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Koppentalradweg: Selektiv von BA nach OÖ


Einstieg
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Ostufer Hallstättersee
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Hängebrücke
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Bahntunnel
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Umlaufsperre mit Fahrverbot
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Alternative mit Bahnunterführung
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Landesgrenze
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Giftige Rampen
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Ich bin Anfang September 2012 von Bad Aussee über Obertraun, Bad Goisern, Bad Ischl und Strobl nach St. Gilgen und zurück gefahren. Die ganze Route wird als "Salzkammergut-Radweg" ausgeschildert, mit den Routennummern R19 in der Steiermark, R2 in Oberösterreich und ohne Nummer auf den Wegweisern im Land Salzburg.

Auf 20 %-Rampen Richtung Obertraun
Hier geht es um den Abschnitt zwischen Bad Aussee und Obertraun. Bis 2011 gab es hier keine Alternative zur Straße, die über den Koppenpass führt. Diese Straße verlässt Bad Aussee mit einem steilen (ausgeschilderte 16 %), aber kurzem Anstieg. Die Passhöhe liegt aber mit 690 m nur um 40 Höhenmeter höher als der Ort Bad Aussee (659 m), somit ist diese Seite nicht insgesamt anstrengend. Von der Passhöhe geht es aber auf 20 %-Rampen nach Obertraun (511 m) hinunter. Beim zeitweise starken Kfz-Verkehr ist das natürlich für viele RadlerInnen ein ungemütlicher Abschnitt. Vermutlich daher wurde ein Alternativweg abseits der Straße gebaut. Dieser wird "Koppentalradweg" genannt und wurde im Mai 2011 eröffnet.

Zum Weg, von Obertraun kommend: Der Einstieg befindet sich an der L547 neben dem Bahnübergang und der Koppentraun. Nach einem kleinen Stück Asphalt mit Bodenmarkierung führt ein ausreichend breiter (geschätzte 4 m) Weg mit feinem und festen Schotterbelag geradeaus zwischen Bahntrasse und Fluss. Zum Fluss hin wird der Weg teilweise mit einem Geländer abgesichert: Dieses hat ein kontinuierliches Oberrohr, was ich gut finde; man sollte sich beim Geländer immer fragen, was passieren kann, wenn ein Radler, etwa mit Oberarm oder Schulter, dagegen stürzt. Kurz vorher hatte ich beim am Fels angehängten Abschnitt vom Hallstättersee-Ostuferradweg eine weniger optimale Variante - mit Lücken zwischen den Elementen - besichtigt.

Bald kommt dann die Hängebrücke über den Fluss, an der Stelle, wo auch die Bahn auf das andere Ufer wechselt. Die Brücke ist von der Konstruktion her jener am Hallstättersee-Ostufer recht ähnlich (aber breiter), und hat den gleichen Fahrweg aus Stahlplatten mit Gummibelag. Danach geht es wieder ein kurzes Stück weiter bis zum alten Bahntunnel, deren Geschichte auf Schautafeln erzählt wird. Kurz danach gabelt sich der Weg. Links, dem Ufer folgend, geht der Wanderweg weiter. Mit Umlaufsperre und Fahrverbotsschild wird hier deutlich gemacht, dass Radfahren hier nicht erlaubt ist. Der andere Weg geht in eine asphaltierte Rampe über, auf der wir zu einer Bahnunterführung gelangen: Schilder auf beiden Seiten machen die Bundesländergrenze (mit Routenummerwechsel) kund.

Schiebepartie
Danach kommen zwei asphaltierte Kehren mit einer Steigung von 20 %, auf dem Anstieg geradeaus geht der Asphalt in Schotter über; dieser ist gröber und loser als auf der oö. Seite. Für mich war dieser Abschnitt bergauf wie bergab nur als Schiebestrecke zu bewältigen. Nach geschätzten weiteren 200 m flacht der Anstieg ab, so dass ich wieder fahren konnte. Der Weg geht dann als nicht sichtbar adaptierte Forststrasse (v.a. grober Schotter, stellenweise viel loses Material) weiter, mit einem ebenen Abschnitt und einem weiteren Anstieg, bis zum Anschluss an der L547. An dieser Stelle ist man noch ca. 3 km außenhalb von Bad Aussee und die Höhe ist nur unwesentlich unterhalb der Passhöhe. (Von Bad Aussee kommend muss man nach dem kleinformatigen Wegweiser am linken Straßenrand gut Ausschau halten.) Von hier geht es also leicht auf und ab bis zur kurzen steilen Abfahrt (16%) in den Ort.

Resumee
Die Bezeichnung "Radweg" ist hier mit großer Vorsicht zu geniessen. Der kurze oberösterreichische Abschnitt ist wunderschön und ist auch ohne Abstriche in Radwegqualität ausgebaut. Der steirische Teil hat aber eine anstrengende Schiebestrecke - ich konnte diese weder bergauf noch bergab befahren. Der Schotterbelag auf steirischer Seite ist viel gröber und lockerer, als man normalerweise auf Radwegen einsetzt. Diese Kombination aus hoher Steigung und Schotter ist es wohl, was hinter der Formulierung "anspruchsvolles und selektives Teilstück des Salzkammergut-Radweges" steckt, wie es in Externe Verknüpfung 
Regionalmedien hieß. Abschnittsweise ist dieser "Radweg" nur für gut ausgerüstete und erfahrene Mountainbiker befahrbar.

Reise- und Tourenradler (von denen ich einigen begegnet bin, die sich ebenso schwer getan haben) müssen sich auf eine harte Schiebestrecke gefasst machen, die noch dazu relativ zur Paßstraße so gut wie keine Höhenmeter spart. Zumal die Region Rad-Touristen mit einer großen Bandbreite an Ausrüstung und Kondition anzieht, sollte unbedingt darauf aufmerksam gemacht werden. Der sportliche Charakter dieses Abschnitts weicht auch dramatisch von den anderen Teilen des "Salzkammergutradwegs" ab, die ich zwischen Obertraun und St. Gilgen kennengelernt habe.

Interessant ist, dass der Wanderweg ab der Gabelung unterhalb der Bahnunterführung, so weit ich sehen konnte, in gleicher Beschaffenheit und ohne nennenswerte Steigung weiter Richtung Bad Aussee führt. Auch das andere Ende des Wanderwegs, das ich beim Bahnübergang an der Ortsgrenze von Bad Aussee einsehen konnte, hat eine großzügige Breite und einen radfahrtauglichen Belag. Ich hatte leider nicht die Zeit, das ganze Stück in Augenschein zu nehmen und weiß daher nicht, was für Hindernisse in seinem Verlauf befinden. Man fragt sich aber schon, warum der Radweg nicht unten  geführt wurde.

BEN HEMMENS, Sept. 2012