Zeitungsrad
 
Sie befinden sich:  » Argus  |  » Medien

Tickets für Öffis statt Geld für Pendler
"Kleine Zeitung" vom 03.06.2015, Seite 24

Das Ende der kleinen Pendlerpauschale in ihrer jetzigen Form fordert die Wirtschaftskammer: Das Geld solle in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs fließen.

Niemand pendelt gerne vom Wohnort zum Arbeitsplatz und wieder zurück. Und trotzdem tun es täglich Zehntausende Steirer, der Großteil davon in den Großraum Graz, wo 43 Prozent der steirischen Wertschöpfung generiert werden. Der Zentralraum wird weiter wachsen - und damit die Verkehrsbelastung. Die Wirtschaftskammer Steiermark fordert aufgrund einer eigenen Studie eine Adaptierung der bestehenden Strategien von Stadt Graz und Land und eine völlige Neuordnung der eingesetzten Mittel.

Ausbau in Graz

Konkret will Sabine Wendlinger-Slanina, Obfrau der WK-Regionalstelle Graz, die Pendlerpauschale neu gestalten und bekommt dabei prominente Unterstützung durch den Wiener Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher: „Mit der Pendlerpauschale in ihrer jetzigen Form fördert die öffentliche Hand ein Fehlverhalten."

Wendlinger-Slanina fordert, dass die kleine Pendlerpauschale, die in Österreich 200 Millionen Euro pro Jahr ausmacht, in Form von Sachleistungen, also Öffi-Tickets für Pendler, ausgegeben wird. Zugleich müsse die Multimodalität, die Vernetzung sämtlicher Verkehrsbereiche, forciert werden. Menschen wählen immer öfter unterschiedliche Mobilitätsangebote, daher müssten, so Wendlinger-Slanina, multimodale Knoten geschaffen werden, wo Öffis mit E-Taxis, E-Bikes oder auch Car- und Bikesharingsystemen verknüpft werden.

In Graz fordert die Wirtschaftskammer den Ausbau der Süd-West-Linie, die Erschließung der Smart City und der Reininghausgründe. „Die Straßenbahn müsste schon da sein. Aber es wird wie so oft umgekehrt sein: Es wird alles zugebaut und dann ist kein Platz mehr für den öffentlichen Verkehr", zeigt Wendlinger-Slanina Defizite in der Stadtplanung auf.

Die „gut gemeinte" Pendlerpauschale habe eine Reihe schädlicher Wirkungen, bekräftigt Knoflacher: Lokale Kleinbetriebe werden geschwächt, die Zersiedelung und die Umweltbelastung gefördert. Das Geld - große und kleine Pendlerpauschale zusammengerechnet 600 Millionen im Jahr - wäre sinnvoller in die Förderung von Arbeitsplätzen vor Ort eingesetzt. „Es herrscht oft eine Unausgewogenheit von Beschäftigten am Wohnort und lokalen Arbeitsplätzen", erklärt Knoflacher. Auch der Finanzausgleich, wie er heute betrieben werde, fördere das Pendeln, weil er darauf keine Rücksicht nehme.

HANNES GAISCH