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Beidseits der offenen Murgrenze

Ein Schienenersetzverkehr, bei den ÖBB leider noch immer gleichbedeutend mit "keine Fahrradmitnahme", hat den ersten Termin für die "ARGUS-Bärlauchtour 2010" vermasselt: Beim zweiten Anlauf, am 10.04., war die Tour weiblich, der wilde Knoblauch groß, das Wetter naja und die Route "grenzwertig".


Bahnhof Bad Radkersburg
Bahnhof Bad Radkersburg
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Standseilhängebrücke
Standseilhängebrücke
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Stajerski most
Stajerski most
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Bei der Testtour am 20.03. war das Objekt der Begierde, der Bärlauch, noch ziemlich klein, dafür geschmacklich umso intensiver. Ziel waren, wie immer und wie immer über eine neue Route angefahren, die Auwälder bei Mureck. Die Pirsch nach deftig-grünem Beiwerk für Nudeln, Nockerln, Knödel, Pesto und Aufstriche war erfolgreich, wenn auch das üppige Grün aufgrund des späten Termins schon sehr große Blätter hatte und man sich bei der Ernte eher auf den kleinen Nachwuchs konzentrieren musste.

Auf der Anreise (ab Graz Hauptbahnhof 8:10) wechselten wir in Spielfeld die Züge, um nach Bad Radkersburg zu gelangen. Die Schnellbahn fährt hier übrigens in der schon begonnenen Sommersaison am Wochenende mit größerem, aber in Spielfeld kaum zu erklimmenden Radabteil. Die Frauen dominierte ARGUS-Tourengruppe - acht von zehn TeilnehmerInnen waren weiblich - setzte sich nach obilgatorischem Defilee durch die Altstadt und der Durchquerung der an diesem Tag etwas "anrüchigen" Themenlandschaft am R2 Murradweg flussaufwärts in Bewegung.

In Donnersdorf, Gemeinde Halbenrain, genau auf Halbscheid nach Mureck (in jede Richtung sind es 11,5 km), zweigt man links ab und gelangt durch den Auwald zur "Steirerbrücke/ Stajerski most". Diese, 2006 für FußgängerInnen und RadlerInnen erbaute Stahlseilhängebrücke, zieht durch seine interessante Kontruktion die Aufmerksamkeit auf sich. Sei entstand dort, wo bis 1945 eine Murfähre verkehrte. In der Brückenmitte zeigt heute ein Strich zwischen "Oe" und "RS" die Staatsgrenze an - symbolhaft reduziert, wie es dem in den vergangenen Jahren erfreulicherweise erlittenen dramatischen Bedeutungsverlust entspricht. 


Markierung
Markierung
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Mittagsrast im Ribiski Dom
Mittagsrast im Ribiski Dom
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Fuhrpark
Fuhrpark
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Idyllisch am Ufer oder geschottert im Inneren
Auf der slowenischen Seite splittete sich die Partie: Die Geländegängigeren nahmen den tieferen Uferweg, der Rest inklusive Kinderanhänger-Gespann die teils asphaltierte, teils geschotterte Straße am südlichen Rand des Abstaller Beckens. Zuerst ein, zwei Kilometer nach Süden ins Landesinnere führend, begleitet sie dann in abnehmender Entfernung die Mur um dort, wo sie an einigen Teichen aufeinander treffen, zu einer Rast im "Ribiski Dom" von Zgornje Konjisce einzuladen. Der Saisonbetrieb mit viel Freiflächen ist kein Haubenlokal - die (aus einer Zucht bei Ptuj) stammenden Forellen können sich aber schmecken lassen.

Nur ein Katzensprung ist es dann über Trate (das nur noch aus einer vormals Duty free-Trafik zu bestehen scheint) und die alte Brücke nach Mureck. Während ein Teil der ArgonautInnen noch einen Abstecher zum Gosdorfer Murturm machte, ehe sie sich auf Bärlauch-Jagd begaben, stärkte sich der Rest im windig-frischen Gastgarten des Mühlenwirts bei der Externe Verknüpfung 
Schiffsmühle. Besonders beeindruckt hat uns diesmal unter den Desserts die Erdbeertorte, die, laut Kellnerin, mit frischen (!) Früchten aus der Gegend hergestellt worden sei. (Anm.: Wie Nachforschungen bei der Landwirtschaftskammer ergaben, kommen die ersten Folien-Erdbeeren erst Ende April, Anfang Mai auf den Markt.) 

Wer sich mehr für die Landschaft interessiert, kann hier eine gelungene Renaturierung einer Au erleben: Die nach der Regulierung immer tiefer eingegrabene Mur wurde in den vergangenen Jahren durch Externe Verknüpfung wasserbauliche Maßnahmen - Aufweitungen, Anlage von Gerinnen und Seitenarmen - wieder zu einer spannenden Aulandschaft mit interessanter Flora und Fauna bis hin zu wieder eingewanderten Bibern. 


Murturm
Murturm
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Auf der Bärlauch-Pirsch
Auf der Bärlauch-Pirsch
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Grenzerfahrung im besten Sinne
Nach erfolgreicher Expedition in den Bärlauch-Dschungel wurde dann, je nach Erntelaune zeitlich versetzt, die Rückfahrt nach Spielfeld angetreten, von wo es wieder per S-Bahn nach Graz ging. Bei der Testtour hatten wir noch die Gelegenheit genutzt und waren der einladenden Geste des Fährmanns der Weitersfelder Rollfähre gefolgt - wieder in Slowenien mussten wir dann allerdings die stärker befahrene und höhenmeterreichere Straße Sladki Vrh - Sentilj nehmen, um nach Spielfeld zu gelangen. Das ersparten wir uns jetzt, außerdem war die Fähre gerade am anderen Ufer.

Resümee nach rund 45 km "Bärlauchtour 2010": Eine leichte, absolut familientaugliche, aber abwechslungsreiche Tour mit vielen schönen Plätzen und Verweilmöglichkeiten - eine Grenzerfahrung im besten Sinne.

WOLFGANG WEHAP
(April 2010)