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Lebenseinstellung Rad
"Woche Graz" vom 05.08.2015, Seite 19

Beim "Race Across America" kam er mit einer Stunde Schlaf aus, an seinem Traumtag reicht das nicht ...

Ein perfekter Tag mit Severin Zotter

Zur Person

4.800 Kilometer, das ist ein bisschen weniger als ein Zehntel des Äquators, etwa 24 mal die Strecke zwischen Graz und Wien und genau die Distanz, die Severin Zotter in acht Tagen, acht Stunden und 17 Minuten zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste zurückgelegt hat. Acht Tage, acht Stunden und 17 Minuten, die ihn gleich bei seinem ersten Antreten beim "Race Across America" (RAAM) im Juni zum Sieger des berüchtigtesten Langstreckenradrennens der Welt gemacht haben.

Vielschläfer

Um das schaffen zu können, braucht man viel Training, ein bisschen Glück - und wenig Schlaf: Bei Zotter war es im Verlauf des Rennens im Durchschnitt eine Stunde pro Tag. Und das, obwohl er eigentlich Langschläfer ist. "Auch wenn man es nicht glaubt: Ich bin ein Vielschläfer." Der perfekte Tag des Grazers beginnt also am besten nach acht bis neun Stunden im Bett. Wenn dann noch Zeit bleibt, außerdem mit einem ausgiebigen Frühstück: "Mit meiner Freundin auf unserer Terrasse, im 'Parks' oder im 'Sperl'."

Sozialarbeiter

Weil Zotter aber nicht nur Radrennfahrer ist, sondern sein Geld als Sozialarbeiter beim Drogenstreetwork der Caritas verdient, müssen oft ein schneller Kaffee und ein Brot reichen, bevor er los muss. "Es ist eine sehr schöne Arbeit, auch wenn es manchmal hart sein kann. Es hängt aber stark von meiner Verfassung ab. Ich kann nicht immer gleich offen auf die Menschen zugehen."

Sportler

So oft es geht versucht der geborene Wetzelsorfer aber auch am Rad zu sitzen: "Das Training ist schon sehr intensiv, vor dem RAAM waren es 20 bis 25 Stunden pro Woche." Die Zeit am Rad ist aber nicht nur Vorbereitung für Rennen, sondern gleichzeitig ein guter Ausgleich zur Arbeit: "Oft steht danach schon ein Freund vor der Tür und wir machen eine Trainingstour. Graz ist ziemlich optimal zum Rennradfahren, weil es im Süden die Ebenen gibt und rundherum die Hügel."

Fahrradbote

Fahrradfahren ist für Severin Zotter aber viel mehr als nur das Training und die Rennen. Für ihn ist es eine Lebenseinstellung: "Der ökologische Gedanke spielt eine Rolle, es ist Fortbewegungsmittel und Leidenschaft. Das Radfahren hat unglaublich viele Aspekte, die eine Faszination auf mich ausüben." Und das Rad ist für den Langstreckenfahrer, der immer wieder als Fahrradbote bei "Veloblitz" arbeitet, auch Arbeitsmittel. "Wenn man schnell unterwegs ist, muss man total konzentriert sein. Man kommt dann in einen 'Flow', das macht richtig Spaß."

Spieler

Am Abend geht Zotter dann gerne unter Leute. "Mit Freunden auf ein Bier ins Parkhouse oder in die Scherbe. Oder wir machen einen Spieleabend zuhause." In Zukunft vielleicht auch einmal etwas länger, das nächste RAAM wird nämlich ohne den Titelverteidiger stattfinden: "Das habe ich meiner Freundin versprochen."

Geboren am 5. Jänner 1982 in Graz.

Sozialarbeiter im Drogenstreetwork der Caritas.

Als Langstreckenradfahrer unter anderem Sieger des "Race across America", Sieger der "Tortour", 2. beim "Race across Austria"

Info: www.severinzotter.at



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