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Von Györ übers Donauknie nach Budapest
Eine "Testtour" von 13.-16.08.2010

Ungarn im Herzen, besser am Donauknie, Mitte August. Geplant als Testtour, fünfköpfig, viertägig. Zwischen Györ und Budapest liegt viel Sehenswertes, aber auch weniger Ergiebiges, v.a. in punkto Attraktivität der Radrouten.



Györ, Hauptplatz
Györ, Hauptplatz
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Ein Stück Bike-Highway
Ein Stück Bike-Highway
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Zwischendurch Schlamm
Zwischendurch Schlamm
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Die Anreise von Graz über Wien nach Györ birgt für Gruppen das Handicap der begrenzten Fahrradmitnahme im IC. So zwischen zwei und sechs Räder werden gegen Reservierung mitgenommen, was auch für uns - Karin, Maria, Ulli, Walter und Wolfgang - Splitting bedeutete. In Externe Verknüpfung Györ angekommen, ist die Fuzo mit ihren barocken Bauten jedenfalls einen Spaziergang wert. Wie wir da waren, wurden gerade die Vorbereitungen für eine historisch inszenierte Hochzeit getroffen.

Sich aus der Stadt hinauszuhanteln ist etwas mühsam. Auf einem abrupt abgeplankten Bike-Highway umfährt man das Audi-Werk. Am Ortsrand von Györ durchmisst man eine ehemalige und heute leider weitgehend verschandelte Kellergasse, die dann in einen Güterweg übegeht. Bei regnerischem Wetter ist hier eine Schlammschlacht zu befürchten.

Unsere "Fremdenführerin" Karin, des Ungarischen kundig und daher natürliches Opfer für die Bürde der Organisation, wollte nicht nach Komárom, sondern lotste uns über Bábolna - mit Gestüt und Pferdemuseum, das wir rechts liegen ließen - und Kocs nach Externe Verknüpfung Tata. Die Strecke führte auf zum Teil stark und schnell Kfz-befahrener Straße. Wir machten Bekanntschaft mit dem doch recht paprizierten Fahrstil vieler Ungarn: Entweder sie überholen in weitem Bogen oder löschblattknapp. Letzteres ist vor allem in Verbindung mit der hohen Schlaglochdichte, speziell am Fahrbahnrand, und damit notwendiger Schlangenlinien eine riskante Sache. 


Schon selten: Pferdefuhrwerk
Schon selten: Pferdefuhrwerk
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"Radwegkultur"
"Radwegkultur"
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Grazer RadlerInnen vor der Burg von Tata
Grazer RadlerInnen vor der Burg von Tata
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Karin, See von Tata
Karin, See von Tata
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Über Weinberge zur Donau
Das erste Quartier in Tata hatten wir, besser gesagt hatte Karin, bestellt. Eine einfache Panzio am See, der zwar zum Hineinspringen einlud, wovon uns Wasserqualitätswarnungen und ein heftiges abendliches Gewitter aber dann doch abhielten. Sehenswert die Burganlage mit Museum.

Der zweite Tag brachte einige - landläufig der ungarischen Topografie gar nicht zugetraute - Anstiege. Auf mäßig befahrener Straße ging es hinauf nach Melegeshegy (274m). Auf diesem Hügelzug tun sich in mitten ausgedehnter Rebflächen schöne Blicke ins breite Donautal auf. Ein großes Weingut mit Restaurant und Hotel lädt ein - uns aber nicht wirklich, den für eine Degustation waren wir zu wenige und zudem nicht angemeldet und einen Sprung in den toll gelegenen Pool wollte man uns auch nicht gönnen, weil eine Hochzeitsgesellschaft (??) erwartet wurde. In solchen Situationen kann es auch von Nachteil sein, wenn jemand in der Runde der Landesprache mächtig ist, zumal wir so die zu laut gemurmelten Kommentare des Kellners doch mitbekamen. Igrendwie hatte man schon den Eindruck, dass hier geschalten Mercedes-Fahrern verschwitzten Radtouristen schon noch der Vorzug gegeben wird. 

Nach der rasanten Abfahrt nach Süttö folgte eine weitere kleine Bergetappe über Lábatlan zum Kloster Péliföldszentkereszt, eine ruhige Strecke durch saftiges Grün, aber sonst nicht besonders aufregend. Das abendliche Einrollen in Esztergom wurde dann allerdings zur Belastungsprobe: In Tokod verwiesen uns wiederholt Radfahrverbotsschilder der Straße, ohne dass auch nur ansatzweise Alternativen angeboten wurden. Über Dorog und entlang der endlosen Blechwüste um das Suzuki-Werk fanden wir nach gut 60 Tages-km ein wenig reizvolles Entré in die Stadt des Erzbischofs.      


Blick ins Donautal
Blick ins Donautal
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Dom von Esztergom
Dom von Esztergom
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Kindermitnahme anders
Kindermitnahme anders
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Vor Visegrád
Vor Visegrád
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Esztergom und "Inselspringen"
Im offenbar gut gebuchten Externe Verknüpfung 
Esztergom brauchten wir etwas länger, um ein Quartier zu besorgen. Entschädigt wurden wir dann durch ein Weinfest, in das wir hineinstolperten. Bei starker Live- Folkloremusik genossen wir im Zentrum ein feines und preiswertes Abendessen. Der Wein anschließend war dann weniger rasant.

Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuß zum Dom auf, obwohl Sonntag war und Mariahimmelfahrt gefeiert wurde, hielt sich der Strom der Gläubigen und Touris in Grenzen. Wieder unten an der Donau nutzten wir die Gelegenheit für einen Abstecher über die Brücke nach Štúrovo auf einen Kaffee in die Slowakei.

Zurück auf der ungarischen Seite hatten wir einige - der insgesamt recht wenigen - Kilometer echten Radweg vor uns. Wieder endete er abrupt, diesmal im Dickicht, aus dem uns umkehrende Tourenradler bereits gezeichnet entgegenkamen. So entschieden wir uns, das Ufer zu wechseln, und nahmen die Fähre nach Szob. Wenn auch diese Route nicht viel attraktiver war, so hatten wir doch unsere Liebe zum Ufer- bzw. Inselspringen entdeckt: In Visegrád wechselten wir wieder zurück, um dann in Kisoroszi mit einer kleineren Fähre auf die Insel Szendendrei zu "hüpfen". Kilometerlange schnurgerade, von Alleen gesäumte Straßen durch große Weiden sind hier kennzeichnend.

Ein letztes Mal die Fähre benutzt und wir waren in der Stadt Externe Verknüpfung Szentendre angelangt, wo wir am Ortsende eine recht passable Bleibe fanden. Hier ließ es sich auch gut tafeln, inklusive der von Walter heiß ersehnten Szomlauer Nockerl. Den Horror von den Touristenmassen, die sich tagtäglich aus Bussen über diesen Künstlervorort von Budapest ergießen sollen, bekamen wir nur am Rande mit: Am Abend waren die Gehsteige bereits hochgeklappt und am Montagvormittag waren gerade die ersten Läden dabei, wieder aufzusperren. Aus unserer Sicht ein Örtchen, das zum Spazieren, Schauen und Verweilen einlädt. Über die 90 Prozent angebotenen Kitsch kann man ja hinwegschauen.    

 


Warnweste - außerorts bei Dunkelheit Pflicht
Warnweste - außerorts bei Dunkelheit Pflicht
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Eine von vielen Fähren
Eine von vielen Fähren
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Postler in Szenendre
Postler in Szenendre
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Szendendrei-sziget: Weiden und gerade Straßen
Szendendrei-sziget: Weiden und gerade Straßen
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"Ritt" nach Budapest - im Bummelzug retour
Die letzte Etappe wurde lange diskutiert: Mit der Schnellbahn teilweise oder ganz nach Budapest hinein, wo uns am frühen Nachmittag ein Shuttlebus erwartete, oder doch mit dem Rad in die Metropole einrollen? Wir entschieden uns dafür "einzureiten" und kamen - trotz verzwackter Führung des Rumpelradweges und obwohl der "Ritt" im Finale eher eine Schiebepartie war - gut voran, wobei diese Art der Annäherung auch für die in Externe Verknüpfung 
Budapest an sich bewanderte Karin eine Premiere war. Der Donau entlang stießen wir Richtung Zentrum vor, einmal leicht behindert durch die abziehenden Fans des Sziget-Festivals. Das Radfahren in Budapest ist eine eigene Geschichte... selten so viel am Gehsteig gefahren und geschoben, wobei aktuell auch die vielen sommerlichen Baustellen mit verantwortlich waren.

Wir überquerten noch - schiebend, wie es sich gehört - die Kettenbrücke und streiften - ebenfalls schiebend - durch die alte Markthalle, ehe wir auf die Minute genau zum ausgemachten Treffpunkt kamen. Doch wer leider nicht da war, war der Busfahrer aus Györ. Wegen eines Unfalles auf der Autobahn kam er eine Stunde zu spät, sodass wir den IC in Wr. Neustadt nicht erreichten. Der Zugbegleiter des nächsten IC winkte - mangels Reservierung und nur zweiter vorhandenener Radplätze - freundlich, aber bestimmt ab. So blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Personenzug über Payerbach-Reichenau und Mürzzuschlag nach Hause zurück an die Mur zu bummeln. Diese Rechnung, sich wegen der unsicheren Fahrradmitnahme in Ungarn den teureren Busshuttle zu leisten, war nicht aufgegangen. Was dem schönen Tourerlebnis zwischen An- und Abreise insgesamt keinen Abbruch getan hat.

WOLFGANG WEHAP
 (August 2010)



Alte Markthalle
Alte Markthalle
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Dreiräder-Treff am Donauufer
Dreiräder-Treff am Donauufer
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ARGUS-Gruppe vor dem Parlament
ARGUS-Gruppe vor dem Parlament
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