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Samt Blaulicht auf Schnäppchenjagd
"Kleine Zeitung" vom 15.03.2013, Graz, Seite 40

Das Grazer Fundbüro veranstaltete gestern wieder eine Versteigerung gebrauchter Fahrräder - und sorgte mit 200 Gästen bei der Feuerwehr auf dem Lendplatz für ein tolles Schauspiel.

Aus dem Gewurl sticht der karierte Schlapphut hervor. Er bewegt sich elegant durch die Reihen, immer ein wenig im Hintergrund - um dann plötzlich nach vor zu schießen. Unter diesem Hut ist Josef Burkart und Josef Burkart wiederum ist auf der Hut: Auch er will an diesem Donnerstag ein Fahrrad ergattern, und da gehört eine ordentliche Vorbereitung dazu. Also habe er sich so manch passendes Rad bei der Besichtigung schon notiert. „Aber die versteigern auch drei Räder auf einmal. Was soll ich damit, ich hab ja nur einen Hintern", lacht der 72-Jährige.

Neben Burkart interessieren sich viele Grazer brennend für die Feuerwehr auf dem Lendplatz . . . Gut, im Ernst: Sie interessieren sich für die Fahrräder, die in der Wagenhalle der Florianijünger in Reih und Glied stehen. Es sind vorwiegend Drahtesel, die von der Polizei aufgeschnappt wurden. „Und wenn sie ein Jahr lang niemand vermisst hat, dann werden sie einmal im Jahr versteigert", erklärt Peter Krusic, Leiter der städtischen Servicestellen.

An diesem Tag ist es wieder so weit: Die Mitarbeiter des städtischen Fundbüros haben in die Wagenhalle der Feuerwehr geladen. Diese ist geräumig - und gerade groß genug für den Andrang: Denn kurz nach 13 Uhr wird sie gestürmt. Scharenweise strömen Gäste herein, schnappen sich einen Zettel, auf dem alle 45 Fahrräder angeführt sind (etwas angeschlagene Exemplare werden im Dreierpack angeboten) und nehmen diese vor Beginn der Versteigerung unter die Lupe. Und dann wird notiert und probehalber an der Bremse gezogen und ein letzter Rat zum Rad am Handy eingeholt: „Was meinst, soll ich's probieren?"

Um Punkt 14.10 Uhr probiert es Rudolf Maritschnegg vom Dorotheum Graz: Seit rund 30 Jahren arbeitet er als Auktionator und seit Jahren auch mit der Stadt Graz zusammen. „Da haben wir schon Räder um 300 Euro an den Mann gebracht. Und den einen oder anderen Wickel zwischen zwei Bietern geschlichtet."

Tolle Choreografie

Eine Stunde lang ist dann folgende Choreografie zu erleben: Rundherum stehen Feuerwehrautos, ab und zu blinkt ein Licht, links außen Maritschnegg, rechts ein Mitarbeiter, der die Räder in die Höhe hebt - und die knapp 200 Besucher in der Mitte drehen ihre Köpfe parallel hin und her. Wie Zuseher eines Tennisspieles.

Und dann geht's los: Wer mitsteigern will, streckt seine nummerierte Karte in die Höhe - und Maritschnegg ist Auktionator wie Moderator: „25, 30, 40 . . . Ruhe bitte . . . 45, 50 . . . Sie müssen die Karte umdrehen . . . 55, 60. 60 Euro zum Ersten . . .", kommt es ratternd aus seinem Mund, während er die Arme ausstreckt.

Zwischen 2500 und 3000 Euro werden an solchen Tagen eingenommen. „Sie decken gerade einmal unsere Unkosten ab", so Servicestellenleiter Krusic.

In diesem Moment bewegt sich ein karierter Hut zum Ausgangstor. „Ich hab gleich das erste Rad ersteigert", lacht Josef Burkart.

MICHAEL SARIA