Grazer Radfahrer Club
 
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Josef Perschy: Pfeilschnelle Sprints im Starrlauf

Einer der ersten Siege auf Vaters Tourenrad, 1946
Einer der ersten Siege auf Vaters Tourenrad, 1946
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Radfahren gelernt hat Josef Pferschy mit dem Puch Tourenrad seines Vaters, bei dem er mit einem Bein unter dem Oberrohr durchsteigen musste, um ans zweite Pedal zu kommen. Eine böse Schussverletzung, die ihm ein verirrtes Kleinkalibergeschoss zu seinem 14. Geburtstag auf einem Schießstand beschert hatte, ersparte ihm den Militärdienst, verhinderte aber nicht seine radsportlichen Ambitionen. "Ich hab'  gemerkt, dass ich unter den Gleichaltrigen immer der Schnellste war", erinnert sich der Grazer (*10.11.1929) im Rückblick. (1)

Die Kotbleche wurden abmontiert, der Rennlenker von einem Freund ausgeborgt und aus Skiriemen Clips gebastelt. Für sein erstes Kriterium trainierte er ums elterliche Haus in Mariagrün, "ich musste ja Kurven fahren üben", die Freunde standen Posten an den Kreuzungen, "aber damals war eh kein Verkehr."




Kriterium "Rund um die Hauptpost", 1947
Kriterium "Rund um die Hauptpost", 1947
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Bahn am GAK-Platz, Körösistraße, 1948
Bahn am GAK-Platz, Körösistraße, 1948
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Faßlbergrennen, 1949
Faßlbergrennen, 1949
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Auf dem Weg zum ersten Meistertitel, 1950
Auf dem Weg zum ersten Meistertitel, 1950
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Erste Rennen mit Vaters Puchrad
"Rund um die Hauptpost" am 6. Oktober 1946 war sein erstes Rennen und gleich der erste Sieg bei den Wulstreifenfahrern. (2) Vor dem Start hatte noch ein Kollege gemeint:"Was, mit dem Karren willst' fahren?"  Im folgenden April wiederholte er den Erfolg bei den "Wulstlern" beim 23. Fasslbergrennen. 

Beim Rennen in Straßgang am 5. Mai 1947 pirschte er sich an die Elite heran: Nach dem Sieg bei den Junioren sprintete der 18-Jährige auch in der allgemeinen Klasse ganz vorne mit und störte die Kreise des Favoriten Fredi Sitzwohl, der - so erinnert sich Perschy - an diesem Tag seinen Freund gewinnen lassen wollte. Um den leichtgewichtigen Neuling noch abzufangen, musste Sitzwohl selbst voll dagegenhalten - und siegte schlussendlich nur knapp vor diesem. 

Doch es folgten auch Durststrecken: Das Rennen Graz - Semmering - Graz nahm den eher schmächtigen Burschen ganz schön mit, zu spät bemerkte er, dass ein paar Traubenzuckerwürfel und ein Marmeladebrot an Energiezufuhr zu wenig waren. Wasser trank er mit einem Schläucherl aus einer Wehrmachts-Feldflasche, die er mit Draht am Lenker befestigt hatte; um sie nachzufüllen, musste er das ganze Rad unter die Wasserpumpe stellen, "fünf Mal sicher".

Schon in Peggau war er zusammen mit Franz Deutsch in einen Sturz verwickelt, der Schlusswagen fuhr vorbei und Deutsch ließ ihn in Bruck stehen. Längst wollte er aufgeben, doch der Umstand, dass er kein Geld für eine Bahnfahrkarte retour hatte, hielt ihn im Sattel. Endlich, nach 200 km am Ziel beim Bachwirt in der Wienerstraße, wartete nur noch Rennleiter
Ferdinand Pelkhofer. Pelkhofer war ihm auch sonst behilflich: Er übernahm für ihn, der knapp bei Kasse war, den Mitgliedsbeitrag für den "Alpenländische Radfahrer-Vereinigung", denn ohne bei einem Verein zu sein durfte man nur im ersten Rennen starten.



Mit Deutsch und Sitzwohl beim RV Junior
Josef Perschy war bald klar, dass die Langstrecke nicht seine Stärke war: "Meine Kondition funktionierte nur bis 100 km". Nur einmal siegte er auf der Distanz, und zwar bei Wien - Melk - Wien, ein Erfolg, der für die Qualifikation zur Österreich-Rundfahrt 1951 bedeutete. Ein mühsam erarbeiteter Sieg war im Jahr davor der Sieg bei der Vierer-Mannschaftsmeisterschaft (100 km) in Schwechat gemeinsam mit Rauschl, Sitzwohl und Deutsch:"Ich wollte schon aufgeben. Da schied Rauschl aus, und drei mussten ja ins Ziel kommen. Über den letzten Hügel mussten mich die Kollegen schieben."

Zu dieser Zeit war er schon beim RV Junior, dem damals führenden Rennstall. Karl Rauschl war bei ihm zuhause aufgetaucht und hatte ihn angeworben. Perschy arbeitete als Absolvent der Baufachschule schon bei einer Baufirma und wechselte nun zu Junior, wo er besser verdiente und zwei freie Nachmittage zum Trainieren hatte. Ganz freigestellt waren übrigens die Asse Fredi Sitzwohl und Franz Deutsch. Mit den "Vollprofis" hat er sich gut verstanden, auch mit dem als hemdärmelig geltenden Deutsch, wobei: "Beim Sprint war ich meistens der Schnellere."

Taktik, Köpfchen und die richtige Übersetzung
Kriterien, taktische kurze Rennen und knackige Sprints waren Perschys Ding. "Ich habe durch Taktik, Köpfchen und die richtige Übersetzung gewonnen." So ließ er bei Kriterien den ersten Punktesprint aus, um sich unmittelbar danach mit einem schnellen Antritt an die Spitze zu setzen - und möglichst bis ins Ziel dort zu blieben.

Gerne erinnert er sich an das legendäre Faßlbergrennen, das von Mariatrost auf der Weizerstraße über 5,8 km vom Gasthaus Lernbeiss großteils bergauf bis zum Gasthaus Neues Fassl an der Abzweigung nach St. Radegund führte. Vier Mal hat er hier gesiegt, immer mit starrer Nabe, zuerst in der Wulstreifen-Klasse, 1949 und 1950 in der Hauptklasse, 1950 auf neuem Asphalt in der - im Rahmen dieses Bewerbs nie mehr gebrochenen - Rekordzeit von 9 Minuten, 35,2 Sekunden: "Ich habe mir halt eingebildet, mit starrer Nabe habe ich keine Reibung, und das Rad läuft leichter." Auch die steirische Straßenmeisterschaft 1953 Feldkirchen - Mureck - Feldkirchen gewann er ohne Schaltung.


Teams von Junior und Puch beim Fasslbergrennen, 1950
Teams von Junior und Puch beim Fasslbergrennen, 1950
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"Mich hat immer nur ein Sieg interessiert"
59 Siege bei 200 Starts, darunter drei steirische Berg- und zwei Straßenmeistertitel. Josef Perschy hat alles genau aufgelistet. Bei der Österreich-Rundfahrt 1951 wurde er Zehnter, übrigens "das einzige Mal, dass ich gedopt habe". Das Gemisch, das er auf der Etappe Klagenfurt - Lienz verabreicht bekommen hat, habe einen kurzen Höhenflug bewirkt - mit nachfolgendem Einbruch. Seine Meinung damals und heute zu Doping: "Ich bin für eine Freigabe. Jeder ist selbst für sich verantwortlich."

Josef Perschys Karriere war kurz, keine zehn Jahre, seine Erfolge feierte er regional und national. Dennoch blickt er zufrieden zurück: "Ich habe zwei Ziele gehabt: Steirischer Meister und Ingenieur zu werden - wie meine Vorbilder Karl Rauschl und Heinz Jager. Beides habe ich erreicht."  Warum er schon mit 25 Jahren aufgehört hat? "Mich hat immer nur ein Sieg interessiert. Als ich nicht mehr gewonnen habe, habe ich aufgehört". Zudem war seine Lebensplanung eine andere; er gründete eine Familie und ging nun auf Dauer ins Baufach.

Dem Fahrrad blieb er dennoch treu. "Mein ganzes Leben fahre ich mit dem Rad", resümiert der rüstige Altmeister. Zuerst fuhr er mit dem Rad zu den Baustellen, später stieg er als Senior wieder kurz in den Radsport ein, heute erledigt er Alltagswege und fährt kleinere Touren, wobei er zum Teil "jetzt im Alter" auch auf E-Unterstützung zurückgreift.





Österreich-Rundfahrt 1951, Etappe Klagenfurt - Lienz
Österreich-Rundfahrt 1951, Etappe Klagenfurt - Lienz
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Graz - Deutschlandsberg, 1952
Graz - Deutschlandsberg, 1952
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Bergmeister 1952
Bergmeister 1952
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Medaillen-Kollektion Perschy in Lampl's Fahrradmuseum
Medaillen-Kollektion Perschy in Lampl's Fahrradmuseum
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Quellen- und Nachhör-Hinweise
(1) Die Gespräche mit Ing. Josef Perschy wurden am 21. und 24.08.2015 geführt. Beim ersten Termin in der Bäckerei - Konditorei Kern in Mariatrost - nahe dem Eltern- und Wohnhaus des Interviewten - war auch Nic Zöchling dabei, der durch Zufall zu einem von Perschy siegreich gefahrenen Junior-Bahnrahmen gekommen war. Darüber und über die Highlights seiner Sportkarriere, seine Spezialitäten und Schwächen sowie über die Erfahrungen in der Junior-Rennmannschaft gibt es Auszüge zum Nachhören. Externe Verknüpfung (Gespräch mit Josef Perschy 21.8.2015)
(2) Die Rennergebnisse stammen - so nicht von Perschy erinnert - aus Berichten der Neuen Zeit bzw. wurden bezüglich der Daten mit diesen abgeglichen.

WOLFGANG WEHAP







Downloads

»Interview Perschy 21.8.2015
(!!10 MB!!)