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Walters "Velorabilia": Nippes, Postkarten und mehr

Walter Bradler ist ein Feinspitz: Er sammelt Kleinodien rund ums Fahrrad und zeigt sie in seinem kleinen Privatmuseum auch her. Als passionierter Radler und ARGUS-Mitglied bezeichnet sich selbst als "Radlnarrischer mit Sammler-Gen" und findet Freude an Vielfalt und Gestaltung der gesammelten Objekte.

Walter Bradler
Walter Bradler
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Deine Velorabilia-Sammlung wird immerhin in "111 Orte in Graz, die man gesehen haben muss" empfohlen. Dabei ist kein einziges echtes Fahrrad darunter, sondern nur Modelle, Figurinen, Nippes, Bildpostkarten etc. Was macht die Faszination dieser Art von Devotionalien aus?
Diese Sammlung ist das Ergebnis, wenn ein "Radlnarrischer" zusätzlich noch das Sammler-Gen hat, also eine Liebeserklärung an das genialste Fortbewegungsmittel. Mich begeistert die Vielfalt der Objekte, und an den Postkarten vor allem die kreative Gestaltung. Als gelernter Lithograf habe ich auch eine besondere Beziehung zu Werbung und Druckverfahren.

Bildpostkarten mit Radmotiven sind doch ein recht spezielles und überschaubares Sammelgebiet, oder?
Speziell ja, überschaubar eher nein. Die Zahl der Karten geht weit in den fünfstelligen Bereich. Wenn mich z.B. jemand fragt, ob ich eine illustrierte Postkarte mit einem Rad fahrenden Hund habe, kann ich ihm ein gutes Dutzend zur Auswahl zeigen. Die "illustrierten Postkarten" reichen von Glückwunschkarten für alle Anlässe, Karten mit Kindern, Tieren, Scherz-, Erotik- und Propagandainhalten bis hin zu Reklame und Grußpostkarten mit fotografierten Motiven. Sehr viele satirische Karten gibt es zum Thema "Radlerliebe" und über die "Tücke des Objekts", also Stürze in allen Varianten.
Bei modernen Karten ist in den letzten Jahren zu erkennen, dass das Fahrrad immer häufiger zur Bewerbung anderer Produkte verwendet wird. Es ist einfach trendy.

Die große Zeit der Bildpostkarten war um die Wende zum 20. Jahrhundert, parallel zur Plakatkunst. Wie ist das kunsthistorisch und technikgeschichtlich einzuordnen?
In dieser Zeit, also ca. von 1890/95 bis etwa 1910/15 fiel einiges zusammen: Das Reisen wurde möglich und immer beliebter, damit verbunden boomte das Schreiben und Sammeln von Ansichtskarten und die breite Masse, vor allem die Arbeiterschaft, setzte sich aufs Fahrrad. Auch die Frauen entdeckten das Rad als Ausdruck der damals aufkommenden Emanzipationsbewegung. Die immer besser werdende Technik der Lithografie ermöglichte ausgezeichnete Druckerzeugnisse zu günstigeren Preisen. Vor allem in Deutschland und Österreich entstand eine Industrie, die Postkarten in die ganze Welt exportierte.

Sind Bildpostkarten im Zeitalter des Internets nicht ein Anachronismus?
Natürlich werden heute immer weniger Ansichtskarten versendet, aber illustrierte Karten, vor allem aus der Blütezeit, sind oft kleine Kunstwerke. Sie wurden manchmal von namhaften Illustratoren gestaltet und können mitunter wertvoll sein. So werden einzelne Postkarten der Wiener Werkstätte manchmal um tausende Euros auf Auktionen versteigert.

Wenn wir schon bei Postsachen sind: Gibt es nicht auch viele Briefmarken, die Fahrräder zeigen? Sammelst du auch diese?
Nicht so intensiv wie Postkarten, aber auch hier gibt es unzählige Beispiele guter grafischer Gestaltung, die ein lohnendes Motiv für eine Sammlung sind. Außerdem gibt es noch private Werbemarken, die von Firmen ausgegeben wurden und als Schmuck auf Karten und Briefe geklebt oder in Alben gesammelt wurden. Und das weite Feld der Sammelbilder, die bereits seit 1870 vor allem von Liebig, Palmin, Knorr, vielen Kaffee-, Schokolade- und Zigarettenfirmen ausgegeben und in Sammelalben geklebt wurden. Das gibt es ja bis heute, siehe Panini-Bilder und Stickeralben.

Was ist deine älteste und welche deine wertvollste Rad-Postkarte?
Die älteste ist vermutlich zugleich die wertvollste: Eine Ansicht von Linz, illustriert mit einem grüßenden Hochradfahrer, versendet 1888. Die habe ich vor ca. zehn Jahren um 250 Euro gekauft - ist aber unverkäuflich. Und da ist dann noch die herrliche Werbekarte für "Waverley Cycles" des tschechischen Jugendstil-Künstlers Alfons Mucha mit einem Wert von ca. 10.000 Euro. Die habe ich natürlich auch - als moderne Reproduktion.

WW



Beitrag Velorabilia Sammlung
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