Grazer Radfahrer Club
 
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Emmi Gröbl: Meisterin aus der Kunstrad-Hochburg Zeltweg

Mit 14, im Jahre 1952, begann Emmi Gröbl in der von Hans Hofmann neu formierten Kunstrad-Sektion des ARBÖ Zeltweg mit dem Training. Schon nach knapp zwei Monaten gab es den ersten Auftritt, 1953 heimste sie bei ihrer ersten Staatsmeisterschaft in Feldkirch gleich zwei Titel im Einer und Sechser-Kunstreigen ein und wurde bei ihrer Rückkehr aus Vorarlberg in der "Kunstradhochburg Zeltweg" gefeiert. Am Bahnhof spielte die Werkskappelle."Wir waren eine tolle Truppe", erinnert sich Gröbl (verheiratete Thomann).    

Nach dem zweiten Solo-Titel 1954 holten sie die Talentescouts des RV ARBÖ Puch, Ernst Oswald und Toni Leiner, nach Graz: Bessere Bedingungen bei Training und Material waren verlockend, obendrein gab es einen Bürojob im Werk Puchstraße, der sich gut mit den Trainingszeiten in der Puch-Baracke vereinbaren ließ. Es war die Hochzeit des Saalsports in der Steiermark.

Gröbl mit Willi Kalcher
Gröbl mit Willi Kalcher
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Beim Training ...
Beim Training ...
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... mit Steffi Gosch, 1952
... mit Steffi Gosch, 1952
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Zeltweger Mädchenriege
Zeltweger Mädchenriege
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Im Galadress
Im Galadress
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Aufführung am Opernring
Aufführung am Opernring
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Nach sechs Titeln war Schluss
Für Puch fuhr Emmi nur noch solo: "Das ist eher meine Sache - da bist für alles selbst verantwortlich und niemand kann sich ausreden." Nach vier weiteren Meistertiteln für Puch, ein bisschen Ruhm und drei Fahrrädern als Siegespreise war Schluss: "Mehr hats nicht gegeben, die Möglichkeiten waren ausgeschöpft, und ich war auch nicht der große Ehrgeizling." Auch ihr Vater, der in seiner Jugend selbst mit einem Zirkus getingelt war, hatte auf sie eingewirkt und ihr von einer Profi-Laufbahn etwa im Schaugeschäft abgeraten: "Wenn du einmal heiratest, kannst deinem Mann nicht was vorradeln. Du musst was lernen." 

Emmi kehrte nach Zeltweg zurück und arbeitete im elterlichen Betrieb, dem Bahnhofskiosk. Bald lernte sie Helmut Thomann kennen, einen Grazer, der im Fliegerhorst Zeltweg eingerückt war, und ging mit ihm wieder nach Graz, wo sie als Filialleiterin im Unterwäschegeschäft "Gazelle" arbeitete. "Mit einem der Räder, die ich gewonnen hatte, fuhr ich zur Arbeit. die anderen beiden hat mein Bruder Ingo zusammengeritten", erinnert sich Emmi.

In Graz lebt sie noch heute, in einer Hochhaus-Wohnung in Wetzelsdorf, nach dem Tod ihres Gatten und dem Auszug ihrer Tochter Gudrun (Jg. 1977) allein. Sportlich ist sie bis ins Alter geblieben: Die meisten Wege erledigt die Ganzjahresradlerin mit dem Fahrrad, regelmäßig fährt sie Ski, betreibt  Langlauf und Nordic Walking. Obwohl ihre Karriere als Kunstradfahrerin schon so lange her ist, hat sie noch immer Kontakt mit den Nopp-Zwillingen oder mit Linde Steinkogler, die damals für den Konkurrenz-Verein RV Junior gefahren ist.  

Von den Versuchen, den Saalsport in der Steiermark wiederzubeleben, hat sie von ihrem Nachbarn Petz Macsek, der Hallensportreferent des Landesradsportverbandes ist, mitbekommen und ist wiederholt Gast im
Rad- und Bikezentrum Deutschlandsberg. Dennoch glaubt sie nicht an eine Renaissance des Kunstfahrens. Das Freizeitangebot für die Jugend sei heute zu vielfältig, das Interesse an dieser Nischensportart zu gering: "Diese Zeit ist vorbei."   

Emmi Thomann-Gröbl, 2012
Emmi Thomann-Gröbl, 2012
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