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Gebrauchtradbörsen haben Konjunktur

Vor einigen Jahren waren sie vereinzelt zu finden, heute sind Gebrauchtradbörsen weit verbreitet: Second Hand Ware für schmale Brieftaschen ist angesagt.

In der Schweiz, in Teilen Deutschlands und in Vorarlberg haben Radtauschmärkte und Gebrauchtradbörsen schon länger Tradition. Trotz der Möglichkeiten des Internets haben diese direkten Umschlagplätze, wo das Angebot nicht nur in Augenschein genommen, sondern auch haptisch und per Testrunde erfahren werden kann, nichts an Beliebtheit eingebüßt, im Gegenteil: In der Steiermark früher vereinzelt anzutreffen, gehören Gebrauchtradbörsen im Frühjahr und Herbst heute zum Standardprogramm, die Zahl der hier gehandelten Fahrräder aus zweiter oder dritter Hand wächst. 

Kein Problem stellt laut Umfrage die Hehlerei, also der Versuch, "heiße Ware" in Umlauf zu bringen, dar. Davor feit man sich mittels Ausweis- und Unterschriftleistungen oder beugt zumindest psychologisch vor, indem man die Veranstaltung mit einer Codieraktion der Polizei kombiniert. 


Erste Bicycle-Börse 2007
Erste Bicycle-Börse 2007
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In der Körösistraße
In der Körösistraße
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Bicycle GRB 2009
Bicycle GRB 2009
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Größte Börse in Graz
Als Bicycle am Firmensitz in der Körösistraße 17 in Graz 2007 die erste Gebrauchtradbörse abhielt, freute man sich über 70 vermittelte Fahrräder. Mittlerweile werden rund 400 Second-Hand-Muselkraftfahrzeuge umgesetzt, und zwar zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst.

"Es ist ein Bedarf da, keine Frage", so Bicycle-Chef Gerd Kronheim. Nicht unbedingt hochpreisige Teile, aber einfache bis solide Ware wird ein bis zwei Tage vor den jeweiligen Terminen angeliefert, begutachtet und gemeinsam mit den - ausgewiesenen - Besitzern bepreist. "Manche tragen zu hoch an, das wissen wir schon vorher, dass das Stück zum Ladenhüter wird", weiß Kronheim aus Erfahrung. Aber dies ist eher selten der Fall: In der Regel ist das Angebot bereits am frühen Vormittag ziemlich zusammengeschmolzen - wer zuerst kommt, hat die bessere Auswahl. Seine Mitarbeiter kennen die Trends: "Hier wird vor allem ein Zweitrad gesucht oder eines zum selber pimpen, etwa zu einem Single Speed oder Fixie. Preise über € 150.- sind da nur noch selten zu erzielen."

Bicycle lukriert von der Verkäufern eine nach dem Verkaufserlös bemessene kleine Provision (ab € 50.- Verkaufspreis € 3.- bis 7.- Provision), dafür haben die NeubesitzerInnen die Möglichkeit, keinere Reparaturen und Einstellungen gleich noch vor Ort vornehmen zu lassen. Hin und wieder hat man die Börse auch woanders abgehalten, als Frequenzbringer bei Bike-Events. Am liebsten bleibt Kronheim aber am Bicycle-Stammsitz, einer eingeführten Adresse eben. Bei der Börse am 07.05. wurden 488 Fahrräder angeboten und 384 auch tatsächlich verkauft zu einem Durchschnittserlös von € 92.-.





1. Weizer Börse 2004
1. Weizer Börse 2004
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Veranstaltung 2005
Veranstaltung 2005
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Großer Andrang 2010
Großer Andrang 2010
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Knittelfeld 2009
Knittelfeld 2009
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Anfänge in Weiz und Knittelfeld
Eine Vorreiterrolle in der Steiermark nahm Weiz ein, wo erstmals im Frühjahr 2004 eine Gebrauchtradbörse stattfand. "Die Idee kam mir nach einem Besuch beim Wintersport-Tauschmarkt des Elternvereins", erinnert sich Otmar Handler: "Ich dachte mir, was bei Schi, Schischuhen und Schibekleidung funktioniert, müsste auch mit Fahrrädern zu machen sein."  Gesagt, getan. Zu viert setzten sich die Weizer Aktiven eines Samstag Vormittags auf den Hauptplatz, zuvor hatte man mittels Plakate und Flugbätter aufmerksam gemacht. Handler erinnert sich: "Das Wetter war schlecht, aber trotzdem gab es bald eine lange Warteschlange, weil wir nur eine Kasse vorbereitet hatten." 

Inzwischen wanderte der Tauschmarkt auf den Südtirolerplatz. Dort ist es übersichtlicher und das Geschehen leichter zu kontrollieren. Mittlerweile arbeiten Zweier-Teams an 4 Kassen sowie einige weitere HelferInnen, die bei den Rädern für Ordnung sorgen. Das Weizer Stadtmarketing hat sich inzwischen mit einem Ostermarkt an die Fahrradbörse angehängt, der Termin ist jetzt schon traditionell jeweils am Samstag vor dem Palmsonntag, um den Kauf von Gebrauchträdern als Ostergeschenk für Kinder zu ermöglichen. Umgesetzt werden rund 150 Räder. 10 % des Kaufpreises bleiben den Veranstaltern - damit weden alle HelferInnen auf ein Mittagessen eingeladen.

Mit dabei ist seit langem auch die Polizei Weiz mit ihrer Codier-Aktion, die - wie auch im Frühjahr zeitgleich in Knittelfeld - für zusätzliches Service in Sachen Sicherheit sorgt.

Anders als in Weiz und Graz verzichtet man in Knittelfeld aber auf eine Provision und gibt den vom Verkäufer verlangen Preis 1:1 weiter. Die in der obersteirischen Bezirksstadt auch schon seit Jahren ein- und von der Gemeinde selbst durchgeführte Aktion erbringt laut Eric Kocher einem Umsatz von im Frühjahr über 100 und im Herbst 60 bis 70 nicht mehr ganz neuen Fahrrädern.

(ARGUS - update 10.05.)