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Land bremst Schulkurse (+ Kommentar, LB)
"Kleine Zeitung" vom 27.01.2012, Graz, Seite 24

Radfahrtraining an Grazer Volksschulen wackelt: Denn nach der Uniqua stellt auch das Land Steiermark die Förderung ein.

Seit knapp 18 Jahren werden Grazer Volksschüler auch auf den Ernst des Verkehrslebens vorbereitet. Dass dieses Radtraining nun gehörig ins Schleudern gerät, hat nichts mit mangelhaften Fahrkünsten zu tun - sondern mit fehlendem Geld.

Denn die „Forschungsgesellschaft Mobilität" (FGM), die jährlich für 1800 Kinder diese Vorbereitung auf die Radfahrprüfung organisiert, kämpft mit Absagen: Bereits im Vorjahr stellte die Uniqua-Versicherung ihre Unterstützung ein. Nun winkt auch das Land Steiermark ab - dem Vernehmen nach sind mindestens 600 Kinder betroffen.

Dass Grazer Schüler in allen vierten Klassen ihre Übungsrunden drehen können, ließ sich die Stadt Graz 38.000 Euro im Jahr kosten. Die beiden Versicherungen AUVA und Uniqua legten noch 3000 und 5000 Euro dazu.

Im Vorjahr sagte dann die Uniqua ab. „Wir versuchen Schwerpunkte zu setzen und dadurch kann es vorkommen, dass erfolgreiche Partnerschaften nicht mehr weitergeführt werden können", heißt es.

Damit nicht genug: Nun bestätigt man auch im Büro von Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann (FP), dass die Förderung über immerhin 18.000 Euro eingestellt wird: „Ja, leider." Man verweist auf das Sparpaket des Landes, „unser Verkehrssicherheitstopf wurde kleiner, wir müssen Prioritäten setzen".

Die Grazer Verkehrsreferentin Lisa Rücker (Grüne) ist empört: „Kurzmann finanziert Gratis-Autobahnvignetten und streicht gleichzeitig für über 600 Kinder das Radfahrtraining. Das ist unverantwortlich, die Kinder gehen unvorbereitet zur Radprüfung."

Seitens der Organisatoren der FGM gibt es keinen Kommentar, man wolle „offizielle Gespräche" abwarten. MICHAEL SARIA



Subjektiv (Kommentar)

Hat uns die öffentliche Hand erst einmal selbige gereicht, wird sie uns nicht mehr so schnell los. Streicht sie dennoch lieb gewonnene Förderungen, ist ihr unser subjektiv berechtigter Ärger gewiss. Denn für die „ganzen anderen Projekte" ist ja sehr wohl Geld übrig!

Nun streicht also das Land Steiermark die 18.000 Euro schwere Subvention für Radfahrkurse an Schulen, 600 Kinder kommen ins Schleudern - buchstäblich, meinen Kritiker. Die Rechtfertigung aus der Burg: einmal mehr das leidige Sparpaket.

Und die Alternative? Aufs Sparen lieber pfeifen? Ja zum Sparen, aber nicht bei uns? Nächstes Mal mit einer Förderung gar nicht erst anfangen? Oder die Eltern einspringen lassen, weil sie doch für ihre ganzen anderen Sachen sehr wohl Geld übrig haben?

Die betroffenen kleinen Radler und deren Eltern sind jedenfalls empört. Völlig zu Recht, subjektiv gesehen.

Sie erreichen den Autor unter

michael.saria@kleinezeitung.at



Leserbriefe 05.02.2012, G7, Seite 18

Kurzsichtig und verantwortungslos

Dass Umwelt- und Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ) Volksschülern das Radfahrtraining streicht, empört die Grazer.

Monika Greilberger, Graz: Herr Kurzmann, Sie sind wirklich Umweltlandesrat? Sie schweigen beim Thema Feinstaub und streichen die Förderung für das Radfahrtraining in den Volksschulen! Eine aktuelle Studie belegt, dass das Radfahren einen wesentlichen Beitrag für lebenswertere Städte leistet (weniger Platzbedarf, keine Staub-, Lärm- und CO2-Belastung). Kinder benötigen dieses Training unbedingt, um überhaupt am Verkehrsgeschehen teilnehmen zu können! Es ist kurzsichtig und verantwortungslos, diesen - in Relation zu anderen Projekten - kleinen Betrag dort zu streichen, wo er der Umwelt und Sicherheit unserer Kinder gleichermaßen nützlich ist.

Stefan Kompacher, Graz: Bei seinem „Nein" zur Umweltzone bleibt Verkehrslandesrat Kurzmann, nun gibt es auch noch eine Schonfrist für alte Taxis und LKW. Kurzmann will die finanzielle Unterstützung der Fahrradausbildung für Schulkinder nicht länger gewähren. Auch die Mitfinanzierung des Straßenbahnausbaus in Graz durch das Land wird es nicht geben. Für den Südgürtel, der 133 Millionen Euro kostet, scheint man hingegen genug Geld zu haben. Auch das Verschenken von Autobahnvignetten scheint für ihn kein Problem zu sein. Glückwunsch! So viel verkehrspolitischer Schwachsinn in vergleichsweise kurzer Zeit ist mir bis dato noch nicht untergekommen.

Ulli Stadler, Graz: Als Mutter einer Volksschülerin bedanke ich mich ganz herzlich bei Herrn Landesrat Gerhard Kurzmann für die Streichung des Jahresbudgets von 18.000 Euro für das Radfahrtraining für unsere Kinder. Auch in Zeiten des Sparbudgets war es gleichzeitig sehr wohl möglich um 20.000 Euro Autobahn-Vignetten zu verschenken. Sollte das etwa der Feinstaub-Bekämpfung dienen? Kinder haben leider bei der nächsten Wahl keine Stimme, aber deren Eltern sehr wohl. In diesem Sinne sollte Herr Landesrat Kurzmann bedenken, dass zu seinen Ressorts nicht nur die Verkehrs-, sondern auch die Umweltagenden zählen.