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Von Palmanova in die friulanische Ebene

Palmanova war 2011 Ausgangspunkt der RadKulTour "Pedalare in Italia(no)", die ARGUS Steiermark - Die Radlobby jedes Jahr Ende August organisiert. Fünf Touren in die Umgebung der friulanischen Ebene standen auf dem Programm.  


Aiello Orologio solare azimutale ad ore della mezzanotte detto Analemmatico
Aiello Orologio solare azimutale ad ore della mezzanotte detto Analemmatico
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Gruppo in bici
Gruppo in bici
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Die sternförmige Festungsstadt sicherte die Republik Venedig nach Osten gegen die Habsburger und gegen die Türken und galt als uneinnehmbar. Allerdings war sie jahrhundertelang ohnehin nicht belagert, aber auch schon alleine dadurch geschützt, dass sie erst dann sichtbar ist, wenn man unmittelbar vor den Stadttoren steht. Dies erlebt man auch per Fahrrad entsprechend, da man im einen Augenblick noch über die Felder fährt und dann im nächsten hinter einem Erdwall plötzlich die Stadt erscheint.

Die erste Tour führte auf Entdeckungsreise in die nähere Umgebung. Am Vormittag wurden die Nachbarorte Santa Maria La Longa und Clauiano besichtigt. Gegen Mittag radelte die Gruppe dann zum Jausen nach Aiello del Friuli. Dort zählt man nur die heiteren Stunden des Lebens: mit viel Kreativität wurden unterschiedlichste Sonnenuhren gestaltet, die immer zahlreicher werden, da in einen Wettbewerb jährlich die schönsten Sonnenuhren prämiert werden. Das sonnige Wetter war sehr passend, um die Uhren und ihre Funktionsweise entsprechend zu studieren. Das Museum im Ort widmet sich dem handwerklichen und bäuerlichen Leben des Friaul und war umfangreicher als erwartet. Bemerkenswert sind vor allem die Gegenstände aus der einstigen Seidenproduktion, die einst von Kaiserin Maria Theresia in der Gegend aufgebaut wurde. Heute erinnern noch die zahlreichen Maulbeerbäume daran, an denen man immer wieder entlang radelt.

In Bagnaria Arsa wurde der kleine Familienbetrieb „Mulino delle Tolle" mit seinen mehrfach ausgezeichneten Weinen besucht. Die Weinproduktion funktioniert dort vollautomatisch von der Ernte bis in die Flasche. Nicht nur die Tanks, sondern auch die Wände des neuen Weinkellers sind aus Edelstahl und erst vor kurzem in Betrieb genommen worden.


Passariano Villa Manin
Passariano Villa Manin
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Passariano und die Villa Manin
Eigentlich war in Cuccana nur eine kurze Trinkpause geplant, aber Alexander erspähte durch ein Fenster in der kleinen Kirche San Marco wunderschön restaurierte Fresken. Die freundlichen Dorfkinder holten gleich die Nachbarin, die erfreut über das Interesse bereitwillig aufsperrte und stolz die Bedeutung der Malereien erklärte.

Nicht Cremona, sondern Mortegliano hat mit 113 m seit 1957 den eigentlich höchsten, vielleicht aber auch hässlichsten Kirchturm Italiens. Wirklich interessant war dort jedoch der Schnitzaltar von Giovanni Martini (1525). Das Ziel in Passariano war die Villa Manin, die Mitte des 17. Jh. im Zuge der Trockenlegung der Sümpfe begonnen worden war. Ende des 18. Jh. war sie Wohnsitz des letzten venezianischen Dogen gewesen und entsprechend erweitert worden. Seither stellt sie eine imposante Anlage dar und umschließt mit den Wirtschaftsgebäuden (Barchessen) einen weiten Ehrenhof.

Die Villa beherbergte im Sommer 2011 eine sehenswerte Ausstellung zeitgenössischer Künstler des Friauls sowie des angrenzenden Kärntens und Sloweniens mit Werken nach 1961. Zur Abkühlung hatte Stephan für diesen heißen Tag einen nicht ganz offiziellen Badeplatz in einem nahen Wasserlauf ausgesucht. Auf dem Rückweg bildete die ausgezeichnete Gelateria in Castions di Strada einen kulinarischen Höhepunkt.

Cividale und der Collio
Aufgrund der anhaltenden Hitze in dieser Woche, waren an diesem Tag nur sechs der zehn RadlerInnen auf der längsten Tagestour im Collio unterwegs. Die anderen vier machten Pause im Schwimmbad von Torviscosa.

Eine kurze Tour durch Udine führte die RadlerInnen zum Baptisterium und dem Dom mit seinem kleinen Museum. Weiter ging es durch das ausgetrocknete Flussbett des Torre nach Cividale, das sich über dem Steilufer des Natisone erhebt. Von den Römern gegründet, wurde Cividale später die Stadt der Langobarden. Nach einem kühlen Bad im Fluss ging es für die RadlerInnen auf verkehrsarmen, schattigen Wegen durch den Collio nach Prepotto zum Weingut „Colli di Poianis". Der Rest der Gruppe traf per Auto dort ein. Chefin Maura führte die Gruppe zunächst in den Weingarten und servierte dann, begleitet von lokalen Brot- Schinken- und Käse-Spezialitäten, eine Auswahl der neuen Weine.

Gorizia
Das erste Ziel des Tages war Cormons, ein reger Handelsort im Grenzgebiet zwischen Italien und Slowenien. Dort deckten wir uns zunächst im sympathischen kleinen Laden von Marisa Tomadin und ihrer Tochter Leila mit Schinken und anderen Spezialitäten der Gegend ein. Dann ging es weiter zur Schinkenverkostung bei der Familie D'Osvaldo, die seit einigen Jahren hervorragenden luftgetrockneten Schinken in limitierter Stückzahl herstellt. Monica erklärte, dass der Betrieb momentan dafür kämpft, dass wieder die traditionelle Räucherung in den Räumlichkeiten des Hofes erlaubt wird, was derzeit aufgrund von starren staatlichen Regelungen nicht zulässig ist, obwohl das Endprodukt keinerlei hygienische Mängel aufweist.

Der schönste Teil des Weges führte dann durch den Collio nach Gorizia. Die habsburgische Geschichte des Gorizia von gestern, des "österreichischen Nizza", ist im Stil und den Namen vieler Sehenswürdigkeiten noch immer gegenwärtig. Nach der Mittagspause stand eine Führung durch den wertvoll ausgestatteten Palazzo Coronini Cronberg (1597) auf dem Programm. Eine Stiftung kümmert sich seit 1990 nach dem Tod des letzten Coronini-Cronberg um die Erhaltung des Palazzo, des Parks und des Andenkens an die Familie. So lernte die Gruppe auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Familie kennen, unter anderem den attraktiven letzten Besitzer Guglielmo und dessen Bruder, den „Womanizer" Francesco Giuseppe.

Über die Hochebene über dem Isonzo ging es dann nach Gradisca d'Isonzo, die ehemalige Festungsstadt, mit der sich die Venezianer vor allem gegen die Türken schützen wollten, bevor sie in die Hände der Habsburger geriet. Neben den Venezianern haben daher auch die Habsburger das Stadtbild geprägt. Dort teilte sich die Gruppe, je nach Interessenslage zum Eis essen, Baden gehen oder Kaffee trinken.

Am Fluss Stella
Die Rundreise führte über Castions di Strada durch endlose Maisfelder und Pappelplantagen nach Ariis. Ein echter Geheimtipp ist das 2009 wieder eröffnete Süßwasser-Aquarium „Paolo Solimbergo". Dort sind in den Innen- und Außenanlagen etwa 40 Fischarten entlang des Flusslaufs von der Quelle bis zur Mündung zu sehen. Nach der Führung ging es zur Mittagsjause in den gleich gegenüber liegenden romantischen Park der Villa Ottelio am Fluss Stella. Durch die starke Strömung des Flusses konnte man jedoch nur die Füße abkühlen. Die Villa ist der einzige Überrest der früheren Festungsanlage, die mit dem Bau von Palmanova an Bedeutung verloren hatte.

Weiter ging es nach Palazzolo dello Stella zur kleinen Friedhofskirche mit Fresken aus dem 16. Jh. In Pocenia erreichte die Gruppe das Paradies und lernte bei der Villa Caratti Fraccaroli ein weiteres Familienunternehmen und seine Weine kennen. Domenico Fraccaroli führte durch den Weinkeller und bot einige Kostproben seiner Weine an. Der junge Weinbauer hat sich aufgrund der großen Konkurrenzsituation noch nach anderen Standbeinen umgesehen und baut seit kurzem im Friaul auch Reis an.

Auf dem Rückweg gab es noch einen kurzen Stopp bei einer übervollen Brombeerhecke.

Heidi SCHMITT und Stephan LANDGRAF, ARGUS Steiermark - Die Radlobby



Gruppe in Palmanova
Gruppe in Palmanova
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