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Auf Singlespeeds Graz - Fürstenfeld und retour

Zu einem Rad-Oldtimertreffen in Altenmarkt bei Fürstenfeld mit dem Radoldtimer aus Graz stilecht an- und abgereist - 150 Kilometer, die kleine Oldtimer-Ausfahrt mitgerechnet. 


Benno und Horst
Benno und Horst
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Seltsame Ausnahme
Seltsame Ausnahme
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Zweimal besuchte ich bereits das Dorfmuseum in Altenmarkt, einmal am Nationalfeiertag 2007 mit Wolfgang (auf Junior) sowie Radlmax (auf Meteor), wobei wir von Fehring anradelten, und einmal mit 2CV/Ente-Fahrern und Familie. Heuer am 26. Oktober war 10-jähriges Museums-Jubiläum angesagt, also warum nicht einen "Waffenrad"-Ausflug von Graz aus versuchen?

Mit Benno von der Externe Verknüpfung RRKG-VC (RennRadKulturGruppe-VeloCombinat) fuhr ich erst ein paar Wochen vorher testweise auf den Plesch. Trotz angepasster Übersetzung auf die maximal erlaubten 2,0:1 war das wirklich nur eine Qual bzw. stückweise eine Schiebepartie; die beabsichtigte Teilnahme an der Waffenrad-Challenge in Bruck/Mur auf das noch etwas steilere Madereck wurde abgeblasen. Wir wollten ja Radfahrer sein und nicht -schieber.

So machten wir uns - trotz nicht gerade berauschender Wetterprognosen -  in aller Früh des Nationalfeiertages 2010 bei Dunkelheit um ca. 7.20 Uhr von Andritz aus auf den Weg. Benno auf "Styria Luxus" (ca. 1958; schön patinierter Rahmen, wenig Originalteile), der Autor auf "Victoria" (1941-43, schiach patiniert, dafür alle Komponenten inkl. Kette original - und dementsprechend ausgelutscht).

Auf der wiedergeöffneten HR4 ging es durch den Annagraben. Schon die erste Rampe vor Niederschöckl verlangte uns alles ab. Es galt im Vorfeld eine Aufi-obi-umi-Breitbandübersetzung zu finden: 2,14 bzw. 2,15 (die ich sonst an diesem Radl fahre) passen ganz gut, aber schon solche Anstiege rauben viel Kraft.

Am Schöckl lag schon Schnee, in/am Fasslberg sahen und spürten wir die ersten Schneeflankerln der Saison! Hurtig ging es die B72 bis zum Bachwirt hinunter und dann bis Eggersdorf auf der holprigen Landstraße zügig dahin.

Bei leichtem Gefälle macht Treten so ab spätestens 30 km/h mit den gewählten Übersetzungen keinen Sinn mehr. Wenn Benno sich bergab g'schmeidig duckt, habe ich trotz mehr Masse gegen seine leichtlaufenen modernen Laufräder+Reifen keine Chance, selbst im Windschatten kann ich nicht immer ohne Treten mithalten.

In Eggersdorf bogen wir in einer Linkskurve "geradeaus" ab in die "Stuhlsdorfer Straße". Bei der "Teichstraße" heisst es 40 Hm nehmen, um über die "Römerstraße" (wieder bergab) die B65 nur zu queren und in den "Friedlhofweg" zu gelangen, der uns eine nahezu verkehrsfreie Verbindung nach Gleisdorf eröffnet (Vermeidung der B65). Durch Pircha geht es tendenziell immer "der Nase nach" Flöcking tangierend zum R49.

Im Ort Ludersdorf nicht die Abzweigung nach rechts verpassen! Wie überhaupt die nächsten Kilometer durch Gleisdorf konzentriert gefahren werden sollten, um den Radweg nicht zu verlieren. Passiert dies, landet man irgendwo in der Industriezone, z.B. in einem überdimensionalen Obstbottich der Steirerobst. Wird die Autobahn 3x(!) und die Bahngeleise 2x unterfahren, kommt man zum R11, dem Raabtal-Radweg.

Diesem folgten wir entlang der Äcker und nach einem ca. 1/2 km langen, markant geraden Straßenstück stießen wir an eine T-Kreuzung. Es geht links nach Hofstätten in den Ort hinein - und dann ein kurzes Stück links nach Süden. Die L366 wird überquert und gleich die erste asphaltierte Straße (schräg links) bergauf genommen. In den Internet-Karten wird sie als "Bruchweg" bezeichnet, im Ort sagt man "Alte Straße" dazu, die im Laufe der Steigung in eine gute Schotterstraße übergeht und durch Mischwald mit hohem Laubanteil führt.

Trotz des bedeckten Himmels "strahlte" es hier in den warmen Farben des Herbstlaubes. So machte es uns gar nichts aus, dass wir die schweren Singlespeed-Räder ein Stück schieben mussten. Oben trafen wir auf den R21 (Rittscheintalradweg), der uns bis Söchau begleiten sollte.

Ein Bremserl mit dem Rücktritt, ein Schnalzer und der Bremsanker des Styria Luxus hat sich eine ½ Umdrehung nach hinten gedreht. Mit einem befristet entbehrbaren M5-Schrauberl von meinem Scheinwerfer konnten wird das Rad wieder flott machen. Da keine argen Bergabetappen anstehen, wird das wohl bis Altenmarkt reichen. (Dort bekam Benno aus der gut sortierten Schraubenlade vom Museumsbesitzer Ersatz. Danke.)

Der Begleitradweg führt meist entlang der Landstraße. Mit den Rennrädern würden wir einen solchen Radweg vor allem wegen der spitzen Steinchen meiden. Autos "putzen" diese im Laufe der Zeit von der Hauptstraße direkt auf parallel führende Radbegleitwege, und so verbleiben sie dort als potentielle Patschen-Auslöser, weil die örtlichen Straßenmeistereien üblicherweise nicht den Aufwand treiben auch Radwege von Streusplitt zu säubern. Mit unseren Fast-Halbballon-Reifen (wie man früher sagte) brauchten wir uns davor nicht so zu fürchten.

Dieser Radweg ist eigentlich sehr flott gebaut. Keine Anstiegsrampen bei querenden Straßen/Feldwegen/Ausfahrten/Haltestellen o.ä., meist auch übersichtlich. Der Vorrang des Radweges wird zwar gerne bei einmündeneden Seitenstraßerln aufgehoben, dank guter Einsehbarkeit stört dies nicht den Fahrfluss.

Trotzdem weisen Zusatztafeln bei jedem Geh- Radweg-Verkehrszeichen hin, dass "Rennräder ausgenommen" seien. Was freundlich klingt, ist ohnehin in der StVO § 68 (1) geregelt und könnte wegen StVO § 54 (4) oder eines besser passenden Paragraphen das verordnete Verkehrszeichen "Geh- und Radweg" aushebeln.

Zur Effizienz des Windschattenfahrens mit Tourenrädern
Für uns spielt diese juristische Unschärfe keine Rolle, wichtiger an diesem Tag ist die doch überraschende Erkenntnis, dass Windschattenfahren mit alten Tourenrädern bei weitem nicht soviel bringt wie mit Rennrädern. Das liegt nicht so sehr an der nur im Durchschnitt verminderten Geschwindigkeit, sondern an der höheren Walkarbeit der Reifen und der erhöhten Rollreibung der Lager und Kettenglieder in Relation zum Luftwiderstand. Da es immer wieder auch leicht bergab geht, können wir ein Geschwindigkeitsband von 20 bis immer wieder über 30 km/h auskosten.

In Söchau bogen wir links ab und bewältigten die letzte harmlose Steigung vor dem Ziel. Eile ist nicht geboten, denn wir liegen gut in der Zeit.

Durch Maierhofen ging es wieder flott bergab und nach der Brücke gleich rechts die Straße hinein. Die B319 schräg überquert, um auf einer kurzen Schotterstraße durch den Wald, an den in diesem Bereich ausgesprochen lauschigen (aber unbeschilderten) aspahltierten R8 andocken zu können. In Altenmarkt erinnerte ich mich vage, aber richtig an die Abzweigung vor einem Nebengebäude der Kirche zum Museum und wir trudelten 1/4h vor dem offiziellen Beginn (11.00 Uhr) ein. 71 km, 535 Hm in ca 3 h 10 min ergeben einen Schnitt von 22,4 km/h, bei einer berauschenden Maximalgeschwindigkeit von 52,9 km/h. Unterwegs waren wir unter 4 h.

Retour über Urscha-Transformator und Europaberg
Deutlich später als vorgesehen brachen wir nach Museumsführung, gemeinsamer Oldtimer-Ausfahrt, Jause, Verlosung und Münzprägung wieder Richtung Graz auf und wollten noch möglichst viel Wegstrecke bei Tageslicht zurücklegen. Eine geplante Besichtigung von Radlmax´ Rad-Sammlung in Gleisdorf konnte ob des späten Starts nicht mehr umgesetzt werden.

Um die Navigation einfach zu halten, geht es die gleiche Trasse bis Sommerberg zurück. Wir bleiben wie schon bei der Hinfahrt immer auf der Landessstraße bzw. dem Begleitradweg und wollen uns nicht auf teilweise herumschlenkernden Radwegabschnitten auf Nebenstraßen südlich der L366 und L422 verzetteln. Außerdem sollen diese Abschnitte z.T. schlecht ausgeschildert sein. Es reicht, dass spürbarer Seiten- und Gegenwind die Fahrt erschweren.

Auf den Sommerberg "zaht" es sich schon ordentlich hinauf (kein Begleitradweg mehr), die über 100 km des heutigen Tages fordern ihren Tribut. Ab Pöllau bei Gleisdorf sollte man doch besser den abgeschiedeneren Verlauf des R21 wählen, der ohne Umweg, aber verkehrsberuhigt ein paar km über den "Almweg" Richtung Sommerberg hinaufführt.

Wir biegen auf der Anhöhe des Sommerbergs dem R21 folgend links ab und kommen durch Takern I ins Raabtal nach Sulz bei Gleisdorf. Ein kurzes Stück fahren wir am R11, um im Ort Sulz links bei einem Bildstock in den WZ11 einzubiegen (Labuch Radweg).

Von nun an geht's bergan! Auf uns unbekannten Straßerln wollen wir dem WZ11 bis Hart folgen und dann die Abzweigung nach Kogelbuch erwischen, die dem westlichsten Punkt der Schleife des WZ11 entspricht.

Also an jeder Kreuzung genau nach den Wegweisern Ausschau halten; das ist nicht immer leicht, da die Schilder manchmal "etwas" verdreht oder schon ein ordentliches Stück runtergerutscht sind!

Der Stand, der nun zeitweise und zaghaft herauskommenden Sonne im Westen hilft bei der Plausibilitätskontrolle der eingeschlagenen Richtung. Meist leider bergauf, aber das war zu erwarten.

An der Kreuzung am Bergrücken knapp vor Sulzberg jedoch versagt alle Logik (die Schulbus-HS dort heisst wegen des großen Transformators kraftstrotzend "Urscha-Transformator") und ich folge sklavisch dem schlecht ausgerichten WZ11-Wegweiser hinunter in ein Tal. Na wird schon stimmen, auch wenn Benno lieber dem offensichtlich WZ11-verlassenden Wegweiser zur Aussichtswarte am Kleeberg folgen möchte (was wir hätten tun sollen). Hurra, unten im Tal ist wieder ein WZ11-Wegweiser, hat also doch gepasst?




Am Europaberg
Am Europaberg
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Zur Draufgabe: Polyhymnias Geheimnis
Mühselig geht es in Schlangenlinien die hier kaum befahrenen Straßen hinauf. Die Sonne scheint nun kräftig, wir aber befinden uns noch im Schatten der Hügelkette. Oben strahlt sie uns voll ins Gesicht und wir nehmen ihre Wärme mit großer Genugtuung an. So kommen wir auch durch den Ortsteil "Europaberg" (seit 2004, davor weniger repräsentativ "Ungerdorfberg"). Wir erreichten eine Kreuzung mit kleiner Kapelle die nach "Schemerl" (klingt nicht nach SchemerlHÖHE) und zur "Autobahn" weist. Das kann doch nicht stimmen, denn wir sollten eigentlich nach links abbiegen, nicht rechts. Bitte nicht noch einmal in einen Graben runter! Ok, soll sich nun Benno durchsetzen. Schon bald passieren wir Kogelbuch! Was für eine Freude, es kann nicht mehr weit bis Brunn-Schaufel sein.

Erst daheim, beim Nachzeichnen des Tracks auf gpsies.com erkenne ich den Fehler des falsch Abbiegens (HS "Urscha-Transformator")! Die schlechte Beschilderung hat uns 40Hm und 1/2km Umweg gekostet, gar nicht so tragisch. Aber ein Rundumblick bei Sonnenuntergang auf dem teilweise umstrittenen, skulpturenartigen Betonbau "Aussichtsturm am Kleeberg" wäre trotz dräuender Dämmerung ein krönender Abschluss am geographischen Höhepunkt der Tour gewesen, zumal der Wind des Nachmittags die Luft fantastisch aufklarte - wir sahen auch so weit bis zu den schneebedeckten Gebirge im Westen und Norden!

Merke: Unterwegs den Wegweisern zum Aussichtsturm Kleeberg im Zweifelsfall mehr Glauben schenken als den schwindligen WZ11-Taferln.

Beim GH Höchschmied auf der Schemerlhöhe konnte ich Wasser tanken und - noch viel wichtiger - die Toilette benützen. Erleichtert ging´s weiter, ab jetzt mit Licht. Benno mit Batterie-Stecklicht, ich mit uralter "Radsonne"-Lichtanlage, deren Dynamo schon so viel Magnetismus verloren hat, dass der Widerstand nur wenig bremst. Licht gibt es dafür auch nicht viel (trotz zweier warmweisser Hochleistungs-LEDs im alten Blechgehäuse). Wir fuhren nicht die L311 nach Autal hinunter, sondern blieben noch etwas am Bergrücken auf einer Nebenstraße durch den kleinen Ort Steinberg. Erst bei Pachern unterfuhren wir die Autobahn. Gleich hinter der A2-Unterführung gäbe es einen netten Radweg (R49 in den Ort Raaba hinein), den ich erst einmal vor ein paar Jahren mit leichten Orientierungsunsicherheiten im Ort befuhr.

Jetzt sollte es schnell und sicher gehen, also auf die L311 und beim Kreisverkehr vor Raaba rechts nach Graz/St.Peter abzweigen. Die letzte "Steigung" bei der OMV-Tankstelle geschafft können wir bis zur Schimautz-Kreuzung mit dem Autoverkehr mitschwimmen. Das geht natürlich nur, weil gerade groß umgebaut wird und die Straße z.T. einspurig zu befahren ist. Wir verabschieden uns nur kurz und jeder fährt die letzten Kilometer allein heim - wobei ich beim Kunsthaus überprüfe ob dort tatsächlich eine Statue von "Polyhymnia" (eine der neun Musen, Töchter von Zeus) einer der  in einer Nische steht. Ja, sie tut es, genauso wie Manfred Glettler uns dies zu Mittag bei der Führung erzählte. Warum? Sag ich nicht, selber einmal nach Altenmarkt hinfahren und an einer Führung teilnehmen, die Wegbeschreibung ist ja nun genauestens bekannt. 

Retour waren es nur 67 km, jedoch mit 714 Hm, geradelt in 3 h 16 min (v_= 20,6 km/h), Reisezeit 3 h 42 min. Inklusive der 13 km Nostalgierundfahrt (v_= 11,4 km/h) zeigte der nicht zeitgenössische Sigma-Tacho am Ende eines langen Ausflugstages um 19.00 Uhr 150 km an. Die Gesamtstrecke:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ykklexhdwhppsqld Die 52,9 km/h des Vormittages konnten nicht mehr getoppt werden.

Nachtrag: Das gewonnene Puch Jungmeister bekam gleich einen etwas niedriger bauenden Puch Picnic Sattel (statt des montierten 80er Jahre Teils), so dass unser bald elfjährige Paul damit schon im Hof herumkurven kann. „In die Schule oder zu den Pfadfindern fahre ich aber nicht damit, da lachen mich die anderen sicher aus. Die wissen ja nicht was das für ein cooles Radl ist."  Hmmm, meiner lieben Agnes müsste das Rad doch auch perfekt passen...
Danke dem Glücksengerl Emma!

Horst KOSCHUTA (Okt. 2010)