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Die Puch-Räder strahlen bis heute
"Kleine Zeitung" vom 18.12.2015, 28, 29

Vom Hoch- zum Nieder- zum Rennrad: Ein neues Buch erzählt die Geschichte der „Fahrradfabrik Johann Puch“ in Graz.

"Ich bin selbst am Werkszaun in Thondorf aufgewachsen.“ Dass WolfgangJournalist, Autor und passionierter Radfahrer, ein Buch über die Puch-Fahrräder geschrieben hat, verwundert also nicht. Auf 400 Seiten hat er gemeinsam mit dem Radhistoriker Walter Ulreich die Geschichte der Kultmarke „Puch“ aufgeschrieben. Das reicht von der Industriegeschichte zurück ins späte 19. Jahrhundert bis hin zum Revival, das alte Puch-Räder heute erleben.

Gerade in der jungen Szene hat Puch heute wieder einen guten Marktwert“, weiß Wehap. "In mehreren Grazer Radläden werden heute viele alte Puch-Räder wieder hergerichtet.“

In der 97-jährigen Geschichte der Puch-Fahrradproduktion wurden insgesamt fast zehn Millionen Räder hergestellt – das letzte 1987. Begonnen hat Gründer Johann Puch in der Strauchergasse 1890. Damals waren Hochräder sehr gefragt, auch große Dreiräder wurden hergestellt, sogar ein Gepäcksdreirad gab es, das jenen Lastenrädern aus Holland ähnelt, die heute auch in Graz boomen. Puch baute aber auch das „Niederrad Styria“, satte 23 Kilo schwer. In einer Anzeige wurde es 1890 als „Sicherheits-Zweirad“ beworben.

Der Rennsport hatte von Beginn an eine bedeutende Rolle für Puch – und behielt sie bis fast zum Schluss. 1980 bis 1985 engagierte sich die damals bereits finanziell schwächelnde Marke massiv im Profi-Rennsport. Der größte Erfolg: Das Puch-Team holte Platz fünf bei der Tour de France.

Zwei Jahre später war dann ganz Schluss. „Über das Ende der Fahrradproduktion bei Puch gibt es viele Mythen“, so Wehap. Er hat mit vielen Zeitzeugen gesprochen und versucht, Mythen und Fakten zu unterscheiden. "Der Plan war, das Fahrradwerk von der Autoproduktion auszugliedern, neu zu strukturieren und wieder durchzustarten". Das scheiterte, auch am Widerstand der Gewerkschaft. „Aber es war auch das allgemeine gesellschaftliche Klima damals so: Man hat an das Fahrrad nicht mehr geglaubt“, so Wehap.

Die Folge: Vorstand und Eigentümer Creditanstalt haben 1987 die Fahrradproduktion in Graz endgültig geschlossen und den Markennamen verkauft. Auch heute noch werden Räder unter dem Namen „Puch“ produziert. Für die junge Szene in Graz ist aber klar: Ein echtes Puch ist nur ein altes Puch.

Die Geschichte der Puch-Fahrräder haben Walter Ulreich und Wolfgang Wehap auf 400 Seiten (inklusive einer ausführlichen englischen Zusammenfassung) aufgeschrieben.

Der Bogen reicht von den Anfängen 1890 über die industrielle Fertigung und beachtliche Sporterfolge bis zum Verkauf der Zweirad-Sparte 1987.

Das Buch ist im Weishaupt- Verlag erschienen und kostet 48 Euro.
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