Glacis-Zinzendf
 
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Schöner Wohnen in der Fahrrad-WG

Sicheres Abstellen, Nähe aus Platznot oder chices Deco-Objekt - das Fahrrad zieht verstärkt in häusliche Umgebung ein und macht sich zunehmend als optischer Aufputz breit. 


... ab in die Küche
... ab in die Küche
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Drinnen ist "in" - rennmäßig beim Altbaukriterium
Drinnen ist "in" - rennmäßig beim Altbaukriterium
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Diebstahlsicher: Parkplatz Balkon
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Vorschlag zur Prävention
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Manchen gehts zu weit ...
Manchen gehts zu weit ...
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Wie die Legende besagt, wurde das Externe Verknüpfung Grazer Altbaukriterium 2010 aus der Not heraus geboren. Weil mieses Wetter die Ausfahrt mit dem gerade erstandenen Rennrad mit Klebereifen verhinderte, der stolze Neubesitzer aber nicht warten wollte und daher indoor zu testen begann. Daraus wurde ein Jux-Rennen, das mittlerweile überregional AnhängerInnen gefunden hat und schon fast Kult-Status genießt.

Doch nicht jede Wohnung eignet sich für einen Rundkurs und spannende Parforce-Ritte: Auch velophile ZeitgenossInnen fürchten sich vor Bremsspuren am Parkett und Schrammen am Türstock, abgesehen von den Nachbarn, die was dagegen haben könnten.

Aber es muss ja nicht unbedingt rennmäßig oder überhaupt gefahren werden; immer mehr Wohnungen dienen auch dem ruhenden Radverkehr, sprich sie werden zur Garagierung benutzt. Ein Trend, der wohl in den USA seinen Ausgang gefunden hat, vermutlich aus der Messenger-Szene, wo das wertvolle Arbeitsgerät nicht nur bis an den Schreibtisch des Adressaten im 50. Stock mitgenommen, sondern ihm auch im trauten Heim ein sicheres Platzerl im Wohnzimmer eingeräumt wird - einfach an die Wand gelehnt oder mit Seillift platzsparend hochgehievt.

Der italienische Nachkriegs-Racer Pierre Brambilla soll diese Partnerschaft so gelebt haben, dass er, wenn er mit der eigenen Leistung nicht zufrieden war, sein Rennrad ins Bett und sich selbst daneben auf den Teppich legte.

Wie gesagt, oft ist Raumnot Triebfeder: Unlängst las man etwa im "Red Bulletin", dass der "Flying Scotsmann" Externe Verknüpfung Graham Obree seine Küche als Werkstatt für sein selbst gebasteltes Hochgeschwindigkeitsrad benützt, sicher, um das entstehende Werk immer in Griffweite zu haben, aber wohl auch, weil selbst bei Weltrekordlern mitunter Schmalhans Küchenmeister ist. Apropos schmales Budget: Auch das inzwischen international florierende Selbsthilfe-Modell der "Externe Verknüpfung Bikekitchen - Externe Verknüpfung Fahrradküche" ist gelebter Ausdruck derartiger improvisierter Koexistenzen von Speisenzu- und Fahrradaufbereitung.
 
       


Kunstobjekt oder ...
Kunstobjekt oder ...
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... Möbelstück?
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Salón con bicicleta
Salón con bicicleta
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"Rad-Deco" als Trend
Ausgangsüberlegung, der geschätzen Bewegungsprothese Zugang zu den eigenen vier Wänden zu gewähren, war und ist häufig die der sicheren Aufbewahrung - in Verbindung mit dem Mangel an geeigneten geschützten und gut zugänglichen Abstellmöglichkeiten. Über die Vorstufen Vorhaus und Balkon bekamen besonders ans Herz gewachsene Teile auch Aufenthaltsgnehmigungen in Küche, Wohnzimmer und vielleicht sogar Schlafzimmer. Tja, da kommt die Emotion ins Spiel und aus der reinen Zweckgemeinschaft wird mehr. Paul Fournel beschreibt es in "Die Liebe zum Fahrrad" so: "Ich wünschte, mein Fahrrad stünde in meinem Zimmer wie eine Skulptur, wie ein Mobile von Calder. Das Rad müsste nicht einmal an der Decke hängen, es bräuchte lediglich an der weißen Wand lehnen, dort, wo die Sonne den Raum durchflutet. Es ist rot, es ist schlank, es funkelt." 

Im Vergleich zu zu BesitzerInnen motorisierter Fahrmaschinen ist der Platzbedarf nicht nur für ein Faltrad relativ bescheiden. Ein echter Vorteil, denn: Hätten Carlovers und Bikerboyz nicht das Größenproblem, unter Garantie würden viele ihr geliebtes Vehikel in Streichelweite in Schlaf- oder Wohnzimmer parken.  

Doch zurück zum nicht motorisierten Zweirad. Wie jede subkulturelle Innovation, treibt auch die des Indoor Parking mitunter seltsame Blüten: Parallel zum trendigen Cyclestyle, der von Cruiser über Retro bis Fixie inzwischen viele Facetten des Mehrwerts abseits des Nur-fahrbahren-Untersatzes generiert hat (Der Standard: "Die Mode hat das Fahrrad als cooles Accessoire vereinnahmt"), haben sich Innenarchitekten und Einrichtungshäuser des Phänomens angenommen, werden heute an die Wand montierte, gelehnte oder gehängte Bikes mittlerweile primär oder nur noch als Designobjekte gehandelt. Eher unwichtig scheint, ob das Ding überhaupt fährt, Hauptsache es macht sich optisch gut. Der Aufenthalt im Inneren ist nicht Mittel zum Zweck (Diebstahlschutz, Raumknappheit), sondern der Zweck an sich, überspitzt formuliert: das muskelgetriebene mechanische Fortbewegungsmittel par excellence, das ja gschaffen ist, um sich (gemeinsam mit FahrerIn im Sattel) im Freien herumzutreiben, degeneriert zur Behübschung der eigenen Sesshaftigkeit.

(ARGUS/ WW)