erzeugten 150 Arbeiter hauptsächlich Volksfahrräder.  Simsons Betriebsleiter Gustav Schmidt gründete den Radfahrer-Verein „Meteor", der sich die Förderung des Kunst- und Reigenfahrens, verbunden mit Turnen, auf die Fahnen geschrieben hatte. Dieser hatte allerdings, wie auch die Fahrradfabrik, nicht lange Bestand.



Triplett, 1897
Triplett, 1897
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Plakat Meteor
Plakat Meteor
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Meteor bei Nacht
Meteor bei Nacht
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Albls letzter Anlauf
Nach seinem Ausstieg bei „Meteor" hatte Benedict Albl keineswegs die Absicht, sich aus der Branche zurückzuziehen. 1895 nahm er die Produktion in der Mühlgasse 2 wieder auf, das Geschäft in der Annenstraße 18 diente weiterhin als Niederlage. Die Fahrschule hatte er zunächst in der Sackstraße 16, dann in der Grazbachgasse 67, in Klagenfurt waren in der Bahnhofstraße Fahrschule und Niederlage.

Als sich abzeichnete, dass Carl Franz die Übersiedelung in den Norden der Stadt beabsichtigte, suchte Albl im April 1897 darum an, in der Schönaugasse 48c - neben dem alten Meteor-Werk Ecke Steyrergasse - eine Fahrradfabrik erbauen zu dürfen. Um der Expansion gewachsen zu sein, kaufte er Experten ein: Der Konstrukteur Rudolf Plessing und der bisher für Puch tätige Franz Koneczny übernahmen die Prokura. Schon Mitte August meldete Albl der Behörde die Fertigstellung des Rohbaues. Bereits ein Jahr später erfolgte der erste Zubau, 1899 wurde auch das Kesselhaus vergrößert. Der Schornstein wies eine Höhe von 35 Metern auf.


Geschäft Annenstraße 18
Geschäft Annenstraße 18
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Fassadenplan 1897
Fassadenplan 1897
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Rechnung 1899
Rechnung 1899
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Katalog 1899
Katalog 1899
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Werbekarte Graziosa Chainless
Werbekarte Graziosa Chainless
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Nach der Erteilung des Gewerbescheins wurden am 13. Juli 1899 die „Graziosa Fahrradwerke in Graz, Commanditgesellschaft Benedict Albl & Comp." gegründet, die kurz darauf in „Fahrrad- und Motor-Fahrzeugwerke" umbenannt wurden. Als Gesellschafter - und vermutlich neben Dr. Heinrich Graf Taffee, Victor Frankl und Isidor Hirsch auch als Financier - war der Hausbesitzer Theodor Schumy zeichnungsberechtigt.
 
Albl und sein Team experimentierte mit neuen Werkstoffen wie Bambus und bauten Kardan-Räder, u. a. ein „Tandem mit ausschaltbarem Mittelstück" (auskuppelbarer Kurbel für den Sozius). Die Nachbarn Franz und Albl lieferten sich um 1898 ein „Duell" über Zeitungsinserate: Franz warb mit „Meteor-Räder - Allzeit voran!" sowie für „kettenlose Räder mit Präcisions-Getriebe", Albl offerierte sein „kettenloses Zukunftsrad Graziosa-Chainless". In dieser Zeit sollen 300 Beschäftigte an 150 amerikanischen Specialmaschinen für Albl gearbeitet haben.

Entwickelt und gefertigt wurden nun auch Motorräder und Autos. Im September 1899 bewältigte das erste Albl-Motorrad die Ries, eine Bergstraße im Nordosten von Graz, die bisher nur von Motordreirädern bezwungen worden war. Im Oktober wurde der erste, 7 PS starke "Albls Phönix leichter Motorwagen" mit französischem Dion-Motor fertiggestellt.

Selbst war Benedict Albl offenbar schon ins Auto umgestiegen: In der Mitgliederliste des Steiermärkischen Automobilclubs scheint er 1900 an erster Stelle auf. An einem Unterhaltungsabend der Graziosa-Belegschaft trug ein Herr Prodinger demgemäß ein richtungsweisendes Radfahr-Couplet vor: „...Drum lob ich mir ein Chainless der Graziosa-Fabrik, das lauft fast von selber, bleibt niemals zurück; und wer dann am Zweirad nicht treten mehr will, der kauft sich beim Albl ein Automobil". Gegeben wurde auch ein Zweiakter von A. Müller: „Das kettenlose Fahrrad als Heirathsvermittler".

Bei der Entwicklung der Motorfahrzeuge war Sohn Josef beteiligt. Doch dieser starb früh 1903, ohne dass sich ein nennenswerter kommerzieller Erfolg eingestellt hätte. Wieder schien sich Benedict Albl übernommen zu haben bzw. von seinen Geldgebern im Lichte der Krise, in welche die Fahrradindustrie inzwischen insgesamt geschlittert war, im Stich gelassen worden zu sein. Jedenfalls befand sich die "Graziosa Fahrradfabrik" Ende 1901 in Liquidation. Ein Inserat, in dem das Inventar zum Abverkauf angeboten wurde, zeugte vom endgültigen „Aus". 

Im Jahre 1903 übernahm die Universitäts-Buchdruckerei Styria die bestehenden Objekte und baute sie um. Benedict Albl fand mit seinem Betrieb noch kurzzeitig bei seinem Sohn Josef in der Zeilergasse 100 Unterschlupf, hatte aber den Exekutor wegen offener Sozialversicherungsabgaben auf den Fersen. Er tauchte dann nochmals bei Carl Franz in der Wienerstraße auf, womöglich, um Restbestände seiner Produktion zu verkaufen.

1905 legte Benedict Albl das Gewerbe zurück. Seine Frau betrieb eine Studentenküche, er selbst arbeitete als Handelsreisender und starb 1918 in ärmlichen Verhältnissen.

WW

Literatur und Quellen
BRUNNER, Walter (Hg.): Geschichte der Stadt Graz, Bd. 4, Stadtlexikon, Graz 2003
MARAUSCHEK,Gerhard: Johann Puchs frühe Anfänge in Graz, in: Janez Puh clovek, ki je svet obrnil na glavo, Katalog, Pruj Zgodovinski arhiv Pruj 1999. 
SCHACHERL, Michael: 30 Jahre steirische Arbeiterbewegung 1890 bis 1920, Graz 

Alpenländische Sport-Zeitung (Bl. im "Grazer Tagblatt")  VI/35/1905
Allgemeine Automobil-Zeitung 1.4.1900
Broschüre E-Werk Gösting, Infos und Pläne Eberhard Franz
Compass, finanzielles Jahrbuch, Wien, 1920/21
Die Ostmark VI/24/30.8.1897; VIII/6/1899
Deutsch-österreichischer Radfahrer (Wien) VI/9/1894
Draisena 5/22/24.11.1899
Freie Stimmen Nr. 17 24.4.1891
Grazer Geschäfts- und Adressenbuch 1898, 1899, 1900, 1920
MStRGV = Mittheilungen des Steirischen Radfahrer-Gauverbandes 1.6.1888, 15.10.1893
Oesterreichs Industrie in Wort und Bild nach dem Stande der Jubilaeums-Ausstellung 1898, Wien 1899
Radfahr-Chronik (mit Radfahr-Humor, München) VII/41/1893; VIII/11/1894; IX/21/1895; X/56/1896
Tagespost 1.7.1898, 3.7.1898, 21.1.1902