Grazer Radfahrer Club
 
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Verwelkter Lorbeer: Bahnrennen in Graz

EXTRA

 


Der Rennplatz Graz, 1895
Der Rennplatz Graz, 1895
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1888 wurde gegenüber der Industriehalle (auf dem Areal des späteren Sportclub-Platzes, heute: Styria Media Center) nach dem Vorbild der Rennbahn im Frankfurter Palmengarten eine 400 m-Bahn errichtet. Die zweite übrigens, denn die erste war bereits fünf Jahre vorher vis-a-vis im Park der Industriehalle (heute: Stadthalle) eröffnet worden. Die damalige Bedeutung dieses "Radlerviertels" im Stadtteil Jakomini zeigt etwa der Umstand, dass die landesweite Kilometrierung des "Tourenbuch von Steiermark für Radfahrer" von 1889 von hier aus erfolgte.  



Hochradrennen um 1890
Hochradrennen um 1890
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Training auf der Bahn, 1893
Training auf der Bahn, 1893
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Die drei Rennbahnen vor 1900
Die drei Rennbahnen vor 1900
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Clubhaus des AtRV an der Rennbahn
Clubhaus des AtRV an der Rennbahn
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Plakat Pfingstrennen, 1899
Plakat Pfingstrennen, 1899
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Bierkrug als Preis, 1890
Bierkrug als Preis, 1890
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Neue Maßstäbe im Rennbahnbau
Die neue Anlage setzte mit überhöhten, geneigten Kurven und Teerung neue Maßstäbe im Rennbahnbau. Wegen der im Südwesten tangierenden Trasse der steirischen Ostbahn verjüngte sich das zwischen dieser und der Jakominigasse (erst später Conrad-von-Hötzendorfstraße) eingepasste Oval im südlichen Bereich, weshalb der Volksmund von der "Birnen-Rennbahn" sprach.

Die Zieltribünen waren so angeordnet, dass das Publikum die Nachmittagssonne im Rücken hatte. Betrieben wurde die Rennbahn vom „Verband Grazer Radfahrvereine für Wettkampfsport VGRVfW", dem der Grazer Radfahrer-Club (GRC), der Akademisch-technische Radfahrverein (AtRV) und später mit dem Grazer Bicycle Club (GBC) auch der älteste der Grazer Radsport-Vereine angehörten.

Alle drei Vereine unterhielten Clubhäuser an der Rennbahn, mit Schlafräumen und Duschen, Wagen- bzw. Maschinenraum (für die Fahrräder). Wie Radpionier Max Kleinoscheg schilderte, wohnten einige Clubmitglieder in den Sommermonaten an der Rennbahn, immer wieder auch gemeinsam mit Sportkollegen aus dem In- und Ausland, die hier als Gäste einquartiert wurden.

Anlässlich der Pfingsrennen 1894 wurden 8 Weltrekorde, 44 beste deutsche und 17 beste österreichische Zeiten aufgestellt, auf einer Bahn, "welche sich den schnellsten und besten Bahnen des Kontinents an die Seite stellen kann", wie die Münchner Radfahr-Chronik schrieb. "Hunderte Grazer verfolgten täglich auf der großen Rennbahn gegenüber der Industriehalle die Übungen der Rennfahrer ...", erinnerte sich Alfred Wirth 1914 in einer in einer Jubiläumsschrift des Akademischen Turnvereins, der auch eine Radfahrriege unterhielt.  

Legendäre Pfingstrennen
Vom ersten GBC-Obmann Ernst Wlatnig und Mathäus Dietrich konzipiert und 1883 erbaut, wurde die erste Radrennbahn Österreichs im Park der Industriehalle am 14. April 1884 eröffnet - mit 690,3 m auf Sand war sie zugleich die längste des europäischen Festlandes. Zu Pfingsten 1884 gab der GBC als Betreiber den Startschuss für die Internationalen Grazer Pfingstrennen, die für eineinhalb Jahrzente ein Fixtermin im europäischen Rennkalender wurden.

Der Grazer Radfahrer-Club pachtete die damals noch 1000 m lange Trabrennbahn, doch der Vertrag wurde bald gelöst, als man sich mit dem Akademisch-technischen Radfahrverein darauf einigte, eine eigene Rennbahn gegenüber der Industriehalle und der GBC-Bahn zu errichten. Am 6. Mai 1888 erfolgte die Eröffnung der neuen Rennstrecke mit den Internationalen Pfingstrennen. Unmittelbar darauf wurde von GRC und AtRV der Verband der Grazer Radfahr-Vereine für Wettkampfsport gegründet, dem 1890 schließlich auch der GBC beitrat. Bis dahin hatte es zwei Rennbahnen gegeben - eine Besonderheit, die Graz mit nur vier Städten im deutschsprachigen Raum (Frankfurt am Main, Mannheim, Hannover, München) gemein hatte.  


Trainierschule, 1897
Trainierschule, 1897
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"Styria-Mannschaft bei der Arbeit", 1898
"Styria-Mannschaft bei der Arbeit", 1898
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... hinter Motorführung
... hinter Motorführung
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Start zum letzten Pfingstrennen, 1899
Start zum letzten Pfingstrennen, 1899
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Lageplan, 1898/99
Lageplan, 1898/99
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Vom ersten GBC-Obmann Ernst Wlatnig und Mathäus Dietrich konzipiert und 1883 erbaut, wurde die erste Radrennbahn Österreichs im Park der Industriehalle am 14. April 1884 eröffnet - mit 690,3 m auf Sand war sie zugleich die längste des europäischen Festlandes. Zu Pfingsten 1884 gab der GBC als Betreiber den Startschuss für die Internationalen Grazer Pfingstrennen, die für eineinhalb Jahrzente ein Fixtermin im europäischen Rennkalender wurden.

Der Grazer Radfahrer-Club pachtete die damals noch 1000 m lange Trabrennbahn, doch der Vertrag wurde bald gelöst, als man sich mit dem Akademisch-technischen Radfahrverein darauf einigte, eine eigene Rennbahn gegenüber der Industriehalle und der GBC-Bahn zu errichten. Am 6. Mai 1888 erfolgte die Eröffnung der neuen Rennstrecke mit den Internationalen Pfingstrennen. Unmittelbar darauf wurde von GRC und AtRV der Verband der Grazer Radfahr-Vereine für Wettkampfsport gegründet, dem 1890 schließlich auch der GBC beitrat. Bis dahin hatte es zwei Rennbahnen gegeben - eine Besonderheit, die Graz mit nur vier Städten im deutschsprachigen Raum (Frankfurt am Main, Mannheim, Hannover, München) gemein hatte.  

Lokalmatador Franz Gerger fuhr auf der "Birnen-Bahn" ebenso wie die Cracks der weltweit ersten Rennfahrerschule unter Externe Verknüpfung 
Alexander Gayer, allen voran der nachmalige sechsfache Weltmeister Externe Verknüpfung Thorwald Ellegard. Radpionier Externe Verknüpfung Michel Angelo Frh. von Zois, der selbst hier trainiert hatte, beschrieb die Athmosphäre so: "...hinter der Bretterwand hört man Trambahnwagen klingeln. Wagen rasseln, das Summen und Brausen eines starken Vekehrs. Neben mir steht die große, mächtige Gestalt des Trainers, ruhig, die Stoppuhr in der Hand. Wir beobachten die Arbeit Gergers. Tandems, Dreisitzer, Quadruplets schwirren vorbei, und Gayer nickt befriedigt, sein Pflegling ist in einem Tempo von 50 km."

Doch wie gewonnen, so zerronnen: Das Bundesfest des Deutschen Radfahrer-Bundes 1895 hinterließ ein ziemliches Loch in den Kassen der Grazer Vereine, zudem dürfte sich der VGRVfW mit der Verpflichtung teurer Berufsfahrer übernommen haben. Aufgrund von Streitigkeiten der Verbände über die Amateur-Reglements konnten die drei bedeutendsten Preise nicht mehr ausgefahren werden. Dazu kam die Konkurrenz, besonders von Wien, wo 1896 ebenfalls zu Pfingsten Profi-Rennen veranstaltet wurden.

So verblasste der Ruhm der Radsport-Hochburg Graz schnell. 1896 waren die Rennen nur noch "ein schwacher Abglanz", 1897 übernahmen die Styria-Fahrradwerke den Betrieb der Rennbahn für Trainings- und Testzwecken - die Pfingstrennen fielen aus. 1898 wurde die Bahn mit erhöhten Kurven versehen, doch der GBC zog sich im sleben Jahr aus dem VGRVfW zurück.

1899 gelangten die Pfingstrennen als 18. internationaler Bewerb noch einmal zur Austragung, mit einem Rennen mit Motorführung betrat man sogar ein in Österreich neues Terrain. Betreiber der Bahn war nun ein Unternehmer namens Jegher. Aber nach den Sommerrennen am 9. Juli, ausgeschrieben nur für Herrenfahrer und abgehalten unter mäßigem Teillnehmer- und Publikumsinteresse, war es endgültig vorbei. 1900 wurde die zweite Grazer Rennbahn aufgelassen.


Trabrennbahn, Schiedsrichterstand, 1921
Trabrennbahn, Schiedsrichterstand, 1921
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Plakat, 1931
Plakat, 1931
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Sturz im Finish, 1931
Sturz im Finish, 1931
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Trabrennbahn: Start ...
Trabrennbahn: Start ...
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... und Rennen, 1933
... und Rennen, 1933
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Auf der Trabrennbahn
Auf die Trabrennbahn, jetzt eine 700 m-Sandbahn, kehrte der Grazer Rennzirkus dank des Engagements des Grazer Athletiksport Klub (GAK) am Pfingsttermin zurück. GAK-Racer Egon Schmitz stellte mit 42,4 km/h einen Rundenrekord auf, der Jahrzehnte halten sollte. Die Bewerbe fanden unregelmäßig statt, zumeist mit und ohne Motorführung sowie kombiniert mit Motorradrennen. 1910 übernahm der Radfahrer Klub "Schönau" (hervorgegangen aus den Vereinen "Weiße Nelke" und "II. Bezirk") unter dem Obmann und Cafetier Anton Berghaus die Organisation; nach dem Ersten Weltkrieg war es wieder dieser Verein, der 1919 das Renngeschehen neu belebte, nunmehr als Rad- und Motorsportklub „Schönau". Bei den ersten Bahnrennen in Österreich nach dem Krieg pilgerten 6000 Besucher auf die Grazer Trabrennbahn. 

Neben dem Verein "Schönau" veranstaltete hier auch der ARBÖ Wettbewerbe, so etwa am 11.8.1929 zum Eintritt von 50 Groschen oder 1931 einen Städte-Vergleichskampf gegen Wien, den Graz klar verlor.

In dieser Phase des Renaissance des Bahnradsports wurde auch über eine neue Rennbahn diskutiert. Überlegt wurden ein Neubau der alten Anlage oder die Errichtung eines neuen Sportplatzes, eigentlich Stadions, beim Zentralfriedhof, wo auf einer 500 m-Bahn mit 7 Meter überhöhten Kurven Rennen gefahren und daneben auch Fußball gespielt und Leichtathletik betrieben werden sollte. Baumeister Luschitz erstellte für dieses Projekt die Pläne.

Auch von Seiten des Arbeiter-Radfahrerbundes wurde 1927 der Bau einer eigenen 250-m-Bahn ins Auge gefasst, wobei die Arbeiterkammer als Unterstützer wirken sollte. 1934 entwarf Landeskommissär Franz Ircher, Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", einen großzügigen Plan, wobei er wieder den Platz der "Birnenrennbahn" (Sportklubplatz) als Standort im Auge hatte. Es blieb allerdings bei vagen Plänen, wie auch später, als der Mechaniker, Radhändler und Radsportfunktionär
Franz Vychodil derartige Überlegungen hegte. 

Damenrennen
Damenrennen
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Rennen auf dem GAK-Platz, 1948
Rennen auf dem GAK-Platz, 1948
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Rennen in Wildon, 1959
Rennen in Wildon, 1959
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Stadion Liebenau
Stadion Liebenau
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Racer am Thalersee
Racer am Thalersee
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Endstation Stadion
Nicht in Graz, aber am Thalersee nahe der Landeshauptstadt wurde schließlich 1933 eine neue Rennstrecke eröffnet, und zwar eine 400m-Sandbahn; ebenfalls ein nur kurzes Unternehmen, über das sich - abgesehen von der Eröffnung - kaum Berichte finden lassen und das sicher spätestens mit dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben wurde.

Auf der Trabrennbahn wurden hingegen auch nach dem Krieg noch radsportliche Wettbewerbe ausgefahren. So feierte hier Fredy Sitzwohl 1946 den ersten Erfolg seiner Karriere. Als Veranstalter tat sich der Post SV hervor. Das letzte Rennen durfte zumindest dem Namen nach noch einmal an die große Tradition des Grazer Rennplatzes anschließen: Am 1.6.1952 fanden "Pfingstrennen" statt, veranstaltet von der kommunistischen "Freien Österreichischen Jugend FÖJ".

Nach dem Krieg fanden zudem Rennen am GAK-Platz in der Körösistraße und im Post-Stadion (ASKÖ) in Eggenberg statt. Außerhalb von Graz wurde auch noch auf der Trabrennbahn Wildon gefahren, bis in die 1960er Jahre, wie im Liebenauer Stadion, wobei die Bewerbe im Rahmenprogramm von Fußballspielen stattfanden. Der vermutlich letzte Bahnbewerb fand im Sommer 1971 anlässlich der Union Bundeskampfspiele statt.

Pfingstjugendtreffen, 1952
Pfingstjugendtreffen, 1952
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Literatur, Abbildungen
Wolfgang GRONEN; Walter LEMKE, Geschichte des Radsports und des Fahrrades von den Anfängen bis 1938, Eupen 1978, 155
Max KLEINOSCHEG, Geschichte des Grazer Bicycle-Club 1882-1892, Graz (1892)
- Vom Beginn des Radfahrens in der Steiermark. Persönliche Erinnerungen (1933)
 
Karl Albrecht KUBINZKY, Beiträge zur neueren Geschichte des Bezirks Jakomini ab der Mitte des 19. Jhs., in: Jakomini. Geschichte und Alltag (Gerhard Dienes, Hg.), Broschüre zur Bezirksausstellung 1991, 35, 36
Hanns PROPST, 125 Jahre Radsport, 2. Aufl. 1991, 65 (Ircher)
Elek VAJDA, Graz wie es einmal war, 1963  
Alfred WIRTH, Unsere Radfahrriege, in: Festschrift zum fünfzigsten Stiftungsfeste des Akademischen Turnvereines Graz (1914), 196f
Michel Angelo Frh. von ZOIS, Das Training des Rennfahrers für Rennbahn und Landstraße, 2. Aufl. Berlin 1908, Kap. "Das Training hinter Tandems", 221
All Heil, Zeitschrift für Radfahrsport und Rad-Technik, Wien, I/3/30.1.1897, 13 
Der Arbeiter Radfahrer, Organ des Arbeiter-Radfahrerbundes Österr., Wien, 18. Jg., Nr. 7 u. 8, 24
Deutsch-Alpenländisches Sportblatt, Graz, 1/21/11.12.1919, 2/10/4.3.1920
Fest-Buch zum 12. Bundestage des Deutschen Radfahrer-Bundes zu Graz vom 3.-7. August 1895
Ö.-ung. Radfahrer-Zeitung, Wien, XII/11/25.1.1897; XII/12/28.1.1897, 2
Radfahr-Chronik, München, VII/68/26. Mai 1894, 1424f
Die Ostmark, Wien, VII/21.7.1898, Titel ("Styria Mannschaft"); VIII/16/2.7.1899, 250
Grazer Sport-Blatt 3/10.7.1899 (Bl. zur Montags-Zeitung), Herrenfahrer-Radrennen
Sport im Bild, Wien, 23/1897, 381
Tagespost, Graz, 7.8,1910, 5. Bogen zu Nr. 213; 14.8.1910, 3. Bogen zu Nr. 223; Bahnradrennen in Graz
Tourenbuch von Steiermark für Radfahrer, hg. vom Steirischen Radfahrer-Gauverbande, 3. Auflage 1899

WOLFGANG WEHAP




Jubiläumsrennen, 1926
Jubiläumsrennen, 1926
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Plakat Post-Stadion, 1946
Plakat Post-Stadion, 1946
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Bewerbung der Bahn-Rennen auf dem GAK-Platz, 1947
Bewerbung der Bahn-Rennen auf dem GAK-Platz, 1947
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Plakette, Liebenauer Stadion, 1961
Plakette, Liebenauer Stadion, 1961
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