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Das Rad der Zeit
"Kleine Zeitung" vom 16.05.2014, Seite 52

Museumsbesitzer Egon Lampl lädt morgen zu einer Ausfahrt mit historischen Fahrrädern. Am Start sind auch sechs Hochräder.

Alleine das Aufsteigen ist eine Wissenschaft. Den englischen Drahtesel Baujahr 1886 muss man nämlich quasi von hinten aufzäumen. Also erst die 58 cm hohe Aufstiegshilfe des Hochrads anvisieren, dann die Pedale erwischen, den Lenker zu fassen kriegen und auf dem Weg dorthin die Balance nicht verlieren. Dann sitzt man in rund 1,5 Meter Höhe hoffentlich fest im Sattel und dreht am 1,3 m messenden Vorderrad. Das hintere fällt mit 32 cm winzig aus. „Da schadet es nicht, wenn man ein Vierterl trinkt und links wie rechts Matratzen auflegt", lacht Egon Lampl, der das Prozedere am Ausstellungsstück in seinem Fahrradmuseum in Werndorf demonstriert.

Aber er freut sich schon auf die Höhenluft: Zu seinem 60er hat der Fahrradfan am 17. Mai eine Ausfahrt für historische Drahtesel organisiert, die in Werndorf, Kalsdorf und Großsulz Station macht. „Rund 60 Teilnehmer aus ganz Österreich haben sich angesagt", freut sich Lampl. „Darunter auch sechs Hochradfahrer."

Start ist in seinem privaten Fahrradmuseum, wo das Hochrad neben einem 115 Jahre alten Bambusrad aus Kärnten zu den ältesten Stücken zählt. „Das jüngste Bike ist das, mit dem Wolfgang Fasching 2000 das Race Across America gewonnen hat", erzählt Lampl stolz.

Anfangs hatte der gelernte Büchsenmacher eigentlich einen Spleen für Mopeds: „Aber da hat es im Haus immer nach Zweitakt-Gemisch gerochen." Also ist er auf geruchsneutrale Räder umgestiegen. Davon hat er mehr als 400 Stück zusammengetragen, bis er sich schließlich auf steirische Marken spezialisierte. Mit Herstellern wie Puch, Junior, Assmann, Bellin oder Lipscha ist Graz schließlich Österreichs Fahrradhochburg.

Seit 1999 sind rund 60 seiner Räder in den vier Räumen seines Museums zu sehen. Auch die Entwicklung der Fahrradkultur spiegeln zeitgenössische Accessoires wie Kotblechfiguren, Trikots und Plaketten aus dem heimischen Radrennsport oder Werbetafeln vitrinenweise wider. Die Puch-Palette reicht vom Waffenrad 1896 bis zum Ende der Produktion 1987. Darunter eine ganze Phalanx der Mistral-Modelle oder das Rennrad Bergmaschine. „Ich hab alle genauso aufgebaut, wie sie ausgeliefert wurden", erzählt der Krankenpfleger. Ein bisschen weh tut dieser Vorsatz beim teilweise vergoldeten Rennrad Puch „Ultima Manager" mit Griffen und Sattel aus Büffelleder, das 1987 35.000 Schilling gekostet hat. „Die Lichter sind so hässlich, aber das war eben so."

Was dem Sammler bisher nicht ins Netz gegangen ist: „Ein grünes Puch Mistral Ultima aus den Baujahren 1981 bis 1983 und ein weiß-grünes von 1984 bis 1986 in gutem, unverbasteltem Zustand würden mir noch fehlen." Wer so etwas in der Garage stehen hat, der möge sich bitte melden.

KARIN RIESS