Grazer Radfahrer Club
 
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Sportliche Highlights in Weiß-grün
(1880 - 1980)


Auf der Grazer Rennbahn, 1895
Auf der Grazer Rennbahn, 1895
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Silbernes Edelweiss mit Brillanten
Silbernes Edelweiss mit Brillanten
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Fest auf der Rennbahn
Fest auf der Rennbahn
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Militär-Rennen, 1893
Militär-Rennen, 1893
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Grazer Rennfahrerschule
Grazer Rennfahrerschule
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Gedenktafel an das erste Fußballmatch
Gedenktafel an das erste Fußballmatch
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Das erste Straßenrennen schrieb der Grazer Bicycle-Club (GBC) für den 14. Oktober 1883 auf der Strecke Graz - Bruck - Graz aus. Der Sieger August Wagner benötigte für die 100 km 5 Stunden 44 Minuten und 30 Sekunden – er war also mit einem Schnitt von 17,4 km/h unterwegs. Auf den Plätzen landeten Max Kleinoscheg und Externe Verknüpfung Alexander Gayer.

Nicht zuletzt die schlechten Straßenverhältnisse begünstigten in der frühen Zeit die Verlagerung der Szene auf die Bahn: Am 14. April 1884 wurde im Park der Industriehalle (heute: Messe) die erste Radrennbahn Österreichs und mit 690,3 m die längste des europäischen Festlandes eröffnet. Zu Pfingsten 1884 erfolgte der Auftakt zu den „Internationalen Grazer Pfingstrennen“. Wie bei allen weiteren Veranstaltungen dieser Art stieg ein großes Sportfest, eingeleitet mit einer festlichen Auffahrt sämtlicher Radfahrer und einem Preiskorso. Schon damals wurde auf dem Hochrad der Kilometer in zwei Minuten, also mit beachtlichen 30 km/h, gefahren.

Das erste internationale 100-km-Rennen um die Meisterschaft der österreichischen Alpenländer entschied 1887 GBC-Racer Paul Kielhauser für sich. Erster - inoffizieller - Straßenmeister der Steiermark wird 1887 Berthold Diamant, als "Meister der österreichischen Alpenländer" über 100 km Straße bekam er das silberne, mit Brillanten besetzte Edelweiß und blieb auch 1888 bei der Meisterschaft von Österreich im Straßenfahren über 150 km siegreich.

Die erste offizielle steirische Straßenmeisterschaft ging 1891 an Josef Berghofer vom Pischelsdorfer RV auf einem Niederrad. 1889-92 wurde das 50-km-Straßenrennen getrennt nach Teilnehmern auf Hoch- und Niederrädern ausgetragen. Ein weiteres Mitglied des GBC, Hubert Endemann, eroberte ab 1889 in Serie Meistertitel im Kunstfahren.

Pioniere in Skisport und Fußball 
Bemerkenswert waren die Leistungen der frühen Radsportler, die vielfach aus der Turnerschaft hervorgingen, als Sport-Pioniere: Max Kleinoscheg führte gemeinsam mit Toni Schruf (Mürzzuschlag) und Walther Wenderich (Bruck) Anfang der 1890er Jahre den Ski- bzw. damals noch Schneeschuh-Sport in Mitteleuropa ein, mit dem vom Fahrrad abgeleiteten Monogleit schuf Anton Lenhardt vom Brucker BC 1911/12 den Vorläufer des Skibobs.

Zwei Mannschaften des Akademisch-technischen Radfahrvereins bestritten 1892 das erste Fußballspiel Österreichs auf dem Platz vor der Landesturnhalle, wobei der Prager Medizinstudent und Radrennfahrer der ersten Stunde, Externe Verknüpfung August Wagner, eine Schlüsselrolle spielte. Mit von der Partie war der nachmalige Chemie-Nobelpreisträger Fritz Pregl, an den ab 1893 am Wiesenplatz der Radrennbahn abgehaltenen Trainings nahm auch Rennfahrer Franz Urpani teil.  

Gerger hinter Sechsitzer, aus: Styria-Katalog 1899
Gerger hinter Sechsitzer, aus: Styria-Katalog 1899
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Werbepostkarte, die in großer Zahl und in mehreren Sprachen aufgelegt wurde
Werbepostkarte, die in großer Zahl und in mehreren Sprachen aufgelegt wurde
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Rennmannschaften von GBC und ATRV, 1893
Rennmannschaften von GBC und ATRV, 1893
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Franz Gerger, 1895
Franz Gerger, 1895
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Huet und Büchner
Huet und Büchner
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Trabrennbahn
Trabrennbahn
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Rennen mit Motorführung
Rennen mit Motorführung
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Eröffnungsrennen 1.5.1932
Eröffnungsrennen 1.5.1932
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Die Grazer Birnen-Rennbahn
1888 errichteten Grazer Radfahrer-Club (GRC) und Akademisch-technischer Radfahr-Verein (AtRV) gegenüber der Industriehalle (auf dem Areal des späteren Sportclubplatzes) nach dem Vorbild der Anlage im Frankfurter Palmengarten eine 400-Meter-Rennbahn. Diese setzte mit ihrer Konzeption und Ausführung wie geneigten Kurven und Teerung neue Maßstäbe im Rennbahnbau. Anstatt des üblichen Ovals hatte das Stadion wegen der das Areal tangierenden Eisenbahn (steirische Ostbahn) einen birnenförmigen Verlauf. 

Der erste bedeutende Radrennfahrer, den die Grazer Club-Landschaft hervorbrachte, war Dr. Ernst Smreker (GBC): Er sicherte sich 1889 die in Graz ausgetragene Bundes-Bicycle-Meisterschaft des österreichisch-ungarischen Radfahrerbundes. Ihm folgten als Champions die Brüder Carl und Hans Schneider sowie Franz Urpani.

Die Dominatoren der Zeit um die Jahrhundertwende waren Externe Verknüpfung 
Franz Gerger (3. bei Wien - Berlin 1893, Sieger Bordeaux - Paris 1895, WM-Dritter 1896 und Europameister 1897 über 100 km auf der Bahn, Inhaber zahlreicher Weltrekorde) und Externe Verknüpfung Bruno Büchner, gebürtiger Deutscher, der ebenfalls aus der Grazer Trainierschule von Alexander Gayer kam.

Gayer war weltweit der erste professionelle Trainer im Radsport. Er wurde zunächst vom Fahrradfabrikanten Johann Puch, dann von den Styria-Fahrradwerken unterstützt. 1898 umfasste die von ihm gechoachte Styria-Mannschaft 16 Racer verschiedener Nationen, als bekanntester unter ihnen den nachmals überaus erfolgreiche Däne Externe Verknüpfung Thorwald Ellegaard

Eine, gerade aus heutiger Sicht weniger ruhmreiche Entwicklung hat Wurzeln ebenfalls in Graz: Doping. Ab 1894 experimentierten die Mediziner Oskar Zoth und Fritz Pregl mit Steroiden und stellten in Selbstversuchen ihre leistungssteigernde Wirkung fest.                           

Die Konkurrenz anderer Sportplätze, insbesondere von Wien, wo 1896 ebenfalls zu Pfingsten Profi-Rennen eingerichtet wurden und ein Veranstalter (Verband Grazer Radvereine für den Wettkampfsport - VGRVfW), der sich mit dem Einkauf teurer Berufsfahrer übernommen hatte, bewirkten den Rückzug auf den Amateursport und ein Schwinden des Publikumsinteresses: Den Betrieb der Rennbahn übernahm 1897 die Styria-Fahrradwerke von Joh. Puch & Co., 1898 zog sich der GBC aus dem VGRVfW zurück. 1899 gelang es zwar noch einmal, ein Pfingstrennen durchzuführen, aber mit dem 18. internationalen Bewerb war aber das Wettkampfgeschehen auf der Grazer Bahn Geschichte. 1900 wurde die zweite Grazer Rennbahn aufgelassen. 

Später fanden zwar weiter Bewerbe auf der Trabrennbahn und nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem GAK-Platz sowie bis in die 1960er Jahre im Liebenauer Stadion statt, die große Zeit des Bahnradsports in Graz war aber vorbei.



Bahnrennen, 1920er Jahre
Bahnrennen, 1920er Jahre
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Badlgalerie
Badlgalerie
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Siegesparade, 1952
Siegesparade, 1952
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Zeltweger Kunstrad-Trio
Zeltweger Kunstrad-Trio
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Richard Durlacher
Richard Durlacher
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Rudi Mitteregger
Rudi Mitteregger
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Duell Junior - Puch
Als Graz seine Position als "Hochburg des Radsports" verlor, war es dem Brucker Bicycle-Club zu verdanken, dass der Sportbetrieb in der Steiermark nicht vollends zum Erliegen kam. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten waren es die Radsektion des
Grazer Athletik Sportclubs GAK, der RV "Ausdauer 1909", die alten Vereine "Wanderlust" und "Edelweiß" sowie "Styria" und RV Post, die sich um den steirischen Radsport besonders verdient machten.

Nach den gerade in den Reihen der Radsportler verlustreichen Jahren des Ersten Weltkriegs führten in der Zwischenkriegszeit Valentin Luttenberger, Ferdinand Gatternig und Rudolf Ottitsch die Siegerlisten in der Steiermark an. 1929 wurde das Styria-Team (Kohlhuber/Lielleg) österreichischer Meister im Radball. Noch vor der Zeit des NS-Regimes begannen die Karrieren von Josef Poschgan, 1935-44 Staatsmeister im Einer-Kunstradfahren, und Heinz Jager, der u.a. 1938 das erste Grazer Innenstadt-Kriterium für sich entscheiden konnte und später das "Junior"-Team gründete.

Die 50er und 60er Jahre waren vom Duell der Werksteams von Junior und Puch geprägt. Junior holte vier Mal den österreichischen Mannschaftsmeistertitel, Puch errang mit Richard Durlacher u.a. Siege auf der Österreich- und der England-Rundfahrt 1958. Die schillerndste Figur der Nachkriegsjahre war Franz Deutsch (1928-2011), von seinem Wiener Sportkollegen Max Bulla einmal wenig freundlich als "Dulliöh-Sieger, aufgeputscht mit Wein und Bier" bezeichnet. Er gewann die Ö-Rundfahrt 1951 und 1952 für Junior.

Die 60er und 70er Jahre waren die große Zeit der "steirischen Gämse" Felix Damm und von Rudi Mitteregger. Legendär ist von Externe Verknüpfung Mitteregger der von TV-Kameras dokumentierte Wutausbruch, als er bei der Ö-Rundfahrt 1974 am Gaberl nach einem Defekt minutenlang auf das Betreuerfahrzeug warten musste: Externe Verknüpfung "Wo san denn dei Offen, herst!?" Damals gewann Mitteregger zwar nicht die Etappe, aber die Rundfahrt, wie auch 1970 und 1977 - vier Mal war er Zweiter, vier Mal "Glockner-König" und acht Mal Straßenmeister.

In den 1950er und 1960er Jahren erlebte auch der Saalsport mit Radball und Kunstradfahren in Graz, Zelltweg und Knittelfeld eine bescheidene Blüte, nach dem Ende auch der Jugendarbeit in Knittelfeld 1993 verschwand das Kunstradfahren in der Steiermark völlig. Radball erfuhr 2011/12 in Deutschlandsberg eine Wiederbelebung. 

WOLFGANG WEHAP

Radball, ÖM 1952
Radball, ÖM 1952
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