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Rupert Weninger: Ein Zweirad-Afficinado geht in Pension

Mit Rupert Weninger (Jg. 1947) verabschiedet sich ein Radmechaniker aus Passion in die Pension. Seine Werkstätte in der Plüddemanngasse 52a - dort, wo der Kfz-Verkehr durch die engste Stelle braust - übergibt er mit Jahresende seinem Mitarbeiter, der mit einem Mechaniker weiter Stadtfahrräder und Spezialitäten wie Falträder und künftig auch Trail-Bikes anbieten wird.

Herr Weninger, Sie hören mit Jahresende auf?

Am Heiligen Abend werde ich das letzte Mal mein Geschäft aufsperren. Danach folgt die Inventur, ehe ich den Schlüssel endgültig abgebe. David Hirzer wird dann, nach einigen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen, im Februar wieder aufmachen.

Abschied mit einer Träne im Augenwinkel?

Ja, irgendwie schon. Ich habe es prinzipiell gerne gemacht. Aus Kunden werden Bekannte, aus Bekannte werden Freunde. Geld verdienen war bei mir nicht so im Vordergrund, für mich war immer der Kontakt zu den Leuten wichtig.

Sie hatten ja eine bewegte Karriere: Erzieher bei den Sängerknaben, Lehrer in ihrer burgenländischen Heimat. Um 1990 brachen sie ihr Medizinstudium ab, um sich ihrer Passion, dem Schrauben an Fahrrädern zu widmen.

Könnte man so sagen. Ich bin immer schon Rennrad gefahren und habe für mich und meine Kumpels geschraubt. Bei guter Flasche Rotwein - ich komme ja aus einer Rotweingegend (Horitschon, Anm.) haben wir jedes Problem gelöst. Dann hat mit ein Nachbar den Tipp gegenen, dass der Rothmann in der Waltgendorfer Hauptstraße zusperrt. Sein Lokal wurde es dann nicht, aber um die Ecke in der Plüddemanngasse war was frei, wo ich dann 1992 eröffnet habe.

Was haben Sie künftig mit ihrer Freizeit vor - bleiben Sie dem Fahrrad treu?

Ja, sicher, ich werde wieder mehr zum Fahren kommen. Es ist ja oft so, dass wenn man Hobby zum Beruf macht, keine Zeit mehr fürs Hobby bleibt. Ich fahre mit dem Mountainbike, Bergwandern auf Rädern würde ich es nennen, auch Touren, mit dem Rennrad sowieso.

Welches Modell fahren Sie?

Derzeit ein altes, einen Stahlrahmen mit Campagnolo-Ausstattung. Zur Zeit baue ich mir einen Gios-Titanrahmen auf. Ich fahre aber auch gerne Motorrad, so nach dem Motto: Alles was zwei Räder hat, ist gut. Das Auto spielt eine untergeordnete Rolle, das ich jetzt habe, hat 16 Jahre am Buckel.

Zum Thema Radfahren in Graz: Lassen sich da Veränderungen feststellen? Was sind in ihren Augen die bedeutendsten Errungenschaften der jüngeren Zeit?

Ja, man kann schon feststellen, dass zum Beispiel auch im Winter mit dem Rad fahren. Während es früher einen Umsatzeinbruch gegeben hat, ist nun auch im Winter was los. Die Spazierenfahrer fallen zwar weg, aber jene, die das Fahrrad als Verkehrsmittel verwenden, fahren immer. Und das sind mehr geworden.

Der Ausbau der Radwege ist schon wichtig, und da hat sich schon was getan in Graz. Österreich ist halt ein Land der Oberlehrer: Jeder weiß es besser, jeder beschimpft den anderen. Das Klima unter den Verkehrsteilnehmern ist ganz anders als etwa in Italien. Bei uns wird gerne mit Zeige- oder auch Mittelfinder 'kommuniziert'. Aber auch bei uns ist es besser geworden: Schön langsam gewöhnen sich die Autofahrer daran, dass es auch Radfahrer gibt.

(ARGUS)

Rupert Weninger (r.) mit Nachfolgern
Rupert Weninger (r.) mit Nachfolgern
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R. Weninger als junger Racer
R. Weninger als junger Racer
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