Glacis-Zinzendf
 
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Eustacchios Pläne zum (Rad-)Verkehr

In ersten Interviews relativierte der designierte neue Verkehrsstadtrat Mario Eustacchio einige seiner Wahlkampfbotschaften wie etwa die Forderung nach der flächendeckenden "Grüne Welle" oder die Absicht, den Vorrang für die Öffis zurückzunehmen. Radwege will er weiterbauen, wenn auch keine teuren. Zurückhaltung legte er in Sachen neuer StVO-Möglichkeiten wie Fahrradstraße und Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht an den Tag.

Zusammenfassung von Aussagen aus "Kleine Zeitung" und "Steirerkrone" vom 18.01.

Achse mit Parteikollegen Verkehrslandesrat Kurzmann / "Grüne Welle": "Das wird für die Grazer Bevölkerung tatsächlich ein Vorteil sein. Ja, die will ich auch. Die grüne Welle ist ein Synonym für eine Verflüssigung des Verkehrs. Dass sie nicht flächendeckend funktioniert, ist klar. Es geht um die Optimierung auf Einfahrtsstraßen, angepasst an den Morgen- und Abendverkehr. Ich werde mich hier mit unseren Experten beraten. Ich will auch unnötige Ampeln in der Nacht abschalten lassen."

Weniger Vorrang für Öffis: "Das heißt nicht, dass ich den Vorrang für die Öffis generell über den Haufen werfe. Aber ich hab' es bereits erwähnt, für mich sind die Öffis andererseits auch keine heiligen Kühe. Es gibt neuralgische Punkte wie die Rechbauerstraße oder das Glacis, wo man prüfen muss, ob man den Individualverkehr beschleunigen kann. Ich bilde mir nicht ein, gescheiter als die Experten zu sein. Aber ich werde einiges einfach hinterfragen.

Höhere Parkgebühren, um den Öffi-Ausbau zu finanzieren? "Ja, aber nur wenn die Mittel zweckgebunden sind. Die Parkgebühren wurden schon lange nicht mehr angepasst. Die Erhöhung muss aber moderat sein. Mit den zusätzlichen Geldern können Park + Ride-Anlagen errichtet werden, etwa in Puntigam, wo es eine gute Anbindung an die Öffis gibt. Die Mehreinnahmen müssen jenen zugute kommen, die sie bezahlen. Als Stadt muss man auch darüber nachdenken, neue Tiefgaragenplätze zu schaffen, zum Beispiel auf dem Andreas-Hofer-Platz."

(Dazu im Widerspruch die Forderung aus dem Wahlkampf) Gratis-Parken in Blauen Zonen am Samstag: "Das gilt nach wie vor. Wir sind gefordert angesichts von Großkaufhäusern, wo die Kunden gratis parken können. Wobei man sich mit Innenstadtkaufleuten abstimmen müsste, auch wegen der Kosten."

Gratis-Öffis am Samstag, 1-Euro-Kurzstreckenticket: "Ich kann mir das gut vorstellen. Das 1-Euro-Ticket haben wir sogar noch im Gemeinderat gemeinsam beschlossen. Nun wird es geprüft, der Verkehrsverbund muss ja mitspielen, auch das muss finanziert werden."


Mehr Grün auf Abruf: Rücker (mit Ampelmann Winfried Höpfl)
Mehr Grün auf Abruf: Rücker (mit Ampelmann Winfried Höpfl)
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Korrektur von Maßnahmen der Vorgängerin Lisa Rücker: "Wo von Rücker bauliche Änderungen gemacht wurden, ist eine Rückabwicklung schwierig. Für die dadurch entstehenden hohen Kosten hätte wohl niemand Verständnis. Unsinnige Dinge wie die Fußgängerampel bei der Kastner-Tiefgarage werde ich aber sicher rückgängig machen. Auch dort, wo von Rücker absichtlich Stau verursacht wurde, wie zum Beispiel in der Pestalozzistraße bzw. Schönaugasse, werde ich Veränderung suchen."

Shared Space Sonnenfelsplatz: Abgesehen von den zu hohen Kosten gefällt mir der Platz nun optisch überhaupt nicht. Grundsätzlich hab' ich nichts gegen das Shared-Space-Modell. Nachfolgeprojekte wird es unter mir nicht geben.

Umweltzone / Citymaut. "Lehne ich definitiv ab. Die Kosten-Nutzen-Rechnung würde einfach nicht stimmen."

Weiterer Ausbau der Radwege? "Selbstverständlich, aber die Wirtschaftlichkeit muss schon gegeben sein. Mini-Radwege um Hunderttausende Euro wird es mit mir sicher nicht geben!"


Fahrradstraßen und Radwegebenutzungspflicht
Zurückhaltend waren die Aussagen in der "Kleinen Zeitung" (01.01.2013) zu den neuen Möglichkeiten, die durch die StVO-Novelle ab April Gemeinden eröffnet wird.

Die Einrichtung von Fahrradstraßen, etwa die Zinzendorfgasse, die von seiner Vorgängerin Lisa Rücker (Grüne) wie elf weitere Straßen schon unter die Lupe genommen wurden, will Eustacchio genau prüfen. „Wir werden uns die einzelnen Punkte der StVO-Novelle sehr genau anschauen und dann erst entscheiden, ob so etwas sinnvoll ist." Er bittet sich Zeit zur Beurteilung aus, ebenso im Fall der Ausweisung von Begegnungszonen, in denen Fußgänger und Autos gleichberechtigt sind und Autos mit max. 20 km/h fahren dürfen.

Klarer - und leider negativ - die Aussage zur möglichen Aufhebung der Radwegepflicht: Dies hält er für sehr bedenklich: "Ich bin selbst Radfahrer und weiß, wie das ist."  Vom Grünen Verkehrssprecher Karl Dreisiebner gab es postwendend Kritik: Dass der neue Verkehrsstadtrat die Materie jetzt noch einmal prüfen will, sieht er als Verzögerungstaktik und eine Kampfansage an jene GrazerInnen, die das Rad benützen wollen oder müssen und die - so ganz nebenbei - die Feinstaubsituation in Graz durch ihr Mobilitätsverhalten verbessern. 
Achse mit Parteikollegen Kurzmann: Mario Eustacchio
Achse mit Parteikollegen Kurzmann: Mario Eustacchio
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