Grazer Radfahrer Club
 
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Tribute to Wien - Graz - Triest 1892

Wien-Graz-Triest war das erste Distanzrennen in Österreich und führte von 24. bis 26.09.1892 über 500 km von der Donau an die Adria. 120 Jahre danach gab es am 09./10.11. ein "Revival" durch Wiener Randonneure. 


Strecke Mürzzuschlag-Graz
Strecke Mürzzuschlag-Graz
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Badlgalerie vor Peggau
Badlgalerie vor Peggau
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43 Meilen nach Triest ...
43 Meilen nach Triest ...
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Weinzödlbrücke
Weinzödlbrücke
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Stärkung bei Mangolds
Stärkung bei Mangolds
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Kontrollstation V, Hotel Engel (heute Weitzer)
Kontrollstation V, Hotel Engel (heute Weitzer)
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Bei Ljubljana
Bei Ljubljana
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Hinter dem Projekt steht der Wiener Planer und Landschaftsökologe Externe Verknüpfung Michl Mellauner, der  bereits im Juni 2012 mit einer Gruppe Externe Verknüpfung Randonneurs die Route der legendären Externe Verknüpfung Fernfahrt Wien-Berlin von 1893 nachgefahren ist. Jetzt wurde wieder die Route möglichst nahe am Original ausgemittelt, wobei die Profilkarten der Grazer Carl Jäger und Robert Seeger jun. (1898) überaus hilfreich waren. Auch die 12 Kontrollpunkte auf der Strecke wurden angefahren und per Stempel bestätigt. Nur die Räder waren nicht ganz zeitgenössisch. "So streng sehen wir das nicht, wenngleich mir der kulturgeschichtliche Hintergrund schon wichtig ist", so der Initiator.

Ein Oktober-Termin musste wegen arg schlechten Wetters verschoben werden. Am Freitag, 09.11., war es dann soweit: Um 3.00 Uhr startete Michl Mellauer gemeinsam mit Externe Verknüpfung Wolfgang "Höfi" Höfler und Gerold Lehmann (2012 bis dato 26.000 km) vor dem Hotel "Triest" in der Wiedner Hauptstraße zur Triest-Fahrt. 

Jenseits des Semmerings, nach Passieren des Mürztals, stieß in Kapfenberg "Argonaut" und Langstreckenradler Horst Koschuta dazu und begleitete das Trio bis Spielfeld. Durch Graz gab es größeres Geleit entlang der Originalroute Wiener Straße - Lendplatz - Triesterstraße. Der Halt in Graz fand beim Restaurant Mangolds in der Griesgasse statt, wenige Meter nördlich des historischen Kontrollpunktes V beim Hotel Engel (heute Hotel Weitzer). Bei strahlendem Sonnenschein genossen die drei Randonneure, denen man die bereits 200 km in den Wadeln kaum anmerkte, im Freien Kräftigendes aus vegetarischer Küche.   

Am Freitag schafften es die drei bis knapp vor Celje. Obwohl man die Strecke genau studiert hatte, war man überrascht über die vielen Höhenmeter in Slowenien, berichtete Michl. Doch Wetter und Straßenbedingungen waren optimal:"Der einzige Grund, warum man sich über die Autobahn freuen kann."  Weil das Unternehmen ja nicht auf sportliche Höchstleistung aus war gönnte man sich einige Stunden Schlaf und ein gutes Frühstück, ehe es kurz vor 6.00 Uhr weiter Richtung Karst ging. Der zweite Tag präsentierte sich blaugrau, doch bis auf wenige Tropfen in Ljubljana blieb das Trio von Regen verschont.

Das Ziel Triest wurde schließlich um 16.40 Uhr, nach 520 km, knapp 38 h Reise- und 22,5 h Fahrtzeit erreicht. "Uns ist es total gut gegangen, wir haben es ohne Panne und ohne heikle Situation geschafft", schwärmt Michl. Und die Drei hatten noch nicht genug: Nach dem Frühstück setzte man sich wieder aufs Rad und stieg erst vor Cividale in den Zug, weil es schüttete. Nach einem Sprint von der Grenze Tarvisio/ Bosco Verde nach Villach, um einen passenden Zug zu erreichen, ging es dann per Bahn zurück nach Wien.  

Über das Rennen von 1892 wurde medial umfassend berichtet, etwa in der Allgemeinen Sport-Zeitung (Wien), hier von der Externe Verknüpfung ANNO-Zeitungsdatenbank der ÖNB als pdf zur Verfügung gestellt:Externe Verknüpfung 1Externe Verknüpfung 2, Externe Verknüpfung 3.   

Externe Verknüpfung Fototagebuch Wolfgang "Höfi" Höfler

Am Ziel
Am Ziel
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"Rennpass" 2012 ...
"Rennpass" 2012 ...
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... mit Kontrollstempeln
... mit Kontrollstempeln
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Organisator Kleinoscheg
Organisator Kleinoscheg
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Führungspreis ...
Führungspreis ...
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... für Josef Sobotka
... für Josef Sobotka
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Historisches Rennen
Arrangeur des Rennens von 1892 war Max Kleinoscheg, Motor der frühen Radszene in Gra. Das Hauptquartier wurde im Café Thonethof in der Grazer Herrengasse aufgeschlagen. Mit ein Motiv für diese erste Fernfahrt war, die hierbei erzielten Leistungen mit dem eine Woche später veranstalteten Externe Verknüpfung 
Distanzritt Wien-Berlin zu vergleichen - ein Vorhaben, das dem Grunde nach gelang, allerdings ein Jahr später noch eindrucksvoller und bahnbrechend für die militärische Verwendung des Fahrrades bei Wien-Berlin.

Der Start des Rennens nach Triest erfolgte am 24.9.1892 um 10.00 Uhr in Inzersdorf/ Neustift. Beim Start gab es Aufregung, weil einer der aus Österreich und Deutschland kommenden 16 Racemen, Otto Wokurka vom Wiener Touren-Bicycleclub, erst eine halbe Minute vor dem Start erschien - der Starter hatte die Flagge bereits oben. Gegen diesen Regelverstoß gab es später eine - erfolglose - Reklamation. Auch Schrittmacher - darunter der Fahrradfabrikant Johann Puch, der sich dabei angeblich eine folgenschwere Lugenentzündug zuzog - waren im Einsatz.

Bereits in Theresienfeld gab es den ersten Zwischenfall: Freiherr von Esebeck von Grazer Akademisch-technischen Radfahr-Verein wurde von einem Gemeindediener attackiert und zu Fall gebracht. Wegen der Folgen dieses Sturzes musste er später in Laibach aufgeben. Auch ein zweiter Grazer, Gustav Bloos von den "Tourenfahrern", musste nach einem Sturz in Gloggnitz aufgeben.

Am Abend um 7 Uhr 37 kam das Führungtrio Josef Sobotka (Wiener Radfahrer-Club "Wanderlust"), Josef Fischer (Münchner "Germania") und Wokurka in Graz an. Fischer stürzte am Lendplatz kurz vor der Kontrollstation V und musste die Maschine wechseln. Die Sportler stärkten sich im Hotel "Engel", manche gönnten sich eine Massage und eine viertel Stunde Schlaf. 



Josef Sobotka
Josef Sobotka
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Otto Wokurka
Otto Wokurka
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Josef Fischer
Josef Fischer
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Zieleinlauf in Triest
Die drei, die in Graz in Führung gelegen waren, machten sich das Rennen in weiterer Folge unter sich aus. Fischer, großer Sieger bei Wien-Berlin im Folgejahr, hatte allerdings Pech: In Front liegend brach ihm 24 km vor dem Ziel ein Rad, der örtliche Posten verweigerte ihm seine Maschine und das Gerät, das ihm schließlich ein Triestiner Velozipedist lieh, hatte nur Cushion Tyres, also noch keine Pneumatics.

So zog Sobotka an ihm vorbei, gewann in 28 Stunden und 45 Sekunden knapp vor Wokurka und holte sich außerdem den Führungpreis, weil der die längste Strecke vorne gelegen war. Dritter wurde Fischer. Auf den Plätzen folgten die Wiener Friedrich Trinkaus und Josef Lugert, der Münchner Gustav Bachmann sowie Julius Blumauer vom Pischelsdorfer Radfahr-Verein.

Das Rennen erlebte 1895 in umgekehrte Richtung noch eine Austragung (Sieger Josef Fischer war fast vier Stunden schneller als der Sieger von 1892, Sobotka), dann sind keine weiteren Bewerbe auf der Strecke zwischen der Hauptstadt der Donaumonarchie und seinem wichtigsten Adria-Hafen mehr bekannt.

WW



Inserat, 1895
Inserat, 1895
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