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Touren-Klassiker rund um den Neusiedlersee

Kaum zu glauben: Da ist man als Tourenfahrer schon in den 50ern und ist noch nie rund um den Neusiedlersee pedalt. Doch vermutlich war es eben Bekanntheitsgrad und Massenradtourismus, die mich bisher immer andere Ziele ansteuern ließen. Die Family-Tour im heißen August 2011 erfüllte die Erwartungen.

Der B10 Neusiedlersee Radwanderweg führt über 95 km auf österreichischer und 38 km auf ungarischer Seite, wobei die Grenze ja heute keine Barriere mehr darstellt. Kurz die - ohnedies bekannten - Assets der Tour: Die Route ist leicht und weist wenige Höhenmeter auf, Bauzustand und Orientierung sind ausgezeichnet, den ungarischen Abschnitt ausgenommen, die Infrastruktur vom Radtaxi bis zu den Radfähren und den zahlreichen Radlwirten ist ebenso top. Nachteile: Hohe RadlerInnendichte, die in der Saison Reservierungen empfehlenswert erscheinen lassen, mitunter (Gegen-)Wind und allgemein erhöhte Gelsengefahr. 


Radverkehr in Mörbisch
Radverkehr in Mörbisch
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Radlerzählstation
Radlerzählstation
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Rust
Rust
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2 1/2 Etappen
Zu unserer Tour: Eigentlich wollten wir die Umrundung in zwei Tages-Etappen machen, doch Emma auf dem Trailerbike revoltierte und so mussten wir noch eine dritte kleine Etappe, die mit einem Badetag in Podersdorf kombiniert war, einschieben: 1. Tag Mörbisch - Podersdorf, retour mit Radfähre nach Rust (65 km); 2. Tag mit Fähre nach Illmitz, Illmitz - Mörbisch (63 km), 3. Tag Illmitz - Podersdorf (25 km).  

Das Schöne bei der Fahrt, besonders an der Strecke des ersten Tages über Rust, Oggau, Purbach, Jois, Neusiedl, Weiden nach Podersdorf: Es gibt am Wegsrand so viel Sehenswertes an Kultur und Natur, dass man nur schweren Herzens nicht von der vorgegeben Route abweicht. Alle paar Kilometer winkt ein Rastplatz, zum Teil im einheitlichen segelüberspannten Design. Den Einkehrschwung in einen der zahlreichen Heurigen - in Ungarn Pince - hebt man sich besser für den Abend auf und kann sich auf eine günstige und gute Verköstigung einstellen.

Der durchwegs auf asphaltierten Güterwegen, selten auf eigenen Radwegen geführte Neusiedlersee Radwanderweg wird nur dort durch - gut fahrbaren - Macadam unterbrochen, wo dies der Naturschutz vorgibt. So etwa bei den Neusiedler Wiesen, die zur Bewahrungszone des Nationalparks gehören. Zum B10 werden auch etliche Varianten angeboten, die wir z.B. zwischen Illmitz und Podersdorf durch die Zicklacken - vorbei am Unteren und Oberen Stinkersee - in Anspruch genommen haben. Es zahlt sich aus, auch wenn man kein Ornithologe oder Fan alter Zuchttierrassen wie der Mangalitza-Schweine ist.    


Blick auf das Schilf
Blick auf das Schilf
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Durch die Weingärten
Durch die Weingärten
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Rastplatz
Rastplatz
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Windräder am Horizont
Windräder am Horizont
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Zitzmannsdorfer Wiesen
Zitzmannsdorfer Wiesen
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Radfähre in Illmitz
Radfähre in Illmitz

Kulinarischer Höhepunkt beim Türkenturm
Während im Norden hin zur Parndorfer Platte die Windräder zu ständigen Begleitern am Horizont geworden sind, sind es traditionell die Weinreben, die sich auf dem Großteil der Strecke mit Gras-, Busch- und Lackenlandschaft abwechseln. Als "Greenhorn" schreckt man sich zunächst über Schüsse oder Sirenen auf offenem Feld - doch an das Arsenal an Abwehrmaßnahmen gegen die Schwärme an gefräßigen Staren vom in weningen Metern über die Weingärten tuckernden Sportflugzeugen ("Star-Fighter") bis zu Tonbändern mit Raubvögelgekreische und Vogelscheuchen mit blinkenden CDs -  gewöhnt man sich bald.

Was man als badeurlaubender Radtourist noch beachten sollte: Mitunter ist man weit weg vom See unterwegs. Der Schilfgürtel ist mehrere Kilometer breit - außer in Podersdorf, dort kann man dafür bis weit nach dem Leuchtturm hinauswandern, ohne dass einem das Wasser bis zur Brust reicht. Bei Badeeintritt oder bei den Radfähren macht sich auch die Externe Verknüpfung 
Neusiedlerseecard bezahlt, die man mit der Meldebestätigung vom Quartiergeber kostenlos beim Tourismusbüro bekommt.  

Auf der zweiten Tagesetappe hatten wir von Illmitz nach Pamhagen eine Länge entlang einer stark befahrenen Straße. Diese kann man, wenn man Zeit und Muße hat, in interessanten Varianten südlich der Langen Lacke umfahren.

Wir retteten uns in Pamhagen vor der Mittagshitze in das Externe Verknüpfung Wirtshaus "Zum Türkenturm": Das Mittagsmenü - Gefüllte, bissfeste Paprika mit selbst gemachter Paradeissauce und Externe Verknüpfung  Illmitzer Balasn (grob geriebene Äpfel mit Zimt und Zucker in Teig) waren eindeutig das kulinarische Highlight auf unserer Tour. Apropos Externe Verknüpfung Türkenturm: Um ihn herum rankt sich eine Legende, die irgendwie quer zu den üblichen heroischen Berichten über Heimsuchungen durch die Türken liegt - die Pamhagener sympathisierten mit den Osmanen und wurden von Plünderungen verschont.

Auf ungarischer Seite geht die endlose Gerade weiter - nur der Zustand des Straßen begleitenden Radwegs verschlechtert sich merklich. So, kann ich mir vorstellen, schaut ein Radweg aus, der irgendwann gebaut und an dem seither nichts mehr angegriffen wurde.

In Fertöd rentiert sich ein Blick auf das neu renovierte Externe Verknüpfung Schloss Esterhazy und die weitläufigen Gartenanlagen, ansonsten ist der ungarische Teil bis Förterákos knapp vor der Grenze ziemlich uninteressant. Was wir - wie uns Freunde versicherten, bedauerlicherweise - ausgelassen haben, ist ein Abstecher nach Sopron, der die Strecke rund um den See nur um ca. 10 km verlängert.

Karten und Literatur
Bikeline Radreiseführer, Auflage 2009
Neusiedlersee - Rad, Natur und Weltkultur - Radtouren, hg. von der Neusiedlersee Tourismus GesmbH (gratis)

WW August 2011