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Radcheck Leibnitz: Mut zur Durchgängigkeit gefragt

Die südsteirische Bezirkshauptstadt Leibnitz bietet beste Voraussetzungen für den Radverkehr. Den gibt es auch. In der Infrastruktur fehlt es mitunter an Durchgängigkeit und Konsequenz, wie eine Befahrung unter Teilnahme von ARGUS zeigte.


Gruppe
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Hauptplatz: Viel Blech, wenig Platz für RadlerInnen
Hauptplatz: Viel Blech, wenig Platz für RadlerInnen
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Schulzentrum
Schulzentrum
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Leibnitz hat den Ruf, immer schon ein bisschen mehr für den Radverkehr übrig zu haben als andere Städte vergleichbarer Größe. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass Leibnitz vom früheren Radaktivisten und Raumplaner Günther Tischler vor 20 Jahren beplant wurde - wenn auch wenig umgesetzt worden sein dürfte.

Wie die Bedingungen für das Radfahren anno 2013 sind, sollte eine Befahrung am 22.05., organisiert von der Baubezirksleitung Südweststeiermark gemeinsam mit der Stadt Leibnitz, ausloten. An der Spitze der Stadt-Delegation radelte Bürgermeister Helmut Leitenberger, für die A16 - Landesabteilung für Gesamtverkehrsplanung waren Wolfgang Sandner und Bernhard Krause dabei, für die Landentwicklung Astrid Holler und für die ARGUS Steiermark Heidi Schmitt und Wolfgang Wehap. Der Start erfolgte im autogefluteten Hof des Rathauses. Wie überhaupt für die Ankommenden der zweite Eindruck - nach dem positiven des Bahnhofs - der stark blechdominierte Hauptplatz ist. "Wunsch der Wirtschaft", lautet die Begründung, auch dafür, dass man vor geraumer Zeit die erste Stunde in der Kurzparkzone gebührenfrei gestellt hat und damit viel Geld liegen und Umstiegsanreiz ungenutzt lässt.

Manfred Strohriegl, in der Stadt für Straßenbau zuständig, erklärte als wesentliche Ansätze die kleinräumige Durchwegung und die radlerfreundliche Ausgestaltung der Wohngebiete durch Tempo 30. Tatsächlich gilt am Zubringer zum Schulzentrum Wagnastraße ein temporäres Kfz-Fahrverbot, im Stadtkern gibt es viele kleine Gassen und praktisch nur Einbahnen, die für RadlerInnen geöffnet sind,  felgenschonende Absenkungen an den Übergängen sind fast überall gut ausgeführt.


Wasserwerkstraße: Kreuzung mit Überfahrt
Wasserwerkstraße: Kreuzung mit Überfahrt
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... und ohne Überfahrt
... und ohne Überfahrt
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Hindernisparcours Sailergasse
Hindernisparcours Sailergasse
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GRW-Unterbrechung Firmenzufahrt Umdasch
GRW-Unterbrechung Firmenzufahrt Umdasch
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Unterbrochene Radwege, unsichere Kreisverkehre
Doch schon in der Schmiedgasse fällt bei der Einmündung der Ausfahrt vom Raiffeisenplatz auf: Bei Einmüdnungen von Seitenstraßen der Radweg aufgehoben, was den Fahrkomfort und die rechtliche Position gegenüber einem durchgängig verordneten Radweg entlang von Vorrangstraßen, wie er ja längst "State of the Art" ist, beträchtlich verschlechtert. Besonders auffällig ist dieses Wechselspiel aus "Radweg Ende"/ "Radweg Anfang" in der Wasserwerkstraße zum Shoppingcenter im Nordosten, wo auch der R1 Sulmtalradweg verläuft, und in der Sailergasse. Zu verdanken sei dies einem früheren Gutachter. Dass hier Reparaturbedarf gegeben ist, darüber waren sich alle Teilnehmenden an der Testtour einig. Generell wäre in dieser Frage wohl ein landes- und noch besser bundesweiter Gleichklang angezeigt.

In der Wasserwerkstraße gesellt sich noch dazu, dass aufgrund einer nicht erfolgten Grundabtretung ein Stück Gehweg zu schmal war, um ihn als Geh-/Radweg auszweisen. Die Lösung, auf 30, 40 m den Radweg aufzuheben, ist natürlich eine nicht wirklich befriedigende. Debattiert wurde auch in der Marburgerstraße (L611), wo auf Höhe Umdasch (ehem. Assmann) der GRW stadteinwärts einfach versickert, weil zu wenig Platz vorhanden ist. Hier lautete ein Vorschlag, den Gehsteig etwas zu verschmälern und die Fahrbahn bis zum Kreisverkehr Lastenstraße mit beidseitigen Mehrzweckstreifen (ohne Mittelmarkierung) zu führen.

Das Manko in der Durchgängigkeit setzt sich auch bei den Kreisverkehren fort, etwa dem in der Südbahnstraße südlich der P&R-Anlage. Statt des halben Radwegs und der fehlenden Überfahrt Richtung Unterführung sollten die RadlerInnen möglichst auf der Fahrbahn mitgeführt werden, eventuell auf einem Mehrzweckstreifen. Externe Verknüpfung 
(siehe ARGUS-Vorschläge)
 
Auffällt bei der Befahrung auch, dass die Markierungen einer Auffrischung bedürften. In roter Signalfarbe markierte Überfahrten gibt es überhaupt keine, die wenigen Rad-Piktogramme machen einen antiquierten Eindruck. Die Wegweisung ist abseits der Landesradwege kaum vorhanden und wenn doch, wie etwa vom Bahnhof ins Zentrum, von lokalen, aber nicht unbedingt funktionalem Design.    



Aufgehoben in der Schmiedgasse
Aufgehoben in der Schmiedgasse
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Aufhebung, einmal "elegant" umgangen
Aufhebung, einmal "elegant" umgangen
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Enge Wasserwerkstraße
Enge Wasserwerkstraße
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P&R-Anlage, östlich des Bahnhofs
P&R-Anlage, östlich des Bahnhofs
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"Felgerknickermuseum" beim Bad
"Felgerknickermuseum" beim Bad
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Unterführungs-Schlauch
Unterführungs-Schlauch
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Verordnete Schiebepartie
Verordnete Schiebepartie
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Parken: Von Musteranlage bis Felgenknickermuseum
Die Abstellsituation präsentiert sich als durchwachsen: Auf öffentlichen Plätzen wie am Hauptplatz gibt es neben kleinen, problematischen Spiralen "wilde" Individuallösungen der Geschäftstreibenden, bei den Schulen herrschen in der Regel überdachte und eingangsnahe, aber nicht mehr zeitgemäße Abstellanlagen vor. Den Eindruck eines "Felgenknickermuseums", in der verschiedene Radständer lange vergangener Jahrzehnte versammelt sind, vermittelt der Platz vor dem städtischen Bad.

Eine löbliche Ausnahme ist das Parkangebot am neuen Bahnhof: Sowohl an der Westseite als auch bei der neu geschaffenen Park & Ride-Anlage im Osten gibt es ein großzügiges und qualitativ hochwertiges, selbstverständlich überdachtes Abstellangebot. Nicht ganz so tadellos sind die Anbindungen: Vom Ostteil führt ein schmaler, gewundener Unterführungs-Schlauch, ausgeschildert mit "Schritttempo" in Richtung Zentrum. 3,0 statt 2,5 m hätten hier wohl schon einiges gebracht. Das gebaute Konstrukt war ein Kompromiss, wie die Eigeweihte verrieten: Die ÖBB wollte überhaupt nur den 1,5 m breiten Gehweg bauen, die Mehrkosten für die breitere, verschlungene GRW-Variante musste die Stadt berappen.

Wendet man sich am P&R-Platz auf der Südbahnstraße nach Süden, findet man zwar im neuen Bahnbegleitweg - mit noch kleiner Lücke - eine gute Direkt-Verbindung nach Wagna vor, im ersten Abschnitt ist diese jedoch als undefinierbarer "Mehrzweckstreifen" ausgebildet. Die Bahnunterführung zur Marburgerstraße ist zwar auch schmal, aber übersichtlich und verdient keine Verordnung als Schiebestrecke.    

Auf der - der Stadt zugewandten - Bahnhof-Westseite führt ein GRW-Fragment mit einer opulenten Brücke bis zum Kreisverkehr Bahnhofstraße. Hier hat man offenbar nur die alte Park-Situation wieder herstellen wollen ohne eine zeitgemäße ansprechende Alternative ins Auge zu fassen.  

Ihren Ausklang fand die "Technical Tour" im grünen Westen, wo es sich zwischen Sportanlagen, Parks, Fluss- und Teichlandschaften vortrefflich radeln lässt und die Anbindungen auf den Landesradwegen zu weiteren Touren einladen.  



Überdimensionierte Brücke vor Bahnhof
Überdimensionierte Brücke vor Bahnhof
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Brücke zwischen Jufa Gästehaus und Sportanlagen
Brücke zwischen Jufa Gästehaus und Sportanlagen
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Verbindung nach Wagna östlich der Bahn
Verbindung nach Wagna östlich der Bahn
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Start zur Befahrung vor dem Rathaus
Start zur Befahrung vor dem Rathaus
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