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Grazer Globebiker ritten in Argentinien ein

Valeska und Philipp haben nach einer arbeitsreichen Sommerpause Anfang Oktober ihre Tour in Lima fortgesetzt. Durch Peru und Bolivien geht es nach Argentinien, wo sie Ende November in Salta Station machen. Weihnachten verbringen sie in einem größeren Dorf in der Pampa. Ihre Tachos zeigen 67.179 Kilometer. 


Valeska und Philipp in malerischer Anden-Kulisse
Valeska und Philipp in malerischer Anden-Kulisse
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Unterwegs in Peru
Unterwegs in Peru
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"Es ist eine gute Abwechslung und hilft uns, die Reise und etwas vom Danach zu finanzieren", erzählt das Paar, das im Sommer wiederholt als Reiseleiter in Spitzbergen und Grönland gearbeitet hat, bei einem Zwischenstopp in der Heimat: "Jetzt freuen wir uns schon wieder aufs Radeln."

Ihre braven Drahtesel haben sie diesmal nach Graz mitgenommen und von ihrem Ausstatter runderneuern lassen - von den neuesten Schwalbe-Pneus über Federgabeln und Magura-Bremsen bis hin zu Northland-Outfit und GPS- sowie Ultraschall-Hundeabwehrgerät. Neben der Familienpflege, Arztbesuchen und Behördenwegen nutzten Valeska und Philipp die Zeit für Medienkontakte und dafür, selbst zu schreiben, etwa für das Schweizer Magazin "Globetrotter" (Nr. 95/ Herbst 2010): Darin berichten über die besondere Herausforderung der allabendlichen Suche nach einem geeigneten Schlafplatz - bei mittlerweile 1.460 Übernachtungen verfügten die beiden ja mittlerweile über reichlich Erfahrung, so das Magazin.

Der Wunsch, wieder einmal sesshaft zu werden, hat sie bisher nicht eingeholt: "Wir sind nicht so die Heimwehtypen."


Bolivien
Bolivien
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Lama-Warnung
Lama-Warnung
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Camping
Camping
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Dünne Luft auf 4.528m
Von Lima hinaus geht es durch eine Wüstenlandschaft - Sanddünen, Hügel, kaum besiedelt. Kleine Orte und Städte liegen an der Strecke und letztendlich erreichen Valeska und Philipp Nasca. Hier schauen sie sich von einem Aussichtsturm die Nasca-Linien an. Der weitere Abschnitt der Küste entlang ist wunderschön - Sand, Meer, Berge und hie und da ein kleines Dorf. Nun geht es schleppend dahin: "Der Wind wird zum Sturm und die flache Küste zu einer Steilküste mit unzähligen Anstiegen. Die Kombination lässt uns fast am Stand treten. Bergauf mit 4 km/h, im Flachen mit 8 und bergab mit 12."

Als sich Valeska auch noch eine Magenverstimmung einfängt, muss in La Planchara ein Not-Stop eingelegt werden, "in einem der ungustiösesten Hotels Südamerikas". Trotzdem fühlen sich die beiden im südlichen Peru um einiges sicherer als im Norden: "Die Menschen wirken freundlicher und netter, und die Orte gemütlicher und weniger hektisch. Selbst im letzten Kaff und in der miesesten Absteige läuft alles entspannt ab."

In zwei Tagesfahrten geht es von der Küste nach Arequipa (2.353m), das mit einer fantastischen Altstadt überrascht. Auf der Strecke leigt ein Nobelkloster, in dem jede Nonnen ihr eigenes Häuschen und bis zu vier Angestellte hatte. Zwei Tage nach Arequiipa erreichen die beiden den Pass "Crucero Alto", den bisher höchsten mit dem Fahrrad erreichten Punkt: 4.528m. "Auf dieser Höhe bedeutet jeder kleinste Hügel eine gewaltige Anstrengung". Zwei Mal wird auf über 4.200m übernachtet.

Dann rollen die Räder mit den beiden Grazern zum Titicacasee (3808m) hinunter nach Puno. Hier herrscht Tourismus pur, denn Puno ist Ausgangspunkt für Touren zu den schwimmenden Inseln. Um den See wirkt es ärmlich, schmutzig, doch die Leute winken und grüßen von den Feldern, wenn die Radler vorbeiziehen. Die Fahrt entlang des riesigen Sees wird in Richtung Bolivien immer einsamer und hübscher, berichten Valeska und Philipp. 

Steil hinunter geht es nach La Paz, wo sie den ausgewanderten Weizer Paul, Besitzer der Restaurants "Vienna", besuchen und auf ein "Klein Österreich" mitten in Südamerika treffen.


Saltai
Saltai
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Verkehrszeichen
Verkehrszeichen
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Salzsee
Salzsee
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Auf dem Weg nach San Juan
Auf dem Weg nach San Juan
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Trinkfeste und freundliche Argentinier
Auf der Weiterfahrt stoßen sie bei Jirira den Salar de Uyuni auf den mit 10.000 km2 größten Salzsee der Welt, auf dem sie "wie unwirklich dahingleiten". Die folgenden endlosen Pisten-Kilometer zwischen Huari und Tupiza legen sie gemeinsam mit zwei anderen Radler-Pärchen zurück. Auf 4000 Metern erreicht das Grazer Duo, nun wieder alleine, die Grenze zu Argentinien. 

Hinunter ins Tal Richtung Jujuy und Salta wird es grüner und schwül. Typisch für Argentinien: schmale Strassen, viel Verkehr – dafür gefüllte Supermarktregale, saubere Betten und Klos, kein Müll auf der Straße, aber auch höhere Preise. Gleich wie in Bolivien: Das Feiertagstrinken - bis zum Umfallen. So passiert es Philipp, dass er auf seinem Rad von hinten von einem besoffenen Mopedfahrer gerammt wird. 

Mit Fortdauer ihres Argentinien-Aufenthalts wächst aber die Begeisterung für dieses Land und ihre Bevölkerung: "Die Argentinier sind unglaublich freundlich und wir haben unterwegs viele nette Begegnungen - übernachten bei der Feuerwehr in Chilecito; zelten bei einer Familie im Garten - alle winken, grüssen und kommen neugierig zu uns, wenn wir in Orten stoppen. Was für ein Unterschied zu den Ländern davor! " 

Logbucheintrag vom 09.12., vor der Ankunft in San Juan: "Wir schwitzen uns gerade durch die viel zu heiße argentinische Wüste. Leider ist es nicht nur heiß, sondern auch der Wind weht wie verrückt aus der falschen Richtung - das wird wohl leider noch ein Zeiterl so bleiben..."

Weihnachten in der Pampa
Weihnachten verbrachten Valeska und Philipp in einem größeren Dorf, San Martin de los Andes. Wie sie berichten, ist das Weihnachtsbrauchtum etwas anders als in Österreich. Zum Beispiel wird der Weihnachtsbaum im Haus schon ab 8. Dezember aufgestellt. Während es draußen bis zu 40 Grad heiß ist, bevorzugt man drinnen kalte Küche. Was den beiden positiv aufgefallen ist: "In Nord- und Mittelargentinien gibt es noch den vorweihnachtlichen Kaufrausch nicht und weder Plätze oder Straßen noch Geschäfte sind mit weihnachtlichem Ramsch aufgeputzt oder überladen."  Der Weihnachtsmann kommt mit der Feuerwehr, am Heiligen Abend wird geballert und gelärmt - zu Weihnachten werden viel mehr Kracher und Raketen abgefeuert als zu Sylvester.

(ARGUS)

Weihnachten in der Halbwüste Argentiniens
Weihnachten in der Halbwüste Argentiniens
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