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Ärger über "Justiz-Witz" in Graz
"Steirerkrone" vom 17.05.2011, Seite 18

Studentin fand ihr gestohlenes Fahrrad wieder - aber sie hat leider nichts davon!

"Moni, da steht dein Fahrrad!" Eine junge Grazerin hatte allen Grund zur Freude, als ihr gestohlenes Rad am Hauptbahnhof von einer Freundin wiederentdeckt wurde. Die Freude währte aber nur kurz - denn die 26-Jährige schaltete die Polizei ein, die bekanntlich an die Gesetzeslage gebunden ist

Der Studentin wurde vom Beamten höflich, aber bestimmt mitgeteilt, dass sie sich ihr Fahrrad keineswegs einfach zurückholen darf. Es könnte schließlich sein, dass es jemand mittlerweile gutgläubig erworben hat. Außerdem habe Frau K. erst zubeweisen, dass es sich tatsächlich um ihr Fahrrad handelt. Traurig, aber wahr!

Der Akt geht jetzt an die Staatsanwaltschaft - und zumindest während die Mühlen der Justiz mahlen, muss Monika K. wohl oder übel ohne ihr Lieblingsfortbewegungsmittel auskommen, das nun einsam und verlassen bei der Polizei steht. Ob sie es zurückkriegt, ist offen.

"Das Ganze ist ein Witz. Ich hätt's halt einfach mitnehmen und nicht erst zur Polizei gehen sollen", knurrte die unfreiwillige Neo-Fußgängerin am Montag gegenüber krone.at. "Schließlich war es unversperrt."

Monika K. ist wohl nicht die Einzige, die das so sieht. Man würde sich vermutlich einiges ersparen - oder eben auch nicht. Im schlimmsten Fall kann man sich durch das "Stehlen" seines eigenen Fahrrades nämlich rechtliche Probleme einhandeln - siehe auch Interview rechts.

Also was tun? Am besten von Beginn an dafür sorgen, jederzeit beweisen zu können, dass es sich um sein Eigentum handelt - Stichwort Rahmennummer!

MARTIN KALLINGER

"Polizei kontaktieren" (Nachgefragt bei Gerhard Lachomsek)

Herr Oberstleutnant, viele Fahrraddiebstähle landen im Kriminalreferat. Im aktuellen Fall (siehe Artikel oben) wäre es vermutlich schlauer gewesen, die Studentin hätte ihr Fahrrad einfach mitgenommen.

"Vermutlich. Allerdings ist die Rechtslage nun einmal so, und man sollte die Polizei kontaktieren."

Welche Möglichkeiten hat man, wenn man sein gestohlenes Rad irgendwo wieder findet?

"Wichtig ist, dass man einen Beweis hat, dass es sein Fahrrad ist. Da hilft die Rahmennummer, die Codierung oder ein individuelles Merkmal, das niemand anderer wissen kann. Je mehr man sich in diesem Bereich absichert, desto besser ist es. In Deutschland setzen viele auf Understatement und machen ihr Fahrrad mit Farbe schäbig, damit es keinem Dieb ins Auge sticht."

Und wenn inzwischen jemand das gestohlene Rad gekauft hat?

"Ist es gutgläubig erworben worden, dann wird es schwierig. Der Käufer kann den Kaufpreis einklagen. Vielleicht nimmt er aber auch vom Besitz Abstand oder man kann sich irgendwie anders einigen."

Mit der warmen Jahreszeit bekommen Raddiebstähle ja wieder Saison.

"Stimmt. Aber die Tendenz ist in Graz trotzdem fallend. Da schaut es nicht so schlecht aus. Es werden auch wieder viel mehr Diebstähle aufgeklärt."

Viele Fahrraddiebstähle werden von den Polizeiinspektionen selbst geklärt und kommen gar nicht ins Kriminalreferat?!

"Erst dann, wenn es sich als Seriendelikt herausstellt, wird es vom Kriminalreferat übernommen."

Eva Molitschnig